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Michael Herzum, Leiter Economics und Macro Strategy
Die deutsche Industrie stabilisiert sich. Nach dem Plus im April ist der Anstieg der Produktion im Mai um 0,9 Prozent ein weiteres kleines Lebenszeichen. Die Auftragsbücher füllen sich, doch die Unternehmen bleiben vorsichtig und fahren ihre Produktion nur langsam hoch.
Für die kommenden Monate stehen die Chancen auf eine schrittweise Erholung besser. Die geopolitische Unsicherheit rund um den Iran-Konflikt hat nachgelassen, die Energiepreise haben sich beruhigt, die Weltwirtschaft bleibt robust, und die höheren Staatsausgaben für Infrastruktur und Verteidigung dürften zunehmend in der Realwirtschaft ankommen.
Aber: Die Stabilisierung ist noch kein Aufschwung. Der strukturelle Wettbewerbsverlust der deutschen Industrie in den letzten Jahren hat die Produktion auf das Niveau von 2010 gebracht. Das zeigt, wie tief die industrielle Aushöhlung inzwischen reicht. Die deutsche Industrie hat den Abwärtstrend gestoppt, aber der Weg aus der Krise führt nicht im Sprint nach oben, sondern im Schneckentempo.