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EZB in der Energie-Zwickmühle
Tobias Schmidt, Leiter Portfoliomanagement
Die Europäische Zentralbank (EZB) steckt im Dilemma. Der Iran-Konflikt und die Blockade der Straße von Hormus haben die Ölpreise auf über 100 US-Dollar je Fass getrieben, was das Tanken verteuert. Die Inflation im Euroraum lag zuletzt bereits deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel. Gleichzeitig wächst die Sorge vor einer schwächeren Konjunktur.
Sollte die Inflation sich verstetigen, müsste die EZB mit Zinsanhebungen vorgehen – was in diesem Umfeld die bereits schwächelnde Konjunktur zusätzlich belasten würde. Bisher lagen jedoch zu wenige Daten vor, um dies ausreichend beurteilen zu können. Das ändert sich jetzt: Kommende Woche werden die Einkaufsmanagerindizes für Mai veröffentlicht. Sie sind ein wichtiger Gradmesser, ob sich die Konjunktur zunehmend abkühlt und dafür, in welchem Maße die Unternehmen die höheren Energiekosten an die Verbraucher weiterreichen wollen.
Am Kapitalmarkt wird aktuell eine Zinsanhebung auf der nächsten EZB-Sitzung am 11. Juni erwartet. Das ist aber keine ausgemachte Sache. Womöglich kann die Notenbank auch stillhalten, wenn sich zeigt, dass der Inflationsdruck nicht so hoch ausfällt. Für Anleger und Kreditnehmer gilt daher, dass überstürzte Umschichtungen nicht angezeigt sind. Dass es bald zu einem richtiggehenden Zinsanhebungszyklus kommt, erscheint angesichts der konjunkturellen sowie geld- und fiskalpolitischen Ausgangslage vor Ausbruch des Iran-Konflikts unwahrscheinlich.