Source: https://unternehmen.union-investment.de/presseservice/aktuelles/alle-kapitalmarktmeinungen/archiv/ölproduktion
Tobias Schmidt, Leiter Portfoliomanagement
Die Hoffnung auf Frieden im Nahen Osten schien schon lange nicht mehr so greifbar wie im Augenblick. An den Verhandlungen über die nun vereinbarte Waffenruhe waren Katar und Saudi-Arabien als Vermittler maßgeblich beteiligt, zwei der größten Öl- und Gas-Exporteure der Welt. Der Ölpreis indes hat auf die Aussicht auf Beruhigung in der Region nur leicht reagiert. Eine gewisse Skepsis der Marktteilnehmer scheint weiter vorhanden. Dennoch gehen wir davon aus, dass der Preis für das schwarze Gold sinken wird.
Allerdings hat diese Erwartung nur wenig mit der Aussicht auf einen möglichen Frieden in Gaza zu tun, auch wenn ein geringeres geopolitisches Risiko in der Region diesen Trend unterstützen sollte. Der eigentliche Grund dafür, dass sich Öl noch in diesem Jahr verbilligen sollte, ist fundamental: Der Markt ist gut versorgt, um nicht zu sagen überversorgt. Die Staaten des Förderkartells OPEC haben ihre Fördermengen zuletzt ausgeweitet, die Läger haben sich gefüllt. Gleichzeitig ist die Nachfrage konjunkturell bedingt geringer. Das globale Wachstum tut sich derzeit noch schwer, auch wegen der Handelspolitik der USA. Entsprechend niedriger ist der Energiebedarf.
Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass der Ölpreis zum Jahresende hin auf 55 bis 60 US-Dollar je Fass der Sorte Brent sinken dürfte. Das sind gute Nachrichten für alle, die in den Herbstferien mit dem Auto unterwegs sind, denn die niedrigeren Preise dürften sich auch an den Zapfsäulen bemerkbar machen.