Finanzbildung

Umgang mit Geld lässt sich lernen

Finanzbildung als Herausforderung für Familie, Politik und Gesellschaft

Eigentlich ist Geld immer ein Thema

Im Alltag drehen sich viele Gespräche um Geld: Was kostet die Autoreparatur? Ist noch ein Urlaub drin? Wann gibt es die nächste Taschengelderhöhung? Oft geht es um Einkommen oder Konsum, aber auch um das Sparen. Nur selten wird dabei jedoch über den richtigen Umgang mit Geld geredet. Da überrascht es nicht, dass sich die meisten Deutschen in Finanzangelegenheiten nicht nach dem Lehrbuch verhalten. Hier besteht Handlungsbedarf.

Rund 80 Prozent des Geldvermögens liegen in vermeintlich sicheren, zinsbasierten Anlageformen. In Zeiten extrem niedriger Zinsen verlieren die Sparer dabei Geld. Langfristig führt der Weg aus dieser Zwickmühle nur über finanzielle Bildung. Denn wer mehr weiß, dem fällt es auch leichter, eine vorausschauende und eine zu den individuellen Ansprüchen passende Vermögensstruktur aufzubauen.

Experten aus der Wirtschaft, Wissenschaft und Verbraucherschutz haben das Problem lange erkannt und betreiben eine intensive Aufklärungsarbeit. Dieses Engagement zeigt allerdings nur bedingt Erfolg, denn die Anleger verändern ihr Handeln nur sehr langsam und zögerlich. Wer sich um Aufklärung bemüht, fühlt sich nicht selten wie in einem Kampf gegen Windmühlen. Denn meistens geht es nicht um das bessere Argument, sondern um das bessere Gefühl. Und das macht das Thema so kompliziert.

Union Investment leistet einen aktiven Beitrag, um das vielschichtige Thema Finanzbildung voranzubringen. Dabei geht es sowohl um konkrete Maßnahmen, die die Menschen zum Nachdenken bringen sollen über Fragen wie: Gibt es Sicherheit in Geldangelegenheiten? Was ist eigentlich Risiko? Und wie funktionieren die Kapitalmärkte? Daneben liegt aber auch ein weiterer Schwerpunkt auf der Fragestellung, wo angesetzt werden muss, um Finanzbildung voranzubringen und einen höheren Stellenwert zu verschaffen. So zeigt sich beispielsweise, dass die Familie ein Ort ist, der Einstellung und Verhalten jedes Einzelnen zum Umgang mit Geld stark prägen. Wer das Verhalten ändern möchte, muss hier aktiv werden.

Finanzbildung in Deutschland: Wissensstand – Defizite – Handlungsfelder

Wie wichtig ist das Wissen über Geld und persönliche Finanzen für die Deutschen?

Das Wissen über Geld und persönliche Finanzen ist für die Deutschen der wichtigste Bildungsbereich, noch vor Gesundheit, Politik und Ernährung. Nach Expertenmeinung wird die Bedeutung in den nächsten zehn Jahren sogar weiter ansteigen. Das belegt eine Studie von Kantar EMNID im Auftrag von Union Investment. Wie es tatsächlich um das Wissen rund ums Geld steht – da gehen die Meinungen allerdings auseinander.

Während die breite Bevölkerung die eigene Finanzkompetenz als gut einschätzt, sehen das Fachleute ganz anders. „Die Studie zeigt, dass Experten Defizite bei der finanziellen Bildung feststellen. Das Überraschende dabei ist, dass diese Defizite den eigentlich Betroffenen im Alltag möglicherweise gar nicht auffallen. Das kann sie teuer zu stehen kommen“, sagt Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender von Union Investment. „Die Ergebnisse der Studie sind Grund genug, uns weiter mit dem Thema auseinanderzusetzen und im Dialog mit den gesellschaftlichen Gruppen nach Lösungsansätzen zu suchen.“

Im Rahmen der Studie von Kantar EMNID wurden eine quantitative bevölkerungsrepräsentative Befragung unter 1.014 Personen im Alter ab 14 Jahren durchgeführt und außerdem 600 Experten aus Finanzindustrie, Journalismus, Lehrerschaft, Politik und Verbraucherschutz befragt. Es zeigt sich, dass die Ansichten über Wissen, Herausforderungen und Verantwortung weit auseinandergehen. Einigkeit besteht allerdings darin, dass das Wissen über Geld und persönliche Finanzen für alle Befragten noch vor Gesundheit, Politik und Ernährung der wichtigste Bildungsbereich ist. 

Schlechte Schulnoten für das Finanzwissen der Deutschen

Auseinander gehen die Urteile von Experten und der Bevölkerung bei der Einschätzung des Finanzwissens in Deutschland. Während die Bevölkerung sich selbst die Schulnote 2,5 gibt, erhält sie von den Experten nur eine 3,8. „Mangelndes Wissen zum Thema Geld und Finanzen zieht sich wie ein roter Faden durch die Biografien vieler Menschen in unserem Land. In jeder Altersstufe rücken unterschiedliche Fragestellungen in den Mittelpunkt“, sagt Reinke.

Mangelndes Wissen zum Thema Geld und Finanzen zieht sich wie ein roter Faden durch die Biografien vieler Menschen in unserem Land.

Hans Joachim Reinke

Vorstandsvorsitzender von Union Investment

Reinke_Zitat

Woran liegt es, dass die befragten Experten beim Thema Finanzbildung zu einem so kritischen Urteil kommen? Als größte Hindernisse sehen sie eine unzureichende Behandlung des Themas in der Schule (52 Prozent), mangelnde Wissensvermittlung im Elternhaus (50 Prozent) und fehlende Eigenverantwortung junger Menschen (48 Prozent). Als nicht positiv besetztes Lifestyle-Thema benennt knapp die Hälfte der befragten Experten „Desinteresse“ als weiteres großes Hindernis. „Die Zahlen legen nahe, dass es nicht die eine ultimative Ursache für die Herausforderungen in der Finanzbildung gibt. Es scheint ein Mix aus verschiedenen Faktoren zu sein“, so Reinke.

Die Hauptverantwortung für die Vermittlung von Finanzwissen weisen Experten derzeit vor allem den Familien (73 Prozent), gefolgt von den Schulen (55 Prozent) zu. Dafür erhalten die Eltern von den Fachleuten allerdings nur eine schwache Schulnote von 3,7. Noch schlechter fallen die Noten für die Vermittlung von Finanzwissen in den Schulen (4,1) aus. Auch die Politik bekommt von den Experten eine 4,0.

Die Studie zeigt, dass die Schule nur ein Teil der Lösung ist, ihre Rolle aber trotzdem deutlich gestärkt werden sollte. 73 Prozent der Bevölkerung wünschen eine bessere Verankerung der Finanzbildung bereits in unteren Jahrgängen, 61 Prozent fordern dafür ein eigenes Schulfach.

Finanzwissen in Deutschland

Nach Ansicht von Union Investment zeigen die Studienergebnisse einerseits, wie groß der Handlungsbedarf bei dem Thema ist und wie erheblich teilweise die Unterschiede im Meinungsbild der verschiedenen befragten Gruppen sind. Reinke: „Wir möchten mit der Studie die öffentliche Debatte über das Thema voranbringen und suchen dazu den Dialog mit den betroffenen Gruppen.“ Im nächsten Schritt werden nun mit Experten Lösungen gesucht.

Publikationen und Downloads

Unser Umgang mit Geld ist erlernt

Wie beeinflusst die Familie unser Verhältnis zu Geld und Geldanlagen?

Die Familie ist der Ort, die jeden einzelnen Menschen entscheidend prägt. Die Art, wie wir sprechen, wie wir miteinander umgehen und wie wir uns verhalten: All das wird in entscheidend von Eltern, Großeltern, Geschwistern, Onkel und Tanten mitbestimmt. Das gilt auch für den Umgang mit Geld.

Wie das geschieht, welche Dinge dabei eine Rolle spielen und welche Auswirkungen es hat, blieben lange unerforscht. Die Studie zum familiären „genetischen Code“ der Geldanlage hat daher genau diese Aspekte untersucht. Unter wissenschaftlicher Begleitung von Professor Dr. Rolf von Lüde, Universität Hamburg und Professor Christian von Scheve, Universität Berlin wurden 30 Familien generationenübergreifend im Rahmen von leitfadengestützten Interviews befragt.

Interview mit Professor von Lüde

Interview von Lüde

„Der Umgang mit Geld wird nachhaltig von der Familie geprägt", fasst Prof. von Lüde die Ergebnisse der Studie zusammen. Das Bemerkenswerte: Die Übergabe des familiären Erfahrungsschatzes erfolgt weitestgehend unbewusst.

Entscheidende Aspekte

Eine entscheidende Rolle bei der Vermittlung von Wissen zum Thema Geld in der Familie spielen Glaubenssätze oder Heuristiken wie „Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not“ oder „Man kann Geld nur einmal ausgeben“. Diese oder ähnliche Formeln kommen in jeder Familie vor. Meist werden sie von Generation zu Generation weitergegeben – häufig mit dem Verweis darauf, dass ein Verwandter schon gut damit gefahren sei. Das macht diese Sprüche glaubwürdig und damit auch so haltbar. Sie ermöglichen zwar eine schnelle Orientierung bei der Geldanlage, können aber auch zu falschen Entscheidungen führen. Zum Beispiel, wenn sich die ökonomischen Realitäten verändern und sich die Schlussfolgerungen nicht anpassen. Man orientiert sich dann an einer Vorgabe, die möglicherweise den Gegebenheiten nicht mehr entspricht.

Eine weitere wichtige Rolle bei der Vermittlung von Finanzwissen spielt die Tatsache, dass der Umgang mit Geld zumeist unbewusst und häufig unabsichtlich erfolgt. Eltern leben etwas vor und Kinder lernen dann durch Beobachtung und Nachahmung. Sogar in Familien, die sich große Mühe geben, den Kindern bewusst eine finanzielle Grundbildung zu vermitteln, erfolgt ein Großteil der Wissensvermittlung unbewusst. Sind beispielsweise die Eltern eher sparsam, orientieren sich viele Kinder an diesem Verhalten und lernen auf diese Weise zu sparen.

Bei Finanzanlagen können tradierte Heuristiken zu Fehlentscheidungen führen

Professor Rolf von Lüde

Universität Hamburg

<p>Prof. Rolf von L&uuml;de</p>

Das führt dazu, dass die finanzielle Prägung durch die Familie über Generationen stabil ist. Das gilt auch für den Einfluss von Emotionen und Symbolen. So ist Geld und damit zusammenhängende Symbole wie das Sparschwein, ein Sparbuch oder das erste Girokonto bis zum Erwachsenenalter sehr positiv besetzt. Diese Einstellung verändert sich häufig erst ab einem bestimmten Alter, wenn Geldanlagen zur Last werden.

Das Verhalten hinterfragen

Die Bereitschaft und die Fähigkeit, die familiär überlieferte Geldanlage zu hinterfragen, ist nur schwach ausgeprägt. Viele Deutsche horten ihr Erspartes in Anlageformen, die sich über Generationen bewährt haben, aber in Zeiten niedriger Zinsen die Renditeerwartungen nicht mehr erfüllen können. Dadurch, dass Eltern die auf sie einwirkenden Mechanismen nicht auf den Prüfstand stellen, können sie sich auch nicht von ihrem Rollenverhalten im Umgang mit Geld lösen. Doch genau das ist notwendig. Hier sind sowohl Finanzdienstleister als auch der Gesetzgeber gefordert.

<p>Studienbooklet Famili&auml;rer genetischer Code der Geldanlage</p>

Familiärer genetischer Code der Geldanlage

Wie lernen wir zu sparen? Woher kommt unser Bauchgefühl, wenn es um Geldanlagen und Altersvorsorge geht? Und wie werden Erfahrungswerte an die nächste Generation weitergegeben?

Erlebnisausstellung: Finanzwissen spielend begreifen

Gerade heute ist es wichtig, Finanzthemen zu begreifen und für die Zukunft die richtigen Weichen zu stellen. Mit der preisgekrönten Erlebnisausstellung Finanzanlage unterstützt Union Investment Anleger dabei, zentrale Aspekte des Themas besser zu verstehen.

Die Deutschen gelten als Sparweltmeister. Im Schnitt legt jeder im Jahr rund zehn Prozent seines verfügbaren Nettoeinkommens auf die hohe Kante. Aber vielen fällt es schwer, sich für eine geeignete, langfristig tragfähige Anlageform zu entscheiden. Die meisten gehen auf Nummer sicher und setzen auf Bewährtes wie das Sparbuch oder Tagesgeld – und damit auf Anlageformen, die im Niedrigzinsumfeld kaum noch Ertrag erwirtschaften. Den Anlegern ist die Tragweite ihrer Entscheidung häufig nicht klar. „Geld anlegen ist ein kompliziertes Thema. Zu viele Menschen wissen zu wenig darüber und haben auch kein Interesse, sich damit zu befassen. Das ist schade, denn es geht um ihren künftigen Lebensstandard“, sagt Frank Jacob von Union Investment, der das Konzept gemeinsam mit Experten aus Wissenschaft und Didaktik sowie mit Vertretern genossenschaftlicher Partnerbanken entwickelt hat.

<p>Austellung von Union Investment zur Finanzbildung</p>

Die Erlebnisausstellung Finanzanlage stellt Union Investment bundesweit den Banken der genossenschaftlichen FinanzGruppe zur Verfügung, damit diese vor Ort Berührungsängste mit wertpapierbasierten Anlagen wie Aktien oder Investmentfonds abbauen können. „Es reicht schon, wenn der Besuch der Ausstellung dazu führt, dass Sparer bei der Entscheidung für eine Geldanlage ein bisschen genauer hinschauen. Und das mit einer Portion Spaß“, so Jacob.

Man begreift Finanzthemen besser, wenn man sie anfassen kann. Das war unser Anspruch, und deshalb haben wir diese Ausstellung auf den Weg gebracht

Frank Jacob

Entwickler der Erlebnisausstellung Finanzanlage von Union Investment

<p>Frank Jacob, Entwickler der Erlebnisausstellung Finanzanlage von Union Investment</p>

Ziel der Ausstellung ist es, wichtige Aspekte der Geldanlage auf spielerische Art und Weise zu vermitteln. „Man begreift Finanzthemen besser, wenn man sie anfassen kann. Das war unser Anspruch, und deshalb haben wir diese Ausstellung auf den Weg gebracht“, sagt Jacob, Überall gibt es Tasten, Knöpfe und Schaltflächen, die von den Besuchern angefasst werden sollen, es setzt sich etwas in Bewegung und macht damit lebendig, was bisher nur abstrakt erklärt werden konnte. „Wir wollten nicht mit ausufernden Hinweistafeln komplizierte Sachverhalte erklären, sondern die Menschen auf möglichst einfachem und direktem Weg Dinge nahebringen, die wichtig sind, um das Thema Geldanlage besser zu verstehen“, sagt Frank Jacob.

Die Ausstellung ist so angelegt, dass alle Altersgruppen etwas davon haben. Jacob: „Wir wollen ein Aha-Erlebnis vermitteln und damit einen Beitrag leisten zur finanziellen Bildung und Aufklärung. Aber auch eine Hilfestellung geben, um zu einer noch besseren Geldanlage zu kommen.“ Wie gut das Konzept funktioniert, zeigt auch die Auszeichnung mit dem Innovationspreis des Portals bankenversicherungen.de, den Union Investment im Rahmen der Euro Finance Week Mitte November 2016 erhalten hat. Der Preis Privatkundengeschäft im Bereich Wissensvermittlung wurde für die Erlebnisausstellung  vergeben, da sie wesentliche Aspekte rund um die Geldanlageentscheidung – wie Diversifikation, Werterhalt oder den Faktor Zeit – erlebbar macht.

Erfahren Sie mehr über die Erlebnisausstellung

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Die Evolution des Sparens

Die meisten Deutschen sparen traditionell und sehr einseitig in zinsbasierte Anlagen. Ein wichtiger Beitrag zur Evolution des Sparens ist es, die Gründe dafür zu erkennen und Lösungen zu entwickeln, die die Menschen von den Vorteilen zeitgemäßer Anlageformen überzeugen.