Source: https://unternehmen.union-investment.de/presseservice/aktuelles/alle-kapitalmarktmeinungen/archiv/unabhängigkeit_der_fed_wackelt
Tobias Schmidt, Leiter Portfoliomanagement
Auf ihrer Sitzung am Mittwoch dürfte die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ihre Zinsen um 25 Basispunkte senken. Diese Entscheidung basiert, das muss erwähnt werden, auf fundamentalen Daten und ist keine Reaktion auf den politischen Druck aus Washington. Denn die zollbedingte Inflation in den USA ist bislang weniger ausgeprägt als zunächst befürchtet. Gleichzeitig schwächt sich der Beschäftigungsaufbau migrationsbedingt ab. Die Fed hat also gute Gründe, an der Zinsschraube zu drehen.
Trotzdem: Der politische Druck auf die Fed steigt. Der Versuch von Donald Trump, die Gouverneurin der Notenbank, Lisa Cook, wegen angeblicher persönlicher Verfehlungen zu entlassen, ist zwar vorerst gescheitert. Cook hat erfolgreich geklagt und bleibt nun im Amt, bis die Angelegenheit geklärt ist. Dennoch ist zu beobachten, dass die Unabhängigkeit der Fed schrittweise ausgehöhlt wird. Es ist zu erwarten, dass die Regierung ausscheidende Notenbank-Gouverneure durch Nachfolger ersetzt, die eher der Linie Trumps entsprechen. Die Folge wäre eine expansivere Geldpolitik, die das Wachstum unterstützen kann, aber weniger geeignet ist, die Inflation im Zaum zu halten.
Die Märkte scheinen sich an die regelmäßigen Attacken gewöhnt zu haben. Ein kompletter Vertrauensverlust in die Fed ist aber nicht eingepreist. Zunächst überwiegt an den Börsen die Vorfreude auf die Zinssenkung nächste Woche. Dementsprechend wäre es eine Enttäuschung, wenn sie nicht käme.