Unsere Positionierung

Auf Grundlage eines klar definierten Entscheidungsprozesses erarbeitet das Union Investment Committee (UIC) in jedem Monat eine auf das aktuelle Marktumfeld ausgerichtete Kapitalmarktstrategie.

Durch die Lockerungen der Eindämmungsmaßnahmen hat sich die Wirtschaftsaktivität weltweit zuletzt erholt, ist aber noch weit vom Vorkrisenniveau entfernt. Lediglich China hat bereits sein Niveau von 2019 wieder erreicht und ist damit deutlich weiter als der Rest der Welt. Die Kapitalmärkte blenden weiterhin die schwache Verfassung der globalen Konjunktur und auch den Anstieg der Neuinfektionszahlen vielerorts in den vergangenen Tagen aus. Stattdessen liegt der Fokus auf den positiven Meldungen wie den jüngsten Daten zum US-Arbeitsmarkt und zum US-Konsum beziehungsweise auf den Nachrichten, die mittelfristig auf die Überwindung der ökonomischen Folgen der Corona-Pandemie hindeuten.

Doch auch wenn in Europa die Fallzahlen von COVID-19-Infizierten seit einigen Wochen deutlich rückläufig sind und daher auch die Eindämmungsmaßnahmen zurückgefahren werden konnten, steht aus globaler Sicht der Höhepunkt der Corona-Krise noch aus. Das Epizentrum hat sich vor allem nach Lateinamerika, aber auch in einige andere große Emerging Markets wie Russland und Indien verschoben. In den Industriestaaten nimmt aufgrund lokaler Ausbrüche die Gefahr einer zweiten Corona-Welle zu.

Nach Meinung des UIC sind die Unterstützung der Staaten und Notenbanken sowie die Lockerungen der Eindämmungsmaßnahmen vielerorts bereits in den Kursen reflektiert. Für eine fortgesetzte Aufwärtsbewegung ist eine positive Entwicklung des fundamentalen Marktumfelds notwendig. Risikoanlagen bleiben damit perspektivisch attraktiv, kurzfristig ist das Chance-Risiko-Verhältnis aber aufgrund der starken Erholung und der damit ambitionierten Bewertungen weitgehend ausgeglichen.

Aktuelle Positionierung des Union Investment Committee

Stand: 24. Juni 2020

Aktien

Die globalen Aktienmärkte haben sich in den vergangenen Wochen weiter erholt, die Bewertungen sind ambitioniert. Die gelockerten Eindämmungsmaßnahmen und die massiven Hilfspakete von Staaten und Notenbanken sind in den Kursen bereits reflektiert. Nach vorne gerichtet besteht das Risiko einer zweiten Ansteckungswelle. Auch sind, wie erwähnt, manche positiven Konjunkturdaten mit Vorsicht zu genießen, denn die Erholung der globalen Wirtschaft aus einer tiefen Rezession dürfte noch einige Zeit brauchen. Die Gewinnsituation hat sich zuletzt stabilisiert und sollte sich von diesen niedrigen Niveaus nur langsam erholen.

Renten

Die Kaufprogramme der Notenbanken wirken sich weiterhin stützend auf die Rentenmärkte aus, insbesondere auf Staatsanleihen aus der Peripherie der Europäischen Währungsunion (EWU) sowie auf Unternehmensanleihen. Es ist zu erwarten, dass es in der einen oder anderen Form zur Schaffung eines europäischen Wiederaufbaufonds kommt, was ebenfalls zu rückläufigen Renditen an den Peripheriemärkten führen dürfte. Im Investment-Grade-Bereich sollten die Ausfallraten, selbst wenn es zu einer zweiten Welle an Corona-Neuinfektionen kommen würde, begrenzt bleiben. Unter anderem geringe Renditen lassen den Covered-Bonds-Markt vergleichsweise unattraktiv erscheinen.

Rohstoffe

Durch eine Verlängerung – verbunden mit einer konsequenten Umsetzung – der Produktionskürzungen der OPEC+-Staaten sowie einer rapiden Förderkürzung der Schieferölunternehmen in den USA ist es gelungen, das globale Ölangebot auf das Niveau der weltweiten Nachfrage zu drosseln. Der Ölmarkt wird damit im Gleichgewicht in die zweite Jahreshälfte starten – aber bedingt durch die Nachfrageschwäche der letzten Monate mit einem die Preise dämpfenden deutlichen Lagerüberhang. Bei den Industriemetallen haben sich jüngst die Börsenlagerbestände stabilisiert. Aufgrund der schwachen Weltnachfrage erwarten wir bei Aluminium, Blei und Zink Marktüberschüsse. Der Goldpreis ist hingegen durch eine ungebrochene Nachfrage von ETFs und niedrigen Realrenditen unterstützt.

Währungen

Die Aufnahme des Vorschlags von Macron und Merkel in den Entwurf für einen Wiederaufbaufonds der Europäischen Kommission gibt dem Euro weiter Rückenwind. Auf dem nächsten EU-Gipfel können weitere Schritte einer stärkeren Integration gegangen werden. Auch erste Annäherungen bei den Brexit-Verhandlungen senden ein positives Signal. Der US-Dollar dürfte hingegen von Kapitalabflüssen aus den USA belastet sein, da Investoren durch die Zinssenkungen der Fed rentierlichere Anlagen in anderen Regionen der Welt suchen. Darüber hinaus könnte der US-Dollar zunehmend zum Spielball des Geschehens im US-Wahlkampf werden.

Umsetzung

Das Union Investment Committee (UIC) hat im Rahmen seiner Sitzung im Juni seine neutrale Risikoausrichtung bestätigt, sich aber etwas defensiver positioniert. Das Gremium hat die Industrieländer-Aktienquote verringert. Somit sind Aktien insgesamt neutral positioniert. Im Rentenbereich wurden Staatsanleihen aus der EWU-Peripherie leicht übergewichtet. Daneben wurde das Übergewicht in Investment-Grade-Unternehmensanleihen bestätigt. Das Untergewicht in Covered Bonds wurde vom UIC weiter ausgebaut. Nach wie vor besteht auch ein Untergewicht in Staatsanleihen der EWU-Kernländer. Bei den Währungen favorisiert das UIC den Euro gegenüber dem US-Dollar. Zudem wurde der Absolute Return-Block ausgebaut.

Der UIC-Prozess

Das Gremium trifft sich turnusmäßig einmal im Monat an zwei aufeinander folgenden Tagen – oder aber auch ad hoc, wenn es die Kapitalmarktentwicklung erfordert. Das erste Treffen dient der Bestandsaufnahme und Analyse der Lage an den internationalen Börsen. Dazu werden sowohl interne Experten aus dem Portfoliomanagement als auch externe Referenten eingeladen. Der zweite Tag steht im Zeichen der Diskussionen und der Entscheidungen. Um eine für das gesamte Portfoliomanagement tragfähige Strategie herauszuarbeiten, muss am Ende eine Einigung stehen: das Kondensat der versammelten Meinungen. Daraus wird die optimale Ausrichtung eines Musterportfolios für die kommenden drei Monate, inklusive der dazu passenden Risikoeinschätzung entwickelt.