Unsere Positionierung

Auf Grundlage eines klar definierten Entscheidungsprozesses erarbeitet das Union Investment Committee (UIC) in jedem Monat eine auf das aktuelle Marktumfeld ausgerichtete Kapitalmarktstrategie.

Der Ukraine-Krieg dauert an und sorgt weiter für hohe Unsicherheit, am Kapitalmarkt wie in der Realwirtschaft. Konjunkturell deuten die Frühindikatoren dennoch bislang nicht auf einen Einbruch hin – weder in den USA, noch im Euroraum. Im Gegenteil: Die jüngsten Datenpunkte zeigen zwar eine wirtschaftliche Abschwächung, fielen aber insgesamt recht stabil aus. Gleichwohl dürften die stärkere wirtschaftliche Verflechtung mit Russland, die größere geographische Nähe und die höhere Abhängigkeit einiger europäischer Volkswirtschaften von russischen Energieimporten im laufenden Jahr das Wachstum auf dem „alten Kontinent" stärker belasten als in den USA. Der US-Konjunkturmotor läuft hingegen viel robuster, und dies schon länger, die Ausgangslage ist also besser.

Damit vergrößert sich zunächst die bereits vorhandene Divergenz zwischen der Wirtschaftsentwicklung dies- und jenseits des Atlantiks. Für die US-Wirtschaft gehen unsere Experten unverändert von einem BIP-Plus von 3,1 Prozent im laufenden Jahr aus. Die Erwartung für den Euroraum wurde hingegen auf 2,5 Prozent gesenkt. Im Jahr 2023 sollte sich die Wachstumsschere aber wieder etwas schließen, vorausgesetzt, es kommt im Ukraine-Krieg zu keiner weiteren Eskalation. Für die Weltwirtschaft ist zudem die Entwicklung in China mitentscheidend. Das Reich der Mitte ist derzeit mit heftigen Ausbrüchen der Omikron-Variante des Coronavirus konfrontiert. Die Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche Aufrechterhaltung der Zero-Covid Politik ist hierdurch aber gestiegen und die Bremswirkungen auf Produktion und internationale Lieferketten sollten begrenzt ausfallen.

Der Inflationsdruck bleibt derweil hoch, in nahezu allen Weltgegenden. Im Euroraum dürften die Verbraucherpreise demnach im Jahresmittel 2022 um 7,0 Prozent steigen, in Deutschland gar um 7,4 Prozent. Für die USA ergeben unsere Kalkulationen einen Wert von 7,6 Prozent. Im Folgejahr dürften die Raten wieder deutlich zurückgehen. Geldpolitisch ist der Handlungsspielraum im Euroraum stärker beschnitten als in den USA. Dort hat die Konjunktur durch die großzügige Fiskalpolitik im Rahmen des American Rescue Plan die Wirtschaft zurück auf den alten Wachstumspfad gebracht. Die verfügbaren Einkommen entwickeln sich dank des soliden Arbeitsmarkts und Zuwächsen bei Löhnen und Gehältern (v.a. bei Gruppen mit niedrigen Einkommen) stabil und stützen den privaten Konsum, trotz weggefallener staatlicher Transferleistungen. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) kann daher die Inflationsbekämpfung beherzter angehen als die Europäische Zentralbank (EZB).Insgesamt sind die Signale der Fed eindeutig: Es ist ihr ernst mit der Inflationsbekämpfung. Der Weg bis zu einem neutralen, nicht mehr wachstumstreibenden Leitzins soll zügig zurückgelegt werden. Anders sieht das Bild in Europa aus, wo die Inflation vor allem aufgrund der gestiegenen Rohstoffpreise steigt und damit viel stärker angebotsgetrieben ist. Die EZB hat hier wenig Mittel, um gegenzusteuern, doch werden die falkenhafteren Kommentare aus dem EZB-Rat lauter, und wir erwarten ab September zwei Zinsschritte im laufenden Jahr.

Aktuelle Positionierung des Union Investment Committee

Stand: 27. April 2022

Der UIC-Prozess

Das Gremium trifft sich turnusmäßig einmal im Monat an zwei aufeinander folgenden Tagen – oder aber auch ad hoc, wenn es die Kapitalmarktentwicklung erfordert. Das erste Treffen dient der Bestandsaufnahme und Analyse der Lage an den internationalen Börsen. Dazu werden sowohl interne Experten aus dem Portfoliomanagement als auch externe Referenten eingeladen. Der zweite Tag steht im Zeichen der Diskussionen und der Entscheidungen. Um eine für das gesamte Portfoliomanagement tragfähige Strategie herauszuarbeiten, muss am Ende eine Einigung stehen: das Kondensat der versammelten Meinungen. Daraus wird die optimale Ausrichtung eines Musterportfolios für die kommenden drei Monate, inklusive der dazu passenden Risikoeinschätzung entwickelt.