Unsere Positionierung

Auf Grundlage eines klar definierten Entscheidungsprozesses erarbeitet das Union Investment Committee (UIC) in jedem Monat eine auf das aktuelle Marktumfeld ausgerichtete Kapitalmarktstrategie.

In den vergangenen Wochen ist die Risikoaversion am Kapitalmarkt zurückgegangen. Ursächlich hierfür waren zum einem Fortschritte beim Handelskonflikt zwischen den USA und China und zum anderen die Entwicklungen beim Brexit. Zwar wurde der für Mitte November erwartete „Mini-Deal“ zwischen den Amerikanern und den Chinesen wieder abgesagt, Anzeichen einer erneuten Eskalation gibt es aktuell aber auch nicht. Nach mehreren parlamentarischen Niederlagen von Premierminister Boris Johnson ist die Wahrscheinlichkeit für einen Brexit ohne Abkommen deutlich gesunken. Die Europäische Union (EU) hat die Austrittsfrist auf den 31. Januar 2020 verschoben. Mitte Dezember werden die Briten an die Urne treten und ein neue Unterhaus wählen. Schenkt man den aktuellen Umfragen glauben, dürfte Johnsons Konservative Partei daraus als Sieger hervorgehen.

Außerdem sind auch konjunkturell leichte Verbesserungen zu verzeichnen. In Frankreich sind die jüngsten Zahlen solide und auch in Deutschland gibt es erste Lichtblicke. Eine durchgreifende wirtschaftliche Erholung auf globaler Ebene steht aber weiter noch aus. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat erneut die Zinsen gesenkt und sich für die Zukunft alle Möglichkeiten offen gehalten. Die Geldpolitik unterstützt zwar nach wie vor. Allerdings verlieren die Maßnahmen der Notenbanken nach unserer Einschätzung perspektivisch an Schlagkraft. Dies gilt auch für das neue Anleiheankaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB), das zu einem guten Teil bereits eingepreist sein dürfte. Dennoch rechtfertigt dieses Gesamtbild derzeit ein moderat-konstruktives Musterportfolio.

Aktuelle Positionierung des Union Investment Committee

Stand: 4. November 2019

Aktien

Die zentralen Treiber der Aktienmärkte sind die Gewinnentwicklung und das globale Wachstum. Das Gewinnbild bei den Unternehmen ist überwiegend weiterhin solide und im Handelskonflikt kam es zuletzt zu Entspannungssignalen. Diese Beruhigung wirkt sich insbesondere positiv auf China aus, das stark in den Welthandel eingebunden ist. Zudem spricht die jüngste Zinssenkung der Fed für einen tendenziell schwächeren US-Dollar, was die Schwellenländer unterstützt.

Renten

Die in der Breite abnehmende Risikoaversion dürfte zu einem anhaltenden, leichten Aufwärtsdruck bei den Renditen der sicheren Häfen im Euroraum – also von Staatsanleihen aus den Euro-Kernmärkten und Covered Bonds – führen. Wir legen nach wie vor unseren Fokus auf Märkte mit Risikoaufschlag, da sie unter anderem vom Anleihekaufprogramm der EZB profitieren.

Rohstoffe

Die Produktionsausfälle nach dem Drohnenangriff in Saudi-Arabien konnten schneller wieder aufgeholt werden als anfangs vermutet. Dennoch dürfte sich der Ölmarkt im vierten Quartal in einem – wenn auch geringeren – Angebotsdefizit befinden. Daneben lassen sich im Energiemarkt weiterhin attraktive Rollrenditen vereinnahmen.

Währungen

Eine abnehmende Risikoaversion, eine im internationalen Vergleich stärker gelockerte US-Geldpolitik sowie eine mögliche, etwas frühere konjunkturelle Erholung im Rest der Welt gegenüber den USA dürften den Aufwärtstrend des US-Dollars beenden. In Erwartung eines geordneten Ausscheidens Großbritanniens aus der EU dürften auch die Risikoprämien im Pfund Sterling sinken und zu dessen Aufwertung führen.

Umsetzung

Das Union Investment Committee (UIC) hat im Rahmen seiner Sitzung im Oktober die neutrale Positionierung beibehalten, sich aber leicht offensiver positioniert. Aufgrund der gesunkenen Risikoaversion wurde das Untergewicht in Schwellenländer-Aktien neutralisiert. Gepaart mit dem Übergewicht in Industrieländer-Titeln ist das Gremium damit im Aktienbereich leicht übergewichtet. Auf der Rentenseite wurden Staatsanleihen der Euro-Kernländer weiter reduziert. Bei High Yield-Anleihen und Covered Bonds bleibt das Untergewicht bestehen. Dagegen favorisiert das UIC weiterhin Anleihen mit Renditeaufschlag, also Investment Grade-Unternehmensanleihen, Papiere aus der Euro-Peripherie sowie Schwellenländer-Anleihen. Im Rohstoffsegment sieht das Gremium Chancen bei Energie und meidet dagegen Edelmetalle. Bei den Währungen favorisiert das UIC das britische Pfund gegen den US-Dollar.

Der UIC-Prozess

Das Gremium trifft sich turnusmäßig einmal im Monat an zwei aufeinander folgenden Tagen – oder aber auch ad hoc, wenn es die Kapitalmarktentwicklung erfordert. Das erste Treffen dient der Bestandsaufnahme und Analyse der Lage an den internationalen Börsen. Dazu werden sowohl interne Experten aus dem Portfoliomanagement als auch externe Referenten eingeladen. Der zweite Tag steht im Zeichen der Diskussionen und der Entscheidungen. Um eine für das gesamte Portfoliomanagement tragfähige Strategie herauszuarbeiten, muss am Ende eine Einigung stehen: das Kondensat der versammelten Meinungen. Daraus wird die optimale Ausrichtung eines Musterportfolios für die kommenden drei Monate, inklusive der dazu passenden Risikoeinschätzung entwickelt.