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Verteidigungstitel unter Druck
Tobias Schmidt, Leiter Portfoliomanagement
Widersprüchlicher könnten die Nachrichten kaum sein: Die USA unter Präsident Trump machen keine Anzeichen, ihren Rückzug aus der europäischen Sicherheitsarchitektur umzukehren. Zugleich steigen die Zweifel, dass Europa im Alleingang die Verteidigungsfähigkeit stärken kann. Ein von Frankreich und Deutschland geplantes Kampfflugzeugprojekt wurde kürzlich eingestellt. Nun kam vom Rüstungskonzern Rheinmetall eine Hiobsbotschaft: Das Bundesverteidigungsministerium will für den Bau neuer Fregatten einen anderen Anbieter beauftragen. Seit dem Allzeithoch im Herbst 2025 hat sich der Kurs von Rheinmetall halbiert. Auch andere europäische Verteidigungstitel fielen. Investoren hinterfragen, ob politische Ausgabenversprechen tatsächlich in Aufträgen münden.
Die sektorweite Schwäche signalisiert das Risiko, das Anleger nach dem rasantem Auftragswachstum einpreisen. Bürokratie und Politik verunsichern. Doch ist der Trend strukturell intakt: Das NATO-Bündnis hat ein Ziel von fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigungsausgaben ausgegeben, hinzu kommen die notwendige Bestandsauffüllung nach Ukraine-Lieferungen sowie der teilweise US-Rückzug aus Europa. Doch Verteidigung ist nur ein Thema auf Europas Weg zu mehr Autonomie – auch größere Energieunabhängigkeit und Infrastrukturmodernisierung gehören dazu. Wer auf diese Trends in der Breite setzt, dürfte den robusteren Korb an Beteiligungen haben als mit der Wette auf einzelne Unternehmen.