Deutsche Sparerinnen und Sparer bleiben auch in Corona-Zeiten cool

  • Investmentfondsbesitzer sind zufrieden
  • Sicherheitsbedürfnis der Anleger ist unverändert
  • Die Mehrheit erwartet konstante finanzielle Verhältnisse im eigenen Haushalt
Frankfurt am Main, 9. Juni 2020 – Die Corona-Krise bringt deutsche Sparerinnen und Sparer nicht aus dem Tritt: Die meisten möchten an ihrem Spar- und Konsumverhalten nichts ändern. Trotz der Volatilität an den Kapitalmärkten der vergangenen Wochen macht sich die Mehrheit keine Sorgen um die Sicherheit ihrer Geldanlagen oder hat nun ein größeres Sicherheitsbedürfnis. Eine Flucht in liquide Geldmittel ist bei Privatkunden nicht zu verzeichnen. Sehr viele sehen keinerlei Veranlassung, etwas an ihren Geldanlagen zu ändern. Besonders zufrieden sind Besitzer von Investmentfonds – wenngleich schwankungsreiche Wochen hinter ihnen liegen. Auch mit Blick auf die persönliche Finanzlage zeigen sich die Deutschen keinesfalls beunruhigt, denn die meisten gehen von einer konstanten Situation in der eigenen Haushaltskasse aus. Das sind die Ergebnisse aus dem aktuellen Anlegerbarometer von Union Investment, einer repräsentativen Befragung deutscher Finanzentscheider in privaten Haushalten.
Das Auf und Ab an den Aktienmärkten aufgrund der Corona-Pandemie hat die deutschen Sparerinnen und Sparer kaum beeindruckt. Mehr als acht von zehn Befragten (83 Prozent) werden aufgrund der Corona-Krise nichts an ihrem Spar- oder Konsumverhalten ändern, zehn Prozent wollen mehr sparen, lediglich sechs Prozent geben an, nun weniger sparen zu wollen. Dies sah zu Zeiten der Finanzmarktkrise im dritten Quartal 2009 anders aus: Hier fiel der Anteil derjenigen, die nichts an ihrem Sparverhalten ändern wollen, mit 70 Prozent deutlich niedriger aus.
Sieben von zehn Anlegern (70 Prozent) machen sich aufgrund der aktuellen Corona-Krise keine Sorgen um die Sicherheit ihrer Geldanlagen. Nur einer von zehn Befragten denkt darüber nach, die Anlageform zu ändern.

Investmentfondsbesitzer sind zufrieden

Eine Flucht in liquide Geldanlageformen ist nicht zu verzeichnen, denn ihren liebsten Sparformen bleiben die Deutschen auch während der Corona-Krise treu. Am attraktivsten finden sie weiterhin Immobilien (71 Prozent) und Gold (55 Prozent), auch wenn bei beiden die Beliebtheitswerte im Vergleich zum Vorquartal etwas zurückgegangen sind. Auf Platz drei und vier in der Gunst der Anlegerinnen und Anleger landen Aktien und Investmentfonds: 45 Prozent bzw. 39 Prozent der Befragten finden diese Formen der Geldanlage besonders attraktiv. Zudem fällt auf, dass der Anteil der zufriedenen Investmentfondssparer trotz der Kursschwankungen in den vergangenen Wochen größer ist als derjenige von Sparern mit anderen Sparformen. Mehr als die Hälfte der Investmentfondsbesitzerinnen und -besitzer (55 Prozent) hält Fonds als Sparform weiterhin für attraktiv. Unter den Inhabern von Sparbuch oder -konto sagen dies nur 18 Prozent. „Dass die Sparerinnen und Sparer den Investmentfonds die Treue halten und sie weiter als eine gute Möglichkeit ansehen, ihr Geld anzulegen, zeigt, dass sie daran glauben – auch in Krisenzeiten. Wir denken, dass die meisten aus vorherigen Krisen gelernt haben und daher besonnen geblieben sind“, kommentiert Giovanni Gay, Geschäftsführer bei Union Investment, die Ergebnisse.

Sicherheitsbedürfnis der Anleger ist unverändert

Am Sicherheitsbedürfnis bei den eigenen Geldanlagen ändert die Corona-Krise ebenfalls nichts. Mit 80 Prozent sagt die große Mehrheit der Umfrageteilnehmer, dass sie weder mehr noch weniger Sicherheit bei ihren Geldanlagen anstreben. Lediglich 15 Prozent legen jetzt mehr Wert auf Sicherheit, fünf Prozent sind jetzt bereit, mehr Risiko für eine höhere Rendite einzugehen. Während der Finanzkrise im dritten Quartal 2009 stellte sich das Bild noch ganz anders dar: Damals waren es nur 45 Prozent, für die sich nichts an ihrer Risikoeinstellung geändert hat. Mehr als die Hälfte der Befragten hingegen (52 Prozent) gab damals an, nun mehr Wert auf Sicherheit zu legen.

Die Zahlen deuten an, dass die Anleger sich weiterentwickelt haben und mit mehr Gelassenheit reagieren – auch wenn die Kurse sich mal deutlich verändern.

Giovanni Gay, Geschäftsführer

Gay, Giovanni Querformat

Die Mehrheit erwartet konstante finanzielle Verhältnisse im eigenen Haushalt

Auf die eigene finanzielle Entwicklung blickt eine große Mehrheit der deutschen Sparerinnen und Sparer entspannt: Knapp drei Viertel der Befragten (72 Prozent) erwarten eine gleich bleibende finanzielle Situation in ihrem Haushalt in den nächsten sechs Monaten. Zwölf Prozent rechnen mit einer Verbesserung, das sind allerdings nur noch halb so viele wie im Vorquartal (23 Prozent). Die Zahl derer, die von einer Verschlechterung ausgehen, hat sich im Vergleich zum Vorquartal hingegen verdoppelt und liegt bei 16 Prozent (erstes Quartal 2020: 8 Prozent). Dieser Wert liegt aber noch leicht unter dem Wert zu Zeiten der Finanzkrise, als sich über 20 Prozent der Befragten mit Blick auf die eigenen Finanzen pessimistisch äußerten. Noch mehr Pessimisten gab es nur im vierten Quartal 2002, direkt nach der geplatzten Dotcom-Blase. Damals rechneten sogar 32 Prozent mit einer Verschlechterung der eigenen finanziellen Situation. „Dass sich die Corona-Krise auf die Stimmung der Anleger auswirken würde, war abzusehen. Positiv stimmt uns, dass die Mehrzahl der Befragten aber von stabilen finanziellen Verhältnissen im eigenen Haushalt ausgeht und dass die meisten beim Spar- und Konsumverhalten die Ruhe bewahren und nichts verändern möchten“, sagt Gay. Mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) rechnet damit, dass die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise in zwei bis drei Jahren überwunden sind. Ein Drittel (37 Prozent) geht sogar von mehr als drei Jahren aus.

Seit Anfang 2001 ermittelt das Marktforschungsinstitut Forsa im Auftrag von Union Investment quartalsweise das Anlegerverhalten. Befragt werden 500 Finanzentscheider in privaten Haushalten im Alter von 20 bis 59 Jahren, die mindestens eine Geldanlage besitzen. Für das zweite Quartal erhob Forsa die Daten vom 4. bis 12. Mai 2020. Bei Umfragewerten, die sich nicht zu 100 Prozent addieren, gibt die Differenz den Anteil der unschlüssigen Befragten an.

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