Wir rechnen weiter mit einem Deal in allerletzter Sekunde

Chefvolkswirt David Milleker zur Brexit-Abstimmung in London

Die gestrige Abstimmung im britischen Unterhaus über den Scheidungsvertrag mit der EU brachte den erwarteten Ausgang: Die „May-loyalen Tories“ stimmten dafür, während die Tory-Brexiteers sowie die Opposition das Abkommen geschlossen ablehnten. Für Premierministerin May ist die Entscheidung eine krachende Niederlage, zeigt sie doch die breite Ablehnung im Parlament gegen den von ihr ausgehandelten Vertragsentwurf. Klarheit über mehrheitsfähige Positionen bringt die Abstimmung aber nicht. Damit geht die Hängepartie zunächst weiter. 

Im nächsten Schritt steht für heute Abend ein von der oppositionellen Labour Party beantragtes Misstrauensvotum gegen die Regierung auf der Agenda. Diese Attacke dürfte May allerdings mit der Mehrheit aus Tories und nordirischer „Democratic Ulster Party“ (DUP) überstehen.

Danach bieten sich ihr drei Optionen:

  1. Fraktionsübergreifende Gespräche, um den Scheidungsvertrag doch noch durch das Parlament zu bringen.
  2. Neue Verhandlungen mit der EU, um eine einseitige Kündigung des Backstops zu erreichen (um die Brexiteers an Bord zu holen und einen modifizierten Scheidungsvertrag zu verabschieden).
  3. Ein neues Referendum zu unterstützen.

Oppositionsführer Jeremy Corbyn hat dagegen zwei Optionen: Entweder sich auf fraktionsübergreifende Gespräche einzulassen. Oder aber ein von der Mehrheit seiner Basis unterstütztes zweites Referendum zu fordern.

Unserer Einschätzung nach wird es zu einem eher unübersichtlichen Prozess kommen. Für die Opposition besteht kein Grund, Premierministerin May nach Hintergrundgesprächen zu einer ausgehandelten Mehrheit zu verhelfen. Stattdessen dürften im Unterhaus vielleicht ein bis drei Dutzend Einzelanträge zur Abstimmung gestellt werden, die mit der fraktionsübergreifenden Pro-EU-Mehrheit aus Opposition und dem europafreundlichen Teil der Tories angenommen werden. Das Ergebnis dieser komplizierten, innerbritischen Positionsfindung läge dann inhaltlich recht nahe am aktuell debattierten Scheidungsvertrag.

Die Ratio dahinter:

Je länger die Hängepartie andauert, umso mehr weicht die Fraktionsdisziplin auf beiden Seiten auf.

David Milleker, Chefvolkswirt von Union Investment

Letztlich wird dann die Opposition gemeinsam mit dem europafreundlichen Teil der konservativen Fraktion eine Parlamentsmehrheit zustande bringen – und zwar zugunsten eines Abkommens. Offen ist dabei jedoch der Zeitpunkt, denn zunächst muss die Furcht vor einem Scheitern vermutlich groß genug werden. Unser Basisszenario eines marktpositiven, weil letztlich von einem Scheidungsabkommen geregelten Ausstiegs des Vereinigten Königreich bleibt damit intakt. Wir rechnen also weiter mit einem Deal in allerletzter Sekunde.

PDF herunterladen

Ansprechpartner

Sandra Lorke

Sandra Lorke

Pressesprecherin

Privatkundengeschäft, Portfoliomanagement

Telefon: 069-2567-2641

E-Mail: sandra.lorke@union-investment.de

Auch interessant für Sie

Sie wollen mehr über Union Investment erfahren? Dann haben wir weitere interessante Themen für Sie.

Union Investment startet neuen PrivatFonds

Union Investment bietet ab dem 2. Januar 2019 die Multi-Asset-Lösung PrivatFonds: Nachhaltig an. Damit erweitert die Fondsgesellschaft die bestehende PrivatFonds-Reihe um eine nachhaltige Variante, die das sicherheitsorientierte und flexible Vermögensmanagement von PrivatFonds: Kontrolliert mit einem umfassenden Nachhaltigkeitsansatz kombiniert.

  • 02.01.2019

Dr. Jörg Zeuner übernimmt neuen Bereich „Research & Investment Strategy“

Spätestens zum 1. Juli 2019 wird Dr. Jörg Zeuner die Führungsmannschaft im Portfoliomanagement verstärken. Er übernimmt als Managing Director den neu gegründeten Bereich „Research & Investment Strategy“ und wird zudem Chefvolkswirt sowie stimmberechtigtes Mitglied im Union Investment Committee (UIC).

  • 13.12.2018

Anleger blicken verhalten ins neue Jahr

Die Stimmung unter deutschen Anlegern hat sich in diesem Quartal deutlich verschlechtert. Sorgen bereiten ihnen unter anderem der geplante Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union sowie der hohe Schuldenberg der italienischen Regierung. Die Mehrheit der Befragten geht davon aus, dass sich der Brexit auf mittlere Sicht negativ auf die Wirtschaft in Großbritannien und in den anderen EU-Staaten auswirken wird.

  • 05.12.2018
Alle Pressemitteilungen