Bundestagswahl 2017: Überraschung in Berlin sorgt für Fragezeichen an den Börsen

Ein Beitrag von Björn Jesch, Leiter Portfoliomanagement und Vorsitzender des Union Investment Committee

Für die Börsen ist das Ergebnis der Bundestagswahl eine faustdicke Überraschung. Stand heute wird Deutschland künftig weder von einer Großen Koalition noch einem schwarz-gelben Bündnis regiert. Stattdessen läuft alles auf eine Jamaika-Koalition hinaus. An den Kapitalmärkten hat damit kaum jemand gerechnet. Politiker und Investoren müssen sich nun gleichermaßen neu sortieren.

Für den Moment ist Unsicherheit das wichtigste Ergebnis dieser Wahl aus Kapitalmarktsicht: Kommt die angestrebte Regierung zustande? Wie wird der Koalitionsvertrag aussehen? Wie stabil wird ein Jamaika-Bündnis sein? Die politischen Vorgaben für die Börsen bestehen dieser Tage vor allem aus Fragezeichen.

Immerhin: Nach Lage der Dinge wird die alte Bundeskanzlerin auch die neue sein. Das dürfte viele, vor allem ausländische Investoren beruhigen. Die Äußerungen der Entscheidungsträger bei CDU/CSU, FDP und Grünen lassen zudem darauf schließen, dass die etablierten Parteien aus staatsbürgerlicher Verantwortung konstruktiv und mit dem Willen zum Erfolg an einer Regierungsbildung arbeiten werden. Je mehr das Bemühen um eine neue Bundesregierung glaubhaft sichtbar wird, umso kleiner werden die Fragezeichen der Investoren. Das werden die Märkte honorieren.

Politiker und Investoren müssen sich nun neu sortieren.

Björn Jesch

Leiter Portfoliomanagement und Vorsitzender des Union Investment Committee

Björn Jesch

Aktuell herrscht also Unsicherheit über den künftigen Kurs der größten Volkswirtschaft Europas, ohne dass eine dramatische Richtungsänderung absehbar wäre. Im Gegenteil: eine Jamaika-Koalition mag vielleicht sogar für neues Reform-Momentum stehen. Aber der Beweis hierfür muss erst einmal angetreten werden. Für die Börsen heißt das: erstmal abwarten. Starke Marktbewegungen zeichnen sich zumindest kurzfristig nicht ab.

Für Anleger empfiehlt sich damit zunächst ein vorsichtiger, aber überlegter Investmentansatz. Denn: Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen – national wie international – sind sehr robust. In der Vergangenheit wurden politische Risikoprämien häufig sehr schnell wieder ausgepreist, sobald sich die Lage entspannte. Klärt sich also die Situation in Berlin, dürften in Frankfurt die Kurse wieder steigen.

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