Emerging Markets

Investieren, wo das Wachstum am größten ist

Den Schwellenländern gehört die Zukunft – davon ist Sergey Dergachev, Functional Head Emerging Markets Corporates und Senior-Portfoliomanager bei Union Investment, überzeugt. Auch Investoren sehen dort zunehmend Chancen. Der Bereich Emerging-Markets-Renten wächst daher bei Union Investment stetig; er wurde 2016 produkt- und personalseitig ausgebaut und soll auch in Zukunft weiterentwickelt werden. Was macht Schwellenländermärkte so interessant? Und wie schaffen Sergey Dergachev und seine Kollegen es, erfolgreich in diese Märkte zu investieren?

„Informationsgewinnung ist der Schlüssel zum Erfolg bei Investitionen in Emerging-Markets-Anleihen. Dafür müssen wir auf ganz verschiedene Arten recherchieren“, beschreibt Sergey Dergachev die Grundlage seiner Arbeit. Da die wirklich aussagekräftigen Informationen zu den jeweiligen Ländern aber nicht einfach in den hiesigen Medien abgebildet werden, versuchen er und seine Kollegen die Märkte, für die sie verantworlich sind, aus möglichst vielen Blickwinkeln zu beleuchten.

„Reisen sind extrem wichtig für unsere Arbeit. Wir sind mindestens ein Mal im Jahr auf Tour durch die von uns gecoverten Länder.“ Dabei gilt es, einen sehr heterogenen Mix an Institutionen zu besuchen, um verschiedenste Meinungen zur Lage im Land einzuholen. „Bei meiner letzten größeren Dienstreise im Jahr 2017 habe ich rund 50 Unternehmen, Ministerien, politische Analysten, Journalisten und Botschaftsmitarbeiter, aber auch Einheimische in fünf Ländern des Nahen Ostens getroffen“, erläutert der 35-Jährige.

Eindrücke vor Ort unersetzlich

Interkulturelle Kompetenz ist besonders wichtig
Den kulturellen Aspekt findet Sergey Dergachev besonders spannend bei seiner Arbeit. Die Unterschiede werden auch in der Investorenkommunikation von Unternehmen in den Developed und Emerging Markets deutlich.

Denn auch die inoffiziellen Stimmen sind wichtig: „Das Eintauchen in die kulturellen Feinheiten eines Landes und zu sehen, wie es den Durchschnittsbürgern dort geht, welche Erwartungen und Sorgen sie haben – das hilft dabei, die aktuelle und zukünftige Situation der Politik und anderer potenzieller Risikofaktoren einzuschätzen.“ Dafür ist Dergachev auch schon mal in den ärmeren Gebieten einer Region unterwegs und spricht dort mit den Menschen.

Möglichst unterschiedliche Kontakte sind also das A und O, um belastbare Informationen zu gewinnen. „Ein Netzwerk mit vertrauensvollen Kontakten, auf die wir auch noch bauen können, wenn es in einem Land einmal zur Krise kommt, ist unersetzlich für unsere Investitionsentscheidungen“, unterstreicht Dergachev. Denn manches, was hier als Krise empfunden wird, kann vor Ort ganz anders betrachtet werden, weiß er aus Erfahrung. Neben den harten Fakten spielen also auch die psychologischen Faktoren im Land eine äußerst wichtige Rolle.

Dass interkulturelle Kompetenz und Mehrsprachigkeit zu seinem Job gehören, versteht sich für Sergey Dergachev also von selbst. Um sich in die Kultur und Mentalität der betreuten Länder hineinversetzen zu können, bilden er und seine Kollegen sich häufig weiter. London ist ein zentraler Ort, an dem viele Workshops stattfinden, aber auch die Gelegenheit zum inoffiziellen Austausch genutzt wird. „Wir sind außerdem ein sehr internationales Kollegenteam, einige von uns sind Muttersprachler in der Region, in die sie investieren.“ Er selbst stammt aus Russland, lebt aber seit 28 Jahren in Deutschland. In seinem Team trägt er die Kapitalmarktverantwortung für Osteuropa, den Nahen Osten und Nordafrika.

  • Investition in Emerging Markets
    Es wird noch viel gebaut: Die Investition in Emerging Markets – sowohl Aktien als auch Renten – ist für Anleger interessant, weil hier oft hohe Renditechancen liegen. Das liegt daran, dass die Schwellenländer noch deutlich schneller und stärker wachsen können als etablierte, gesättigte Industrienationen.
  • Wasserkrise in Kapstadt
    Die schnelle Entwicklung kann aber auch zu neuen Problemen führen: Die Wasserkrise in Kapstadt ist teilweise durch fehlerhaft geplante und nicht schnell genug ausgebaute Infrastruktur verursacht.
  • Konferenz „Bonds, Loans and Sukuk Africa“ in Kapstadt
    Die Expertise von Union Investment ist gefragt: Bei seiner letzten Reise nach Afrika sprach Sergey Dergachev unter anderem als Speaker bei der Konferenz „Bonds, Loans and Sukuk Africa“ in Kapstadt.
  • Sergey Dergachev
    Besuch bei Curro: Der größte Betreiber privater Schulen in Südafrika baut in seinem Heimatmarkt und in Nachbarländern das Engagement im Bildungssystem weiter aus, denn Zugang zu guter Bildung ist ein Schlüssel für den langfristigen Wachstumserfolg in Südafrika und allen anderen Schwellenländern.
  • Sergey Dergachev
    Besuch bei FirstRand, einer der größten Banken in Südafrika. In der Gruppe Rates Emerging Markets leitet Sergey Dergachev operativ das Team für Emerging-Markets-Unternehmensanleihen.

Risiken richtig einschätzen

Die genaue Kenntnis eines Landes lässt auch etwas zu, was bei Investitionen in den Developed Markets eine geringere Rolle spielt: das Abschätzen und Managen der verschiedenen Risiken. „Das politische Risiko spielt als Performance-relevanter Treiber eine deutlich größere Rolle als bei den Developed Markets. Außerdem sind die Markttimings und die Liquidität, die Rohstoffpreise und die Heterogenität der Investorengruppen zu berücksichtigen“, weiß Sergey Dergachev. „Nicht zu vergessen: die Währungskomponente. Bei Lokalwährungsanlagen muss die Währung eingeschätzt werden, denn sie kann schnell circa 65 bis 70 Prozent der Gesamtperformance ausmachen.“ Das alles macht den Informationsgewinnungs- und Verarbeitungsprozess deutlich komplexer als für die Developed Markets.

Sollte sich das Umfeld in einem Land einmal ändern, stimmen sich die Portfoliomanager bei Union Investment in Task Forces ab. „Wir arbeiten dann abteilungsübergreifend mit dem Aktien- und Rohstoffteam für Emerging Markets zusammen, entwickeln verschiedene Szenarien und leiten daraus die Strategie für dieses Land oder Unternehmen ab“, skizziert Dergachev das Vorgehen.

ESG-Kriterien zentraler Bestandteil im Investmentprozess

Neben den geopolitischen Risiken müssen aber auch die Unternehmensrisiken abgeschätzt werden. „ESG-Kriterien sind ein zentraler Bestandteil im Investmentprozess für Unternehmensanleihen. Gemeinsam mit dem Team für Nachhaltigkeitsresearch beobachten wir sehr genau, ob ein Unternehmen gegen die Kriterien zu Umwelt, Sozialem und Unternehmensführung (ESG-Kriterien) verstößt oder konkret an Verbesserungen in diesen Bereichen arbeitet.“ Immer mehr Unternehmen der Emerging Markets haben ESG-Kriterien in ihrer Strategie verankert. Es gibt mehr Green Bonds und sogar Diskussionen über Green Sukuk Bonds, also Scharia-konforme Staats- und Unternehmensanleihen. „Ein sehr spannendes Feld, wo wir als Haus gespannt schauen, wie sich diese Marktnische entwickelt.“

Die Emerging Markets sind der Wachstumsmarkt der kommenden 20 bis 30 Jahre.

Sergey Dergachev

Functional Head Emerging Markets Corporates und Senior Portfoliomanager bei Union Investment

Zukünftiges Wachstum prophezeit gute Renditechancen

Trotz der mitunter höheren Investitionsrisiken ist Sergey Dergachev überzeugt: „Die Emerging Markets sind der Wachstumsmarkt der kommenden 20 bis 30 Jahre. Sie machen heute bereits mehr als 50 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung aus. Und sie haben  Nachholbedarf, zum Beispiel beim Thema Infrastruktur.“ Das heißt, hier werden sie sich zukünftig weiterentwickeln und die heimische Wirtschaft ankurbeln.

Besonders der Bereich der Unternehmensanleihen findet deshalb zunehmend Beachtung: „Waren noch vor rund zehn Jahren Staatsanleihen in Hartwährung das größte und bekannteste Marktsegment innerhalb des Schwellenländer-Renten-Universums, so haben sich Unternehmensanleihen mit einer durchschnittlichen kumulierten Wachstumsrate von 165 Prozent in den vergangenen fünf Jahren zur weltweit am schnellsten wachsenden Anlageklasse entwickelt. Auch der High-Yield-Bereich wächst hier stark, den wir deshalb sowohl produkt- als auch personalseitig ausgebaut haben“, betont Sergey Dergachev.

Emerging Markets bei Union Investment in Zahlen

  • Assets under Management deutlich gewachsen: In 29 Mandaten werden 8,4 Milliarden Euro Assets under Management verwaltet.
  • Inklusive der Beimischungen in Nicht-Emerging-Markets-Spezialfonds ist Union Investment mit rund 15 Milliarden Euro in Emerging-Markets-Anleihen investiert.
  • Das Emerging-Markets-Team besteht aus neun Portfoliomanagern und zwei Portfolio Associates – 2008 waren es noch drei Portfoliomanager und ein Portfolio Associate.
  • Die Portfoliomanager der Gruppe Rates Emerging Markets arbeiten in zwei Subteams: ein Team für Staats- und Lokalwährungsanleihen und ein Team für Unternehmensanleihen.

Ausbau des Emerging-Markets-Bereichs geht weiter

Um auch zukünftig die Chancen in den Emerging Markets bestmöglich nutzen zu können, haben er und seine Kollegen unter anderem flexible Fondslösungen mit weniger Beschränkungen und mehr Freiheitsgraden für die Portfoliomanager aufgelegt. „Wir können hier stärker in Hochzins-Anleihen oder Nachranganleihen investieren und haben weniger Granularitätsvorgaben. Das hilft uns im internationalen Wettbewerb“, freut sich Dergachev. Und auch Investitionen nach ESG-Kriterien werden verstärkt vorgenommen: „Dadurch haben wir bereits heute einen Wettbewerbsvorteil gegenüber unseren Wettbewerbern. Zukünftig wollen wir diese ESG-Kriterien nicht nur auf Unternehmens-, sondern auch auf Staatsanleihen anwenden.“

Außerdem sollen perspektivisch Währungsanteilsscheinklassen eingeführt und der Bereich der Blended-Anleihen-Produkte erweitert werden, also Fonds, die sowohl in Hartwährungsanleihen als auch in Anleihen in lokaler Währung investieren. Damit sollen auch neue Kundengruppen angesprochen werden: „Die neuen Produktkonzepte richten sich auch an Pensionskassen der Unternehmen, Versorgungswerke, Versicherungen und ausländische Kunden. Besonders international möchten wir gern unseren Kundenstamm erweitern.“ So wie die Emerging Markets wachsen, wächst also auch das Engagement von Union Investment.

Zur Person

Sergey Dergachev hat den Bereich Emerging Markets bei Union Investment seit seinem Eintritt als Portfoliomanager im Jahr 2008 mit auf- und kontinuierlich ausgebaut. Als Senior-Portfoliomanager im Bereich Emerging Markets Rates und Functional Head Emerging Markets Corporates definiert er die Strategie, die er und ein fünfköpfiges Team für Anleihen von Unternehmen aus den Emerging Markets verfolgen.

Als Mitglied des internen Kompetenzteams Nachhaltigkeit wirkt er an der weiteren Intergration von ESG- und Nachhaltigkeitskriterien in den Investmentprozess bei Emerging-Markets-Unternehmensanleihen mit. Er managt sechs Fonds, unter anderem das Flaggschiffprodukt  UniInstitutional EM Corporate Bonds.

Sergey Dergachev

So vielfältig wie die Unternehmen, die Sergey Dergachev auf seinen Reisen besucht, ist auch seine Ausbildung. Neben seinem Diplom der Betriebswirtschaftlehre von der European Business School in Oestrich-Winkel erhielt er von der University of Durham einen Executive MBA. Zusätzlich hält er einen Titel als Chartered Financial Analyst (CFA), als Financial Risk Manager (FRM) und als Chartered Alternative Investment Analyst (CAIA).

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