Umfrage: Auch private Anleger achten auf gute Unternehmensführung

  • Skandale schaden dem Ansehen deutscher Unternehmen im Ausland
  • Gut geführte Unternehmen sind weniger anfällig für Risiken
  • Anleger- und Unternehmensinteressen in Einklang bringen         

Frankfurt, 17. März 2016 – Unternehmensskandale wie zuletzt bei VW und der Deutschen Bank schaden aus Sicht privater Anleger dem Ansehen deutscher Unternehmen im Ausland. Mehr als jeder Zweite (58 Prozent) rechnet mit einem längerfristigen Imageverlust. Gute Unternehmensführung (Corporate Governance) ist für private Anleger ein wichtiges Thema, wie eine Forsa-Befragung im Auftrag von Union Investment zeigt. 

Wer bereit ist, sein Geld in Aktien anzulegen, achtet besonders auf ein verantwortungsvolles Management (79 Prozent). Dabei haben private Anleger klare Vorstellungen von guter Unternehmensführung. Auf die Frage, was diese auszeichnet, werden vor allem drei Aspekte genannt: guter Umgang mit den Mitarbeitern (95 Prozent), Transparenz über die Herstellung der Produkte (86 Prozent) und Umweltbewusstsein (80 Prozent).

Gut geführte Unternehmen sind weniger anfällig für Risiken

Jens Wilhelm, im Vorstand von Union Investment verantwortlich für Portfoliomanagement und Immobilien, sieht darin Parallelen zum Verhalten professioneller Anleger: „Im Zuge der Umsetzung der Principles for Responsible Investment (PRI) gewinnen in der institutionellen Kapitalanlage die sogenannten ESG-Kriterien immer mehr an Bedeutung.“ Im Einzelnen geht es dabei um ökologische Kriterien (Environment), soziale Kriterien (Social) und Aspekte der guten Unternehmensführung (Governance). Dahinter steckt ein klares Kalkül: „Nicht nur institutionelle Investoren, sondern auch Privatanleger erkennen zunehmend, dass Unternehmen, die im umfassenden Sinne von ESG gut geführt sind, weniger anfällig für Ereignis-, Klage- und Reputationsrisiken und damit robuster und langfristig erfolgreicher sind“, erläutert Wilhelm.

Bei der Durchsetzung von Corporate Governance sehen private Anleger in erster Linie die Unternehmen selbst am Zug. 70 Prozent der Befragten lehnen es ab, dass der Staat verbindliche Regeln vorgibt, wie ein Unternehmen verantwortungsvoll zu führen ist. Sie sprechen sich stattdessen für eine Selbstverpflichtung der Unternehmen aus.

Anleger- und Unternehmensinteressen in Einklang bringen

Wilhelm sieht hier auch den verantwortungsvollen Investor in der Pflicht, der kontinuierlich im Dialog mit den Unternehmen steht, seine Stimmrechte bei Hauptversammlungen wahrnimmt und somit als kritischer Wächter über Corporate Governance fungiert. Für Wilhelm ist klar: „Wenn es ergänzend zur Selbstregulierung der Unternehmen einer Kontrolle von außen bedarf, woran es angesichts immer wieder auftretender Krisen, Regelverstöße und Skandale keinen Zweifel gibt, so erfolgt diese am wirksamsten nicht durch den Staat, sondern vor allem auch durch verantwortungsvolle Investoren.“ Wenn Corporate Governance funktioniert und von Unternehmen und Investoren gelebt wird, profitiert davon auch die Anlagekultur: „Gute Unternehmensführung trägt entscheidend dazu bei, Anleger- und Unternehmensinteressen in Einklang zu bringen, den Wert der Unternehmen langfristig zu steigern und das Vertrauen in die Aktie als Anlageform zu stärken“, resümiert Wilhelm.

Die Einstellung privater Anleger zum Thema Corporate Governance ermittelte das Marktforschungsinstitut Forsa im Auftrag von Union Investment zwischen dem 28. Januar und 5. Februar 2016. Befragt wurden 500 Finanzentscheider in privaten Haushalten im Alter von 20 bis 59 Jahren, die mindestens eine Geldanlage besitzen.

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Andreas Keller

Andreas Keller

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