ifo-Studie: Bildung in Sachsen zahlt sich aus

  • Einkommen steigt mit jedem höheren Bildungsabschluss um bis zu 64 Prozent
  • Das Bildungsniveau ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen
  • Sparen für Bildung muss stärker in den Fokus rücken

Frankfurt, 29. März 2017 – Bildung ist eine Investition. Sie kostet nicht nur Zeit und Engagement, sondern auch Geld. Doch der Aufwand lohnt sich. Unter dem Strich bringt jeder höhere Abschluss über das gesamte Erwerbsleben zwischen 22 und 64 Prozent mehr Einkommen. Das ist ein Ergebnis einer Studie des ifo Instituts München im Auftrag von Union Investment. „Bildung und Wohlstand gehen Hand in Hand. Doch das Sparen für eine bessere Bildung ist in vielen Familien allerdings noch kein Thema“, sagt Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender von Union Investment.

Die Studie zeigt weiterhin: Insgesamt ist das Bildungsniveau in Deutschland deutlich angestiegen. Der Anteil der 18- bis 65-jährigen Hochschulabsolventen hat sich in den letzten 40 Jahren verdreifacht. Aber auch der Anteil der Personen mit einer Berufsausbildung hat zugenommen. „Bildung zahlt sich nicht nur in Form eines höheren Einkommens aus. Auch das Arbeitslosigkeitsrisiko sinkt deutlich“, sagt Professor Ludger Wößmann, der die Studie mit seinem Team erstellt hat. Dies gilt auch für Sachsen.

Das Bildungsniveau hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich nach oben verschoben. So hat sich der Anteil der 18- bis 65-Jährigen ohne Berufsabschluss von 1976 bis 2013 mehr als halbiert (von 38 Prozent auf 16 Prozent). Gleichzeitig stieg der Anteil der Personen mit einer Lehre/Berufsausbildung um sechs Prozentpunkte auf 57 Prozent. Der Anteil der Hochschulabsolventen hat sich sogar von sechs Prozent im Jahr 1976 auf 18 Prozent im Jahr 2013 verdreifacht.

Mit Blick auf den Arbeitsmarkt zeigt sich, dass sich eine qualifiziertere Ausbildung sowohl in barer Münze auszahlt als auch bei den Chancen, einen Arbeitsplatz zu finden.

So erreichen sächsische Arbeitnehmer mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung ein durchschnittliches monatliches Nettoeinkommen zwischen 1.397 und 1.434 Euro. Die Ergänzung einer klassischen Lehre um eine zusätzliche Ausbildung zum Meister oder Techniker ist nach wie vor eine zentrale Säule der beruflichen Bildung in Deutschland. Mit einer bundesweiten Verbreitung von zehn Prozent lagen diese beiden Qualifizierungen gleichauf mit der Verbreitung einer universitären Hochschulbildung.

Sachsen mit Universitätsabschluss werden nur selten arbeitslos

Während die durchschnittliche Arbeitslosenquote bei Menschen ohne eine Berufsausbildung in den vergangenen knapp 40 Jahren um mehr als das Vierfache auf 19 Prozent gestiegen ist, nahm sie bei Menschen mit Lehre/Berufsabschluss nur von rund 3 auf knapp 7 Prozent zu. Bei Universitätsabsolventen erhöhte sich die Arbeitslosenquote am moderatesten von 1,5 Prozent auf 2,5 Prozent. Das Risiko, in Sachsen mit einem Universitätsabschluss arbeitslos zu werden liegt zwischen 2,9 und 5,5 Prozent und damit über dem bundesweiten Durchschnitt, dennoch gilt: „Bildung senkt das Arbeitslosigkeitsrisiko auch in Sachsen deutlich und ist daher die beste Arbeitslosenversicherung. Bildung ist mehr denn je die Grundvoraussetzung für beruflichen Erfolg“, so Wößmann.

Aber nicht jedes Studium ist per se lohnender als etwa der Weg über eine Lehre zum Meister oder Technikerabschluss. „Wir beobachten deutliche Unterschiede bei den Einkünften zwischen den Berufszweigen und der Studienrichtung“, erläutert Wößmann. Während man durch ein Medizinstudium über das gesamte Erwerbsleben durchschnittlich bis zu 983.000 Euro mehr verdient als mit einer Lehre, schlägt ein Studium im Bereich Sozialarbeit nur mit einem Plus von 20.000 Euro zu Buche. Auch bei einer Meister- oder Technikerausbildung gibt es erhebliche Unterschiede. So kann das Lebenseinkommen eines Meisters mit gut laufendem Betrieb das eines Hochschulabsolventen deutlich übersteigen.

Im Bundesdurchschnitt verdient ein Meister oder Techniker 2.378 Euro monatlich. In Sachsen liegen die Nettoeinkommen mit 1.723 bis 1.768 Euro am unteren Ende der bundesweiten Nettoeinkommen. Universitätsabsolventen kommen in Sachsen auf durchschnittliche Netto-Bezüge von 2.709 bis 2.749 Euro pro Monat. Dieser Wert liegt ist innerhalb der ostdeutschen Bundesländer einer der niedrigsten.

Bildung lohnt sich auch nach Abzug aller Kosten, sollte aber als Sparziel stärker in den Fokus rücken

„Alleine diese Ergebnisse zeigen die zentrale Rolle einer qualifizierten Ausbildung“, ergänzt Reinke. In der Art und Weise, wie die Deutschen in Bildung investieren, sieht er jedoch Handlungsbedarf – vor allem bei Familien. „Jeder möchte seinem Nachwuchs eine gute Ausgangsposition für das Berufsleben verschaffen. Wirklich planvoll gehen aber die wenigsten an diese Aufgabe heran“, sagt Reinke. Mit der Veröffentlichung der Studie wolle Union Investment einen Impuls setzen, um den Aspekt des Bildungssparens stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.

„Auch wenn die privaten Aufwendungen für die Bildung in Deutschland im Vergleich zu anderen Staaten deutlich geringer sind, sollte man sich Gedanken über Bildung und die damit verbundenen Investitionen machen“, betont Reinke. „Ganz gleich ob es sich um einen möglichen Meisterbrief oder die Finanzierung eines Studiums für die Kinder oder Enkel handelt.“ Denn die kostenlosen Leistungen des deutschen Bildungssystems verdeckten die umfassenden privaten Aufwände, die Bildung heute mit sich bringe. Das zeige sich etwa am deutlichen Anstieg der Ausgaben für Nachhilfe. Jeder fünfte Gymnasiast werde heute bereits außerhalb des Unterrichts privat betreut. Trotzdem würden die Kosten für Bildung aktuell zumeist noch aus laufenden Budgets finanziert. Ausbildungssparen lande unter den Sparmotiven im hinteren Mittelfeld.

„Man spart zwar allgemein für die Kinder – aber die Ausbildung oder das Studium haben dabei die wenigsten vor Augen“, so Reinke. Immerhin beliefen sich die durchschnittlichen Kosten eines Studiums auf rund 30.000 Euro. Wer etwa 100 Euro monatlich in einen Fondssparplan einzahlt, erzielt bei einem Ertrag von jährlich vier Prozent nach 18 Jahren einen Betrag von 31.441 Euro und damit mehr als die Summe, die das Studium eines Kindes heute kostet.

Durchschnittliche Jahreseinkommen sinken bereits ab einem Alter von rund 50 Jahren

Bei der Untersuchung der Lebenseinkommen zeigt die Studie eine weitere überraschende Entwicklung in Hinblick auf die Altersvorsorge: Ab einem Lebensalter von etwa 50 Jahren sinken die durchschnittlichen Einkommen. „Dieser Effekt ist nicht nur bei gutverdienenden Akademikern festzustellen, die sich ein frühes Ausscheiden aus dem Berufsleben leisten können“, so Wößmann. Diese Entwicklung überrascht, weil er die Annahme vieler Beitragszahler entkräftet, dass sich das Einkommen bis kurz vor der Rente auf mindestens gleichem Niveau wie mit 50 Jahren bewegt. Das ist insbesondere bedeutsam vor dem Hintergrund der jährlichen Renteninformation, in der die Rentenversicherung genau davon ausgeht.

„Verantwortlich für den Rückgang sind zunehmende Nichtbeschäftigung, insbesondere durch Vorruhestand“, sagt Wößmann. Bei der Planung der eigenen Altersvorsorge bleibt dies meist unberücksichtigt: „Wer böse Überraschungen beim Renteneintritt vermeiden möchte, muss mehr vorsorgen und vor allem früher“, so Reinke. Je höher das Einkommen ist, desto deutlicher fällt dieser Effekt aus. „Altersvorsorge ist damit nichts, was auf die lange Bank geschoben werden kann“, betont der Vorstandsvorsitzende.

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Markus Temme

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Unternehmensthemen, Privatkundengeschäft, Altersvorsorge

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