High Level Forum: Empfehlungen sind wichtiger Schritt auf dem Weg zur EU-Kapitalmarktunion

  • Expertengremium veröffentlicht Bericht im Auftrag der EU-Kommission
  • Union Investment sieht große Chancen für Anleger und Unternehmen

Frankfurt am Main, 10. Juni 2020 – Im Auftrag der EU-Kommission hat ein internationales Expertengremium Empfehlungen zur Stärkung des europäischen Kapitalmarkts formuliert. Alexander Schindler, Mitglied des sogenannten High Level Forums der EU-Kommission und Vorstandsmitglied von Union Investment, hob anlässlich der heutigen Veröffentlichung des Expertenberichts dessen Bedeutung hervor: „Der Report ist ein wichtiger Schritt hin zu einer umfassenden europäischen Kapitalmarktunion. Er enthält weitreichende Vorschläge zur Verbesserung des Kapitalmarktes in der EU, von denen insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen und die Anleger profitieren werden.“

Die EU-Kommission hatte das High Level Forum (HLF) im Herbst letzten Jahres in Hinblick auf ihr Ziel ins Leben gerufen, in Europa eine Kapitalmarktunion (Capital Markets Union, CMU) zu schaffen. Das aus 28 Mitgliedern bestehende Forum setzt sich aus internationalen Experten aus Finanzbranche, Wissenschaft, Verbraucherschutzorganisationen und unabhängigen Experten zusammen, ergänzt um Beobachter aus EU-Spitzenbehörden wie EZB, EBA, ESMA und EIOPA. Mit ihren Empfehlungen sollte die Gruppe sicherstellen, dass Bürger und Unternehmen in der gesamten EU zu gleichen Bedingungen und unabhängig von ihrem geographischen Standort Zugang zu den Kapitalmärkten haben.

Ein wesentliches Ziel der Vorschläge ist, die Finanzierungsmöglichkeiten für kleinere und mittlere Unternehmen in der EU zu verbessern. Hierzu sollen beispielsweise bestimmte Unternehmensdaten in einem „European Single Access Point“ für die Öffentlichkeit und frei von Gebühren und Lizenzen zugänglich gemacht werden, was für Investoren von erheblicher Relevanz ist. Das gilt auch für die Maßnahmen zur Stärkung der Aktionärsrechte, die unter anderem mit dem Vorschlag zur Schaffung einer bisher fehlenden EU-einheitlichen Definition von „Aktionär“ einhergeht.

„Diese Empfehlungen begrüßen wir ausdrücklich. Damit könnten sich sowohl die Voraussetzungen für uns als aktiver Asset Manager auf der Investitionsseite als auch in unserer Funktion als treuhänderisch agierender Investor verbessern, der die Aktionärsrechte aktiv wahrnimmt.“ Für Sparer wiederum, die im anhaltenden Niedrigzinsumfeld eine ausreichende Altersversorgung nur schwer realisieren können, soll der Zugang zum Kapitalmarkt und somit zu höher rentierlichen Anlagen verbessert werden.

„Wenn es gelingt, die wesentlichen Punkte umzusetzen, bietet sich die einmalige Chance, den Zugang zu den Kapitalmärkten auf breiter Front zu verbessern. Und zwar sowohl für diejenigen, die dringend Kapital zur Finanzierung benötigen, als auch für diejenigen, die in Zeiten niedriger Zinsen mehr denn je darauf angewiesen sind, an den Kapitalmärkten Vermögen zu bilden und ihre Altersvorsorge zukunftssicher aufzustellen“, sagte Schindler.

Als wegweisend schätzt er zudem die vorgeschlagenen Instrumente zur Weiterentwicklung der Altersvorsorge ein. Hier geht es unter anderem um den Aufbau europaweiter, länderübergreifender Vergleichs- und Informationsansätze. So zählen der Aufbau eines europaweiten Dashboards zur Transparenz zwischen den nationalen Systemen und umfassende Auskunftsmöglichkeiten für Vorsorgesparer über die erworbenen Anwartschaften zu den vorgeschlagenen Maßnahmen. Hinzu kommen Vorschläge zur Veränderung an der MiFID-Kundenklassifizierung mit Blick auf semiprofessionelle Anleger und zur Finanzbildung sowie zur Verbesserung der Informationspapiere für Kleinanleger.

„Hier werden Wege aufgezeigt, wie europäische Anleger auf breiter Ebene an das Wertpapiersparen herangeführt und sowohl Sparer als auch Anbieter von Finanzprodukten von bürokratischen Hürden entlastet werden und Kapitalmärkte in der EU insgesamt effizienter und damit wettbewerbsfähiger aufgestellt werden können“, zieht Schindler Bilanz.

So divers das High Level Forum zusammengesetzt war, so verschieden waren teilweise auch die Meinungen, was sich insbesondere beim Thema Aufsicht zeigte. „Ich habe mich dafür eingesetzt, dass es keinen Automatismus von Kapitalmarktunion und Verlagerung von Aufsichtsrechtskompetenzen an Europäische Behörden gibt. Dort, wo bei einer etwaigen Verlagerung keine Effizienzen zu erwarten sind und es auf Nähe zu den beaufsichtigten Unternehmen und den Bürgern ankommt, sollten die nationalen Aufsichtsbehörden zuständig bleiben. Der Report greift dieses Meinungsspektrum auf“, so Alexander Schindler abschließend.

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Stefan Barkhausen

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