Unsere Positionierung

Auf Grundlage eines klar definierten Entscheidungsprozesses erarbeitet das Union Investment Committee (UIC) in jedem Monat eine auf das aktuelle Marktumfeld ausgerichtete Kapitalmarktstrategie.

Das Union Investment Committee schätzt das Marktumfeld weiter als schwierig und unsicher ein. Von den vier für die Marktentwicklung besonders relevanten Schlüsselfaktoren – Wachstum, Inflation, Geldpolitik und Marktstruktur – ist unverändert keine Entspannung in Sicht. In den vergangenen Wochen hat die Wachstumsdynamik weiter abgenommen, zuletzt enttäuschten vor allem die Konjunkturdaten in China. In den USA verzeichnete die Inflation erstmals seit Monaten einen im Jahresvergleich schwächeren Anstieg als im Vormonat, wenn auch auf unverändert hohem Niveau. Die Unternehmensergebnisse kommen daher vor allem über die Kostenseite unter Druck, wie die Berichtssaison für das zweite Quartal zeigte.

Die Abschwächung der Konjunktur im Euroraum setzt sich fort. Stimmungsindikatoren wie das Verbraucher- und das Geschäftsvertrauen sowie die Einkaufsmanagerindizes schwächen sich weiter ab. Gleichzeitig bleibt der Arbeitsmarkt mit akuten Knappheiten an Arbeitskräften, historisch niedrigen Arbeitslosenquoten und einer hohen Zahl freier Stellen stark. Mit Blick auf die deutsche Energieversorgung im kommenden Winter haben kürzlich Daten zu den Gasspeicher-Füllständen für Aufatmen gesorgt. Auch ist die Abhängigkeit von Importen aus Russland weiter gesunken. Nach den aktuellen Simulationen von Union Investment sollte bei einem Winter mit durchschnittlichen Temperaturen ein Engpass bei der deutschen Gasversorgung vermieden werden können. Die aktuelle „Entspanntheit“ ist aber teuer erkauft, der Preis für die Gaslieferungen hoch. Auch dürfte der Winter 2023/24 mit Blick auf die Gasversorgung noch herausfordernder werden als der bevorstehende. Zusammen mit den am Großhandelsmarkt stark gestiegenen Strompreisen stellen diese Kosten perspektivisch eine enorme Belastung für europäische Unternehmen und Verbraucher dar.

Die Volkswirte von Union Investment erwarten im Euroraum ein weiteres Anziehen der Teuerungsraten in den nächsten Monaten und erst im Jahr 2023 eine Verlangsamung des Preisniveauanstiegs. Die USA sind dem Euroraum diesbezüglich einige Monate voraus. So stieg bereits im Juli die Inflation jenseits des Atlantiks nicht weiter an und die Abschwächung des Preisanstiegs dürfte in Richtung Jahresende einsetzen. In der Geldpolitik stehen die nächsten Entscheidungen bei der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) und der Europäischen Zentralbank (EZB) im September an. Wie die Protokolle der vergangenen Sitzungen und die jüngsten Äußerungen von Mitgliedern der Entscheidungsgremien verdeutlichen, bleibt die Inflationsbekämpfung klar im Fokus der Geldpolitik. Beide Notenbanken haben zuletzt betont, künftig stärker datenabhängig agieren und von Sitzung zu Sitzung entscheiden zu wollen. 

Solange das Maß an Unsicherheit hoch ist und keine Klarheit bei den Schlüsselfaktoren herrscht, bleibt das Umfeld nach Meinung des UIC belastet und eine durchgreifende Erholung bei Risikoanlagen unwahrscheinlich. In dieser Situation bleiben Aktivität und relative Positionen wichtige Elemente einer erfolgreichen Anlagestrategie. 

Aktuelle Positionierung des Union Investment Committee

Stand: 22. September 2022

Der UIC-Prozess

Das Gremium trifft sich turnusmäßig einmal im Monat an zwei aufeinander folgenden Tagen – oder aber auch ad hoc, wenn es die Kapitalmarktentwicklung erfordert. Das erste Treffen dient der Bestandsaufnahme und Analyse der Lage an den internationalen Börsen. Dazu werden sowohl interne Experten aus dem Portfoliomanagement als auch externe Referenten eingeladen. Der zweite Tag steht im Zeichen der Diskussionen und der Entscheidungen. Um eine für das gesamte Portfoliomanagement tragfähige Strategie herauszuarbeiten, muss am Ende eine Einigung stehen: das Kondensat der versammelten Meinungen. Daraus wird die optimale Ausrichtung eines Musterportfolios für die kommenden drei Monate, inklusive der dazu passenden Risikoeinschätzung entwickelt.