Unsere Positionierung

Auf Grundlage eines klar definierten Entscheidungsprozesses erarbeitet das Union Investment Committee (UIC) in jedem Monat eine auf das aktuelle Marktumfeld ausgerichtete Kapitalmarktstrategie.

Die Weltwirtschaft befindet sich derzeit am Übergang hin zu einer flacheren Erholung. Diese Abflachung des Konjunktur-Momentums im Anschluss an einen starken Aufschwung ist ein Stück weit normal. Hinzu kommen aber weitere Faktoren. So wird es unwahrscheinlicher, dass in den USA vor der Wahl noch eine Verlängerung der Konjunkturhilfen („Fiscal Four“) beschlossen werden kann. Darüber hinaus macht die Wissenschaft Fortschritte bei der Pandemiebekämpfung und Geld- sowie Fiskalpolitik wirken weiterhin stimulierend, wenn auch in rückläufigem Umfang („Peak Policy“). Bei den Unsicherheitsfaktoren rücken verstärkt politische Themen wie die US-Präsidentschaftswahl oder die Brexit-Verhandlungen ins Blickfeld, auch der Pandemie-Verlauf spielt eine Rolle. Wir halten aber neue strikte Lockdowns wie noch im Frühjahr für weniger wahrscheinlich.

Aktuelle Positionierung des Union Investment Committee

Stand: 22. September 2020

Aktien

Nach Höchstständen in den wichtigsten US-Indizes Ende August hat im September eine Korrektur eingesetzt, in der vor allem die zuvor deutlich gestiegenen Technologiewerte stärker unter Druck standen. Global weiter steigende Corona-Infektionen, vorübergehende Rückschläge bei der Impfstoffentwicklung und schwächere Konjunkturdaten haben dazu ebenso beigetragen wie erneut zunehmende geopolitische Risiken und die Unsicherheiten um die US-Präsidentschaftswahl. Diese Faktoren werden auch die Marktentwicklung der kommenden Wochen bestimmen. Aber: Generell bleiben die globalen Aktienmärkte von der „Jagd nach Risikoprämien“ unterstützt. Die Unternehmen kommen in der Krisenbewältigung gut voran, die Gewinnerwartungen verbessern sich weiter.

Renten

Für die Rentenmärkte bleibt die lockere Geldpolitik der Notenbanken ein wichtiger Faktor. Deren höhere Inflationstoleranz sollte in Verbindung der zyklischen Erholung für eine weitere Versteilerung der Renditestrukturkurven von Kernstaatsanleihen sorgen. Peripherieanleihen bleiben hingegen durch die Ankäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) gut unterstützt. Unternehmensanleihen sind ebenfalls weiterhin gefragt, sowohl im Rahmen der EZB-Ankäufe wie auch von den Anlegern auf der Suche nach attraktiven Renditen im Negativzinsumfeld.

Rohstoffe

An den Rohstoffmärkten normalisiert sich die Lage weiter. Im Energiesektor (Rohöl, Ölprodukte, Erdgas) sinken die Lagerbestände. Die Nachfrage bleibt schwach, abzulesen an den sinkenden Prämien für physisches Öl oder den niedrigen Raffineriemargen. Die Angebotssituation ist stabil. Industriemetalle waren bislang durch den „klassischen“ chinesischen Stimulus gut unterstützt, doch dessen Wirkung sollte perspektivisch nachlassen. Bei Gold und Silber scheint der Appetit der ETF-Anleger vorerst gesättigt.

Währungen

Der Euro dürfte perspektivisch von weiteren Schritten in Richtung einer Fiskalunion und hin zu einer insgesamt stärkeren Integration auf europäischer Ebene profitieren. Die EZB hat aber die Euro-Stärke und ihre Implikationen auf die Inflation im Auge. In den nächsten Wochen sollten zunehmend die anstehenden Wahlen in den USA die Trends an den Währungsmärkten beeinflussen. Mittelfristig erwarten wir aufgrund des steigenden US-Zwillingsdefizits, der flacheren US-Zinsstrukturkurve und der höheren Inflationstoleranz der Fed eine Fortsetzung der Schwäche des US-Dollars. Die stockenden Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU lassen aufgrund des kleiner werdenden Zeitfensters allenfalls noch die Einigung auf einen rudimentären Handelsvertrag zu. Somit nimmt die Wahrscheinlichkeit eines Hard Brexit zu. Dies dürfte auf dem Britischen Pfund lasten.

Umsetzung

Das Union Investment Committee (UIC) hat im Rahmen seiner Sitzung Ende September seine neutrale Risikoausrichtung bestätigt. In der Gesamtschau der Faktoren – intakte Positiv-Trends einerseits, höhere Unsicherheit andererseits - und vor dem Hintergrund der durch die Marktkorrektur der vergangenen Wochen gesunkenen Bewertungen favorisiert das UIC höherverzinsliche Rentenpapiere (Investment Grade-Unternehmens- und Peripherieanleihen) und Aktien einerseits gegenüber Rohstoffen andererseits. Zudem bestehen Untergewichtungen in den „sicheren Häfen“. Bei den Währungen wird der Euro gegenüber dem US-Dollar bevorzugt.

Der UIC-Prozess

Das Gremium trifft sich turnusmäßig einmal im Monat an zwei aufeinander folgenden Tagen – oder aber auch ad hoc, wenn es die Kapitalmarktentwicklung erfordert. Das erste Treffen dient der Bestandsaufnahme und Analyse der Lage an den internationalen Börsen. Dazu werden sowohl interne Experten aus dem Portfoliomanagement als auch externe Referenten eingeladen. Der zweite Tag steht im Zeichen der Diskussionen und der Entscheidungen. Um eine für das gesamte Portfoliomanagement tragfähige Strategie herauszuarbeiten, muss am Ende eine Einigung stehen: das Kondensat der versammelten Meinungen. Daraus wird die optimale Ausrichtung eines Musterportfolios für die kommenden drei Monate, inklusive der dazu passenden Risikoeinschätzung entwickelt.