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Notenbanken bleiben ruhig
Tobias Schmidt, Leiter Portfoliomanagement
Am Mittwoch und Donnerstag tagen die Federal Reserve (Fed) und die Europäische Zentralbank (EZB). Um es vorwegzunehmen: Die beiden großen Notenbanken werden die Zinsen unverändert lassen. Sie schauen durch den Inflationsanstieg, verursacht durch den Energiepreisschock, noch hindurch.
Solange die erhöhten Preise für Energie keine Zweitrundeneffekte auslösen, sieht die EZB keinen Grund, die Zinsen anzuheben. Die Inflation im Euroraum lag vor dem Iran-Konflikt im Zielbereich von zwei Prozent. Die geldpolitische Ausrichtung ist neutral und bei einem reinen Angebotsschock kann die Geldpolitik kurzfristig wenig Wirkung entfalten. Sollte die Straße von Hormus bald wieder freigegeben werden und eine langsame Normalisierung einsetzen, besteht für die EZB voraussichtlich kein Handlungsbedarf. Zieht sich der Konflikt wider Erwarten länger hin, sind moderate Zinsanhebungen im Jahresverlauf zu erwarten, um Zweitrundeneffekten vorzubeugen.
Die Situation bei der Fed steht unter anderen Vorzeichen. Sollte der Trump-Vertraute Kevin Warsh im Mai die Führung der US-Notenbank übernehmen, ist mit einer lockereren Geldpolitik zu rechnen, als fundamental gerechtfertigt wäre. Konkret würde das zwei Zinssenkungen im zweiten Halbjahr bedeuten. Bleibt die Lage in der Golf-Region angespannt, könnten sie später kommen. Mit Zinserhöhungen ist in den USA nicht zu rechnen, denn die Fed verfolgt neben der Inflationsbekämpfung auch das Ziel der Vollbeschäftigung.