Sparstudie

Evolution des Sparens

Wie sich der Spareifer wieder lohnt

Sparen im Niedrigzinsumfeld

Die Deutschen sparen so viel wie noch nie - allein 2021 betrug die Sparquote über 21 Prozent. Die Sparmotive unterscheiden sich deutlich. Die einen sparen auf ein bestimmtes Ziel wie eine Urlaubsreise. Andere wollen sich durch Rücklagen ein Gefühl von Sicherheit verschaffen. Oder es wird regelmäßig Geld auf die hohe Kante gelegt, weil es so schon immer in der Familie vorgelebt wurde und damit erlernt ist.

Fest steht: Sparen ist kein Auslaufmodell. Doch die Anforderungen an das Sparens haben sich gewandelt. Denn viele sparen im Zeitalter des Niedrigzinses nach alter Väter Sitte und nehmen mickrige Zinsen auf Sparbuch oder Tagesgeld in Kauf. Union Investment sieht sich als Wegbegleiter und Unterstützer auf dem Weg hin zu einer Anlagekultur mit einem breit gestreuten und gut strukturierten Fundament. Wissenschaftlichen Studien sollen den Evolutionsprozess des Sparens begleiten und unterstützen. Ziel ist es, die Stellschrauben zu finden, an denen man arbeiten muss, damit die Anlagekultur der Deutschen langfristig besser den Bedürfnisse der Anleger entspricht.

Ich wünsche mir, dass im Niedrigzinsumfeld mehr darüber gesprochen wird, wie sich Sparen lohnt und weniger, warum es angeblich keinen Sinn mehr macht

Hans Joachim Reinke

Vorstandsvorsitzender von Union Investment

Reinke_Zitat
Studie zeigt:

Die Sparweltmeister sparen sich arm

Die Deutschen machen ihrem Ruf als Sparweltmeister weiter alle Ehre: Das Finanzvermögen der deutschen Privathaushalte hat sich in den vergangenen 20 Jahren mit einem Plus von 95 Prozent nahezu verdoppelt. Paradoxerweise landet das meiste Geld der Sparerinnen und Sparer jedoch weiterhin auf dem Girokonto. Dies sorgt dafür, dass allein 2019 jeder Bundesbürger mit Ersparnissen auf dem Giro- und Tagesgeldkonto sowie in Termin- und Spareinlagen im Schnitt 380 Euro verloren hat. Dies ergibt eine Studie von Prof. Oscar A. Stolper von der Philipps-Universität in Marburg für Union Investment.

Geldanlage muss sich wieder lohnen

Es ist ein Paradox: In der Nullzins-Ära scheint Rendite keine Rolle zu spielen. Über 40 Prozent des Finanzvermögens lagern in Zinsprodukten, die nicht nur kaum Erträge generieren, sondern Sparern mittlerweile sogar real Verluste bescheren. Trotz Negativzinsen wurde das Geld von Sicht-, Termin- und Spareinlagen in wenig rentierliche Anlagen umgeschichtet: Seit 2000 stieg der Anteil von Bargeld und Sichteinlagen von 10 auf 28 Prozent. Anlegende suchen nach Alternativen, scheuen sich aber vor Risikoanlagen. 

Großteil des Vermögens lagert in Niedrigzinsprodukten

Vermögen wächst durch enorme Sparanstrengungen, nicht durch Erträge

Die Zahlen zeigen, dass sich die Tektonik im Vermögensaufbau massiv verändert hat. Während sich das Vermögen der Sparer früher vorrangig durch Zinsen vermehrt hat, trägt bei einem Vermögensaufbau im Nullzinszeitalter lediglich das Sparaufkommen zum Wachstum bei. Aufgrund der niedrigen Verzinsung von Girokonten, Tages- und Festgeldern dürfte es Anlegern zunehmend schwerfallen, die Folgen der Teuerungen allein durch Sparanstrengungen zu kompensieren. Der Anteil, den Erträge an der Vermögenszunahme ausmachen, nahm gegenüber 2019 um fünf Prozentpunkte auf magere 19 Prozent im Folgejahr ab. Zum Vergleich: 2011 konnte der Vermögensaufbau noch zu 87 Prozent aus Erträgen generiert werden. Betrachtet man nur die Ertragskraft von Zinsprodukten und klammert etwa kapitalbildende Versicherungsprodukte aus, ergibt sich 2020 ein Kapitalzuwachs von gerade einmal einem Prozent (2011: 47 Prozent).

„Die Deutschen sparen weiter viel, aber ineffizient“, sagt Giovanni Gay, Geschäftsführer bei Union Investment. „Im Niedrigzinsumfeld gilt, dass höhere Sparquoten nicht zwangsweise zu höheren Erträgen führen. Damit sich die Sparanstrengungen der Anleger lohnen, müssen sie effizienter und damit höherrentierlich anlegen“, so Gay.

Vermögen der Deutschen wächst nicht mehr aus sich heraus

Deutsche haben in nur zehn Jahren 130 Milliarden Euro verloren

Auch wenn sich viele Sparerinnen und Sparer möglicherweise mit dieser Situation abgefunden haben, kaschieren die enormen Zuwächse bei den absoluten Zahlen den Wertverlust, der dahinter liegt. Rund 1.900 Milliarden Euro des gesamten deutschen Finanzvermögens sind Sichteinlagen, deren Realverzinsung (Zins abzüglich Inflationsrate) in den vergangenen zwanzig Jahren nahezu ausnahmslos negativ war.

Seit 2010 haben die Deutschen auf diese Weise in Summe einen Wertverlust von etwa 130 Milliarden Euro erlitten, davon knapp 100 Milliarden Euro allein in den drei Jahren zwischen 2017 und 2019. Statistisch betrachtet verlor jeder Bundesbürger allein im Jahr 2019 im Schnitt etwa 380 Euro. Mit dem Rekordzuwachs bei Giroguthaben, der im Zuge der Corona-Pandemie derzeit in Deutschland beobachtet werden kann, hat dieser Kaufkraftverlust im laufenden Jahr sogar noch an Geschwindigkeit zugenommen. „100 Euro bleiben nur 100 Euro, wenn wir die Inflation schlagen und der Realzinsfalle entkommen. Das gelingt mit unseren beliebtesten Sparformen allerdings nicht. Um der Realzinsfalle zu entkommen, führt kein Weg an aktienbasierten Anlagen vorbei“, betont Gay.

100 Euro bleiben nur 100 Euro, wenn wir die Inflation schlagen und der Realzinsfalle entkommen. Das gelingt mit unseren beliebtesten Sparformen allerdings nicht.

Giovanni Gay

Giovanni Gay

Beispielrechnung

Aktienfondssparer müssen monatlich 180 Euro weniger zurücklegen, um für das Alter vorzusorgen

Eine Beispielrechnung anhand eines langfristigen Sparvorhabens mit regelmäßigen Sparraten zeigt, wie Vermögensaufbau wieder gelingt. Aktuell kann eine durchschnittlich angestellt beschäftigte 35-jährige Person in Deutschland im Alter von 67 Jahren mit einer monatlichen Nettorente nach heutiger Kaufkraft von etwa 1.200 Euro rechnen. Dies entspricht ca. 60 Prozent des voraussichtlichen letzten Nettogehalts in Höhe von etwa 2.000 Euro. Nimmt man an, dass 80 Prozent des letzten Nettogehalts für die Versorgung im Alter ausreichen, fehlen für das Versorgungsziel jeden Monat rund 400 Euro.

Ein Vergleich verschiedener Ansätze, diese Rentenlücke in Höhe von etwa 72.000 Euro (durchschnittlicher erwarteter Rentenbezug für 15 Jahre) zu schließen, macht die massiven Unterschiede bei der Geldanlage deutlich: Der Girosparer bevorzugt das Girokonto und Sichteinlagen. Um die Rentenlücke zu schließen, muss er aufgrund der negativen Rendite auf seine Ersparnisse bei Renteneintritt über 90.000 Euro angespart haben. Das sind insgesamt 126 Prozent des erforderlichen Kapitals. Monatlich ist dafür eine Sparrate von 237 Euro notwendig.

Bei einem langfristig ausgerichteten Sparer, dessen Aktienfonds im Mittel die langjährige reale Durchschnittsrendite aller in Deutschland erhältlichen Aktienfonds in Höhe von 6,2 Prozent vor Kosten und Steuern erzielt, sieht die Sache ganz anders aus.

Es gibt Grund zur Zuversicht

Hoffnung machen die Sparer, die zunehmend andere Anlageformen wie Direktanlagen in Aktien, Fonds oder anderes nutzen. Positiv falle Stolper zufolge auf, dass zumindest ein Teil der Anleger 2020 bereits renditeorientierter als in den Jahren zuvor anlegte. So stieg der Anteil von Aktieninvestments am Gesamtfinanzvermögen der Deutschen um 0,7 Prozentpunkte auf 11,6 Prozent an (2019: 10,9 Prozent). Das sei der höchste Wert seit über 12 Jahren (2008 Q3: 12,3 Prozent). Auch der Anteil von Investmentfonds am Gesamtfinanzvermögen blieb im Vergleich zum Vorjahr mit 10,5 Prozent konstant.

Dennoch lagern noch immer über 40 Prozent des Gesamtfinanzvermögens in wenig rentierlichen Anlagen. „Wir sehen, dass der Trend zur Evolution des Sparens bei einer zunehmenden Anzahl von Anlegern Wurzeln schlägt. Klar ist aber auch, dass ein breiter Teil der Bevölkerung Unterstützung dabei benötigt, nicht unter Wert zu sparen“, so Gay. „Sparen heißt Konsumverzicht und ist für jeden mit Aufwand verbunden. Für diesen Einsatz sollten die Menschen nicht mit Kaufkraftverlusten bestraft werden, sondern sich mit einem realen Vermögensaufbau belohnen.“

Die gesamte Studie zum Download

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