Source: https://unternehmen.union-investment.de/presseservice/aktuelles/alle-kapitalmarktmeinungen/archiv/ki_sorge_vor_kontrollverlust
Künstliche Intelligenz: Die Sorge vor Kontrollverlust
Tobias Schmidt, Leiter Portfoliomanagement
Die Diskussionen um die immer leistungsfähigere Künstliche Intelligenz (KI) haben in den vergangenen Tagen eine neue Dynamik gewonnen. Durch die eindringlichen Warnungen namhafter Entwickler und die überraschende Verschiebung des Börsengangs des KI-Platzhirschs OpenAI rückten die Risiken in den Blickpunkt. Es geht nicht mehr nur um Tempo und Rechenleistung. Es geht auch darum, wie mit gesellschaftlichen Risiken umgegangen wird, welche Folgen ein Kontrollverlust haben könnte – und wer haftet, wenn die Systeme Schaden anrichten.
Das Dilemma im Wettbewerb: Wer freiwillig bremst, riskiert Marktanteile. Wer im Alleingang strenger reguliert, könnte Investitionen und Talente verlieren. Gehen jedoch alle Entwicklerfirmen ihr maximales Tempo, steigt das Risiko. Das gilt für die Unternehmen im Wettbewerb untereinander, hat aber im Wettlauf zwischen den USA und China auch eine geopolitische Komponente. Helfen können da nur glaubwürdige Regeln, überprüfbare Standards und eine verbindliche internationale Abstimmung. Das zeichnet sich momentan aber noch nicht ab.
Am Kapitalmarkt wird das Thema heiß diskutiert: Eine langsamere Entwicklung von Spitzenmodellen könnte Kapital vom KI-Training weg und hin zu anderen Entwicklungsfeldern wie Anwendung und Modellkontrolle lenken. Unabhängig davon sollten Rechenzentren und Halbleiteraktien weiter gefragt bleiben. Und mit dem Risikobewusstsein steigt der Bedarf an Cybersicherheit. An der Börse halten sich darum die Ausschläge in der Breite bislang in Grenzen.