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Stützt Trump europäische Anleihen?
Der US-Dollar ist angeschlagen, der Euro im Aufwind. Was das für das Rentenportfolio bedeutet.
Christian Kopf , Leiter Portfoliomanagement Renten
29. Oktober 2025 - Der Dollar als Gradmesser des Vertrauens in die USA ist angeschlagen. Seit Anfang des Jahres hat der US-Dollar-Index, der den Wert des US-Dollars mit Hilfe eines aus sechs weiteren Währungen bestehenden Korbes vergleicht, beinahe neun Prozent verloren. Gegenüber dem Euro beträgt das Minus fast elf Prozent. Eigentlich müsste die US-Währung real noch weiter abwerten, wie einige Bewertungsmodelle im historischen Vergleich zeigen. Demnach ist die US-Währung nach wie vor zu hoch bewertet, wie die Grafik zeigt:
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Als wichtiger Grund für die Dollar-Schwäche wird der Einfluss der chaotischen Politik von US-Präsident Donald Trump angeführt. Im Frühjahr kam es durch den Zollkonflikt beim so genannten "Liberation Day” zum Kursrutsch des US-Dollars und damit zu ungewöhnlichen Marktturbulenzen. Denn üblicherweise wertet die Währung eines Landes auf, das Importzölle auf Wareneinfuhren erhebt, und nicht ab, wie in diesem Fall.
Statt US-Staatsanleihen zu kaufen, die bisher als „sicherer Hafen“ galten, flüchteten Markakteure aus diesen Papieren. Damit einher ging ein Kursrückgang. Üblicherweise fließen in Phasen, in denen der Kapitalmarkt Risiken abbaut („Risk off“), Anlagegelder von US-Anlegern in die Vereinigten Staaten. Im Frühjahr war dies weniger ausgeprägt der Fall, während zusätzlich ausländische Investoren mehr Gelder aus den USA abzogen. Erst als Trump mit seinen Zolldrohungen zurückruderte, beruhigte sich das Geschehen.
Nun fragen sich Anleger, ob sich so etwas wiederholen kann? Ist der Status des weltgrößten Finanz- und Staatsanleihemarkts nun irreparabel beschädigt? Und was bedeutet das für das eigene Rentenportfolio?
Die Befürchtungen, dass der US-Kapitalmarkt aus den Fugen gerät und der US-Staatsanleihemarkt kollabiert, waren übertrieben.
Christian Kopf
Leiter Portfoliomanagement Renten
Die Befürchtungen, dass der US-Kapitalmarkt aus den Fugen gerät und der US-Staatsanleihemarkt kollabiert, waren übertrieben. Übertrieben war auch die Erwartung, dass sich internationale Investoren scharenweise aus dem Dollar-Raum verabschieden würden. Bisher sind die Umlenkbewegungen in andere Währungsräume moderat geblieben.
Doch es wäre ein Trugschluss zu glauben, alles laufe so weiter wie früher. Eine Systemkrise ist zwar äußerst unwahrscheinlich. Aber Trumps autoritäre Wirtschafts-, Handels- und Sicherheitspolitik setzt ungünstigere Rahmenbedingungen für die größte Volkswirtschaft und den wichtigsten Kapitalmarkt der Welt. Auch hat die Beschlagnahmung von ausländischen Vermögenswerten, die in den USA hinterlegt sind, im Ausland Bedenken geweckt. All dies steht einem bald wieder kräftigeren US-Dollar entgegen – zumindest aus europäischer Sicht. Denn die Belastungsfaktoren auf der US-Seite sind zu vielfältig, während im Euroraum die Bedingungen für einen stabileren Euro-Wechselkurs gegeben sind.
Ein Vergleich zwischen den USA und dem Euroraum zeigt, dass die USA ein anhaltend hohes Leistungsbilanzdefizit aufweisen - anders als der Euroraum. Und trotz der Einführung von Importzöllen ist eine substanzielle Verbesserung des Handelsbilanzsaldos der USA nicht in Sicht – das Ungleichgewicht bleibt bestehen. Auch werden die Kosten für den Schuldendienst der USA hinsichtlich ihrer Staatsanleihen in den nächsten zehn Jahren inflationsbereinigt voraussichtlich zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) überschreiten. Der Grund: Die Staatsverschuldung steigt weiter an und eine Rückkehr zu den extrem niedrigen Leitzinsen der Vergangenheit erscheint unrealistisch. Das steigende Angebot an Staatsanleihen trifft auf eine wenig kauffreudige Nachfrage. Längerfristig könnten die Renditen von US-Staatspapieren deutlich steigen.
Hinzu kommt: Europa steht nach Einschätzung unserer Experten vor einer „großen Transformation“. Der alte Kontinent bemüht sich, sicherheits- und handelspolitisch auf eigenen Beinen zu stehen, was hohe Investitionen in Verteidigung und Infrastruktur bedingt. Diese Bereitschaft erhöht nicht nur die Staatsverschuldung, die im Vergleich zu den USA niedriger ist und damit Spielraum bietet. Die Fiskalprogramme stärken perspektivisch auch das Wachstumspotenzial Europas, wenn die Mittel klug eingesetzt werden. Dadurch kann sich die Attraktivität des Euro als internationale Reservewährung erhöhen.
Noch ein Punkt fällt ins Gewicht: Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) steht unter einem enormen politischen Druck. Mit Attacken wie auf die Gouverneurin Lisa Cook versucht Trump die Mehrheit des für die Geldpolitik entscheidenden Gremiums zu seinen Gunsten zu drehen. Ziel ist eine deutlich lockerere Geldpolitik.
Wir gehen von einer schrittweisen Aushöhlung der Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed aus, die zu niedrigeren Leitzinsen führen wird, als das aus fundamentaler Sicht eigentlich angemessen wäre. Zugleich erwarten wir, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Mandat der Preisstabilität weiter ernst nimmt. Darum halten wir eine vorübergehende, längere Divergenz in der Notenbankpolitik, die nicht fundamental, sondern politisch begründet ist, für möglich. Zugleich driftet die Inflation zwischen den USA und dem Euroraum auseinander – und zwar in umgekehrter Richtung. Die US-Notenbank dürfte also trotz einer Inflationsrate um die drei Prozent ihren Leitzins weiter senken, was den kurzfristigen Realzins mindert und eine Anlage in US-Dollar weniger attraktiv macht. Wenn die EZB gleichzeitig ihren Leitzins unverändert belässt, stärkt dies die Attraktivität des Euro für Kapitalanleger. Auch dieser Faktor unterstützt den Euro-Wechselkurs.
Wie tiefgreifend die von der US-Regierung ausgelösten Veränderungen sind, zeigt sich daran, dass trotz der Schwäche des Greenbacks die internationalen Währungsreserve-Manager ihre Dollar-Positionen zuletzt weiter abgebaut haben. Das sonst übliche „Rebalancing“ hat nicht mehr stattgefunden. Bei einer Dollarschwäche hatten die Reservemanager bislang eher Dollarbestände aufgebaut. Nun ist das Gegenteil der Fall, und Rückzahlungen von fällig gewordenen Anleihen werden mitunter in anderen Währungsräumen investiert.
Allerdings bleibt die Dominanz des US-Dollar noch länger bestehen, da sich seine enorme Bedeutung im internationalen Zahlungsverkehr nicht so schnell ersetzen lässt. Auch der Euro ist nicht automatisch die bessere Alternative: Insbesondere aus dem arabischen und asiatischen Raum werden Bedenken gehegt, dass eine Konfiszierung etwa von eingefrorenen Vermögenswerten im Euroraum das Vertrauen in die Währungsunion unterwandern könnten.
Wir teilen diese Bedenken aber nicht. Insgesamt dürfte die Nachfrage nach US-Dollar aufgrund der unsicher gewordenen Rahmenbedingungen in den USA eher sinken. Mit Blick auf mögliche weitere Kursverluste dürfte zudem der Absicherungsbedarf im Währungsmarkt steigen, was den Dollar unter Druck setzt.
Was bedeutet das für ein Rentenportfolio? Die erfreuliche Nachricht: Europäische Anleihen profitieren von der Politik des US-Präsidenten Trump. Bislang ist die Dominanz von US-Dollar-Anlagen am Finanzmarkt im Vergleich zu Anlagen in anderen Währungsräumen erdrückend. Durch die erratische Art der US-Politik werden Anleger gezwungen sein, ihre Vermögenswerte stärker zu diversifizieren. Dies spielt auch Europa in die Hand – und dürfte für einen leichten Zustrom an Anlagegeldern in den Euro und auf Euro lautende Anleihen führen, was deren Kurse stützt.
Immer mehr Investoren neigen dazu, Unternehmensanleihen als Ersatz für risikoarme Staatsanleihen zu erwerben.
Allerdings birgt die aktuelle Entwicklung auch Risiken. Durch die Aushöhlung der Unabhängigkeit der US-Notenbank könnte die Inflation stärker als erwartet ansteigen und es dürfte schwieriger werden, sie einzuhegen. Auch birgt der Anstieg der US-Verschuldung durch die Trump‘sche Haushaltspolitik insbesondere für länger laufende US-Staatspapiere Gefahren. Die daraus folgenden höheren Kursschwankungen könnten auf den europäischen Anleihemarkt überschwappen und dort für Unruhe sorgen.
Aus unserer Sicht bleiben europäische Unternehmensanleihen in diesem Umfeld gut abgeschirmt. Während die Verschuldung der Staaten stärker steigen wird und wir höhere Laufzeitprämien für länger laufende Staatspapiere erwarten, sind die fundamentalen Aussichten für Unternehmen mit starker Bilanz sehr gut. Und: Der Markt für euro-denominierte Unternehmensanleihen guter Bonität hat zwar das erhebliche Volumen von 3.200 Milliarden Euro erreicht, er ist aber immer noch deutlich kleiner als der Dollar-Markt, der ein Umlaufvolumen von 7.800 Milliarden Euro aufweist. Deshalb haben schon marginale Veränderungen bei den Zuflüssen in Euro-Papiere eine deutlich kursstützende Wirkung.
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Untermauert wird diese Einschätzung mit Blick auf die Emissionsaktivität. Dieses Jahr wird im Investment-Grade-Bereich mit über 600 Milliarden Euro Bruttovolumen wohl eine Rekordplatzierung erreicht. Zugleich ist die Nachfrage vor allem von privater Seite stark gestiegen. Dahinter steht die vergleichsweise risikofreie Suche nach Mehrertrag. Immer mehr Investoren neigen dazu, Unternehmensanleihen als Ersatz für risikoarme Staatsanleihen zu erwerben. Insgesamt sind daher für einen europäischen Rentenanleger keine Kurzschlussreaktionen angezeigt. Wir empfehlen aber, nicht zu lange Durationen einzugehen, und Bestände in US-Dollar gegen Wechselkursschwankungen abzusichern. Damit sollte ein Rentendepot gut positioniert sein.
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