Die Evolution des Sparens

Die Evolution des Sparens

Die Deutschen und ihr Umgang mit Geld

Sparen im Niedrigzinsumfeld

Rund jeden zehnten Euro seines Nettoeinkommens legt der Durchschnittsdeutsche im Schnitt pro Jahr zurück. Die Sparmotive unterscheiden sich deutlich. Die einen sparen auf ein bestimmtes Ziel wie eine Urlaubsreise. Andere wollen sich durch Rücklagen ein Gefühl von Sicherheit verschaffen. Oder es wird regelmäßig Geld auf die hohe Kante gelegt, weil es so schon immer in der Familie vorgelebt wurde und damit erlernt ist.

Fest steht: Sparen ist kein Auslaufmodell. Doch die Anforderungen an das Sparens haben sich gewandelt. Denn viele sparen im Zeitalter des Niedrigzinses nach alter Väter Sitte und nehmen mickrige Zinsen auf Sparbuch oder Tagesgeld in Kauf. Union Investment sieht sich als Wegbegleiter und Unterstützer auf dem Weg hin zu einer Anlagekultur mit einem breit gestreuten und gut strukturierten Fundament. Wissenschaftlichen Studien sollen den Evolutionsprozess des Sparens begleiten und unterstützen. Ziel ist es, die Stellschrauben zu finden, an denen man arbeiten muss, damit die Anlagekultur der Deutschen langfristig besser den Bedürfnisse der Anleger entspricht.

Aus Freude am Sparen

Die Deutschen lassen sich von niedrigen Zinsen das Sparen nicht vermiesen: 90 Prozent der Bundesbürger legen Geld zurück, jeder Zweite monatlich. Die Sparquote beträgt nach eigenen Angaben durchschnittlich 10,6 Prozent.

„Sparen ist alles andere als ein Auslaufmodell. Die Deutschen sparen regelmäßig auf gleichbleibendem Niveau“, sagt Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender von Union Investment. Wesentliche Motive dabei: das Bedürfnis nach mehr Sicherheit und ein größeres Maß finanzieller Freiheit. „Das Thema Sparen ist positiv besetzt. Es geht um das Gefühl, sich Handlungsfähigkeit für die Zukunft zu erhalten“, so Reinke.

Nur ein kleiner Anteil von 10,4 Prozent verzichtet ganz aufs Sparen. 51 Prozent von ihnen fehlt nach eigenen Angaben der finanzielle Spielraum. Dabei fällt auf, dass offensichtlich viele ihre Möglichkeiten unterschätzen. Beim Sparen generell ist die Finanzbildung ein entscheidender Faktor. Je höher Menschen ihr Wissen in der Geldanlage einschätzen, desto regelmäßiger und mit mehr Freude sparen sie. Das sind die wesentlichen Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage des Hamburger Marktforschungsinstituts Elbe 19 im Auftrag von Union Investment.

Insgesamt  wurden mehr als 8.000 Bundesbürger befragt. Das Ergebnis: Die Deutschen sparen trotz der niedrigen Zinsen weiter auf hohem Niveau. Neun von zehn Befragten halten es weder für altmodisch noch für spießig. Das Sparschwein als Auslaufmodell zu bezeichnen, davon kann keine Rede sein. Dabei zeigt sich, dass die Sparquote von 10,6 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens auch über verschiedene Altersgruppen hinweg konstant geblieben ist.

<p>Evolution des Sparens - Spießig war gestern</p>

Das Thema Sparen ist positiv besetzt. Für 73 Prozent der Befragten bedeuten finanzielle Rücklagen, jetzt und künftig handlungsfähig zu sein, womit auch ein Zugewinn an persönlicher Freiheit verbunden ist. „Nicht zu sparen bereitet vielen ein ungutes Gefühl“, sagt Reinke. „Wer spart, dessen Wohlfühlfaktor steigt, auch wenn es nur rein rational um das Halten oder Steigern des Lebensstandards geht.“ Dabei zeigt sich, dass die Freude am Sparen mit der Art und Weise der Anlage zusammenhängt. Moderne Sparer, die Wertpapiere und Fonds besitzen, kommen auf einen Sparlaune-Index von 64 auf einer Skala von 0 bis 100. Die traditionellen Sparer, die nur auf die Klassiker wie Tagesgeld und Sparbuch setzen, liegen mit 59 Punkten dahinter zurück. Die Zahlen zeigen: Die Freude am Sparen steigt mit dem Besitz von chancenreicheren Anlageformen.

Ich wünsche mir, dass im Niedrigzinsumfeld mehr darüber gesprochen wird, wie sich Sparen lohnt und weniger, warum es angeblich keinen Sinn mehr macht

Hans Joachim Reinke

Vorstandsvorsitzender von Union Investment

Reinke_Zitat

So spart die deutsche Mittelschicht

Wohlstand sichern: Wie Lebensstile das Anlageverhalten beeinflussen

Deutschland geht es gut. Trotzdem sorgen sich insbesondere die Angehörigen der Mittelschicht – gut 60 Prozent der deutschen Bevölkerung – um den Erhalt ihres hart erarbeiteten Wohlstands, um ihre Altersvorsorge und um die Zukunft der nachfolgenden Generation. Ursachen für die Verunsicherung sind neben den anhaltenden Niedrigzinsen auch der demografische Wandel und die sinkenden Bevölkerungszahlen. Über diese Mittelschicht ist viel geschrieben worden – zu kurz kam, dass die Mitte der Gesellschaft keine homogene Masse ist. Denn sie vereint ganz unterschiedliche Lebensstile, Werte und Erwartungen. Hier setzt die Studie „Wohlstand sichern: Sparverhalten und Sparerfordernisse deutscher Haushalte unter Berücksichtigung der Lebensstile“ an, die Union Investment im Jahr 2014 veröffentlicht hat. Sie beleuchtet die Sparkultur in verschiedenen Milieus der deutschen Mittelschicht.

<p>Mitte der Gesellschaft</p>

Zu den wichtigen Erkenntnissen zählt etwa, welcher Teil der Mittelschicht die besten Chancen hat, seinen Wohlstand auf Dauer zu halten. Wer lieber im Hier und Jetzt lebt und sich nicht mit der Altersvorsorge befasst. Welches Milieu über die meisten Wertpapiere und Fonds verfügt. Oder wer im Eigenheim wohnt und sich schon keine Gedanken mehr über die Geldanlage macht.

Zurückgegriffen wurde dabei auf das Modell der Sinus-Milieus®. Fünf dieser Milieus können der deutschen Mittelschicht zugeschrieben werden und bilden damit die Grundlage der hier vorgestellten Studie.

Traditionelles Milieu

Die sicherheits- und ordnungsliebende Kriegs- und Nachkriegsgeneration ist tief in Traditionen verwurzelt. Traditionelle sind wirtschaftlich versorgt, weshalb das Sparverhalten deutlich von dem anderer Milieus abweicht: Altersvorsorge steht nicht mehr im Fokus, drei Viertel fühlen sich ausreichend abgesichert. Über ein Drittel wohnt im Eigenheim.

Bevorzugt werden sichere, liquide Geldanlagen mit einem klaren Ziel: Erreichtes bewahren – gerade auch für potenzielle Erben. Weitere Sparanlagen sind nicht geplant. Dementsprechend gering ist das Interesse an Geldanlageinformationen.

Bürgerliches Milieu

Das Zentrum der deutschen Mittelschicht strebt sichere und harmonische Verhältnisse an. Bürgerliche sind vielfach bereits sozial und beruflich etabliert. Überdurchschnittlich häufig besitzen sie eine eigene Immobilie. Sie sparen am regelmäßigsten und am intensivsten. Nahezu alle Sparformen werden genutzt, wobei sichere und liquiditätsorientierte dominieren.

Trotzdem gibt es überdurchschnittlich viele Fondssparer. Auch die Depots spiegeln die Affinität zu Immobilien wider. Es herrscht ein hohes Sicherheitsbedürfnis – das zeigt sich bei den Anlagepräferenzen und bei der finanziellen Absicherung von Vermögenswerten sowie der eigenen Erwerbsfähigkeit. Bürgerliche Haushalte sind mit Konten und Geldanlagen komfortabel ausgestattet. Die Folge: der aktuelle Bedarf scheint weitgehend gesättigt. Wenn in den kommenden Jahren die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen, wird davon die bürgerliche Mitte stark betroffen sein.

Sozialökologisches Milieu

In keinem anderen Milieu ist die Wertorientierung so tief verankert wie im sozialökologischen. Hier sind besonders viele Akademiker und Beamte vertreten, die im nächsten Jahrzehnt aus dem Erwerbsleben ausscheiden werden.

Viele besitzen Immobilien und haben breit vorgesorgt. Häufig werden weitere Geldanlagen nicht geplant. Größeres Geldvermögen hat in diesem Milieu eine vergleichsweise untergeordnete Bedeutung. Es besteht eine Präferenz für nachhaltige Anlagen. Auffällig ist der relativ hohe Anteil an Fondsbesitz in diesem Milieu.

Adaptiv-Pragmatisches Milieu

Die Adaptiv-Pragmatischen sind anspruchsvoll, zielorientiert und wollen die Kapitalanlagen optimiert wissen. Sie verfügen über ein ausgeprägtes Zugehörigkeitsgefühl, gepaart mit großer Anstrengungsbereitschaft. Sie kombinieren traditionelle Werte und gesellschaftliche Modernisierung.

Viele von ihnen sind in einer beruflichen oder familiären Aufbauphase. Vorsorgesparen ist nicht sonderlich stark ausgeprägt. Die adaptiv-pragmatische Mitte bevorzugt flexible Anlagen, um auf künftige Herausforderungen als Konsequenz unsteter Lebensverläufe reagieren zu können. Pragmatismus wird auch bei der Geldanlage großgeschrieben: Adaptiv-Pragmatische sind offen für die Beratung, wenn sie ihnen weiterhilft. Das Interesse an Immobilien als Altersvorsorge ist groß. Hinzu kommt ein überdurchschnittliches Interesse an Investmentfonds.

Hedonistisches Milieu

Wohlstandssicherung steht (noch) nicht auf der Agenda. Hedonisten geht es weniger um Besitz, und das verändert zwangsläufig das Sparverhalten. Für eine langfristige Vermögensplanung lässt das Leben im Hier und Jetzt nur wenig Raum. Ausnahme: Bildungssparen, zu dem Hedonisten am ehesten bereit sind.

Hedonisten agieren in der Geldvermögensbildung eher ziellos, sind aber dennoch anspruchsvoll: Da sie vergleichsweise spät in das Erwerbsleben eintreten, müssen sie renditestark anlegen, um ein nennenswertes Geldvermögen zu bilden. Dem kommt eine risikofreudigere Anlageeinstellung entgegen. Fraglich ist, ob die erforderliche Kompetenz in Finanzfragen vorhanden ist. Für starre Anlagelösungen interessieren sich Hedonisten nicht. Sie möchten flexibel sein.

Auch interessant für Sie

Erfahren Sie interessante Daten und Fakten rund um die Finanzbildung der Deutschen.
<p>Studie Familie Finanzen</p>

Die Finanzbildung der Deutschen

Welche Einflüsse prägen unseren  Umgang mit Geld? Kann man  sparen lernen?