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Geldpolitik mit zwei Gesichtern
Tobias Schmidt, Leiter Portfoliomanagement
Wenn am Donnerstag die Ratsmitglieder der Europäischen Zentralbank (EZB) zusammentreffen, wird aller Voraussicht nach am Ende der Sitzung eine Zinserhöhung stehen. Die Inflation ist wegen des Iran-Kriegs über die Zielmarke von zwei Prozent gestiegen. Gleichzeitig laufen die Währungshüter Gefahr, das zarte Wachstum in der Eurozone mit einer Erhöhung des Leitzinses zu beschädigen. Immerhin: Die Teuerung wird aktuell vor allem durch die Energiepreise getrieben, Zweitrundeneffekte etwa über steigende Löhne sind bislang ausgeblieben. Daher dürfte die EZB am Donnerstag zwar die Zinsen anheben, um ein Zeichen gegen ausufernde Inflationserwartungen zu setzen, aber keinen Zinserhöhungszyklus im klassischen Sinn einläuten.
Auf der anderen Seite des Atlantiks tagt eine Woche später die US-Notenbank Federal Reserve, allerdings unter anderen Voraussetzungen. Die Inflation ist dort zwar ebenfalls erhöht. Die Notenbanker dürften die Lage zunächst beobachten. Das liegt daran, dass US-Präsident Donald Trump auf Zinssenkungen drängt, um die Wirtschaft anzuheizen. Trumps Mann in der Fed, der jüngst an die Spitze gerückte Kevin Warsh, dürfte die Forderung nicht unmittelbar umsetzen. Eine Zinssenkung sollte dieses Jahr, Inflation hin oder her, trotzdem noch erfolgen – aber eher Ende des Jahres.
Die Kapitalmärkte dürften das mit Gelassenheit zur Kenntnis nehmen. Die geldpolitische Entscheidung der EZB gilt unter Marktbeobachtern als ausgemachte Sache.
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