DAX: Höher, breiter – besser?

DAX: Höher, breiter – besser?

Frankfurt am Main, den 1. September 2021 - Am 13. August war es so weit. Erstmals in seiner 33-jährigen Geschichte übersprang der DAX die 16.000 Punkte-Marke. Auch wenn der Schlusskurs mit 15.977 Zählern leicht darunter lag, blickt der deutsche Leitindex doch bislang auf ein sehr erfreuliches Jahr 2021 zurück. Im September steht nun die umfassendste Reform des DAX seit seiner Einführung an, die Benjardin Gärtner, Leiter Portfoliomanagement Aktien, begrüßt.

Benjardin Gärtner leitet seit 2015 das Aktien-Portfoliomanagement von Union Investment. Darüber hinaus ist er Mitglied des „Union Investment Committee“ (UIC).

Herr Gärtner, unter Investoren und Experten besteht seit geraumer Zeit der Wunsch nach einer Art „Verjüngungskur“. Wird dem die anstehende Reform des deutschen Leitindex gerecht?

Ja, durchaus. Der Dax wird an Statur gewinnen. Denn die wohl wichtigste Neuerung dürfte die Erweiterung von 30 auf künftig 40 Mitglieder sein. Noch immer gilt der DAX vielen als Spiegelbild der deutschen Wirtschaft. Diesem Ruf wird er nach der Reform im September dann besser gerecht als zuvor, weil der erweiterte DAX 40 die deutsche Wirtschaftsstruktur und Unternehmenslandschaft besser reflektieren wird.

Haben Sie schon eine Idee, wer künftig vom MDAX in den DAX wechseln wird?

Die Frage ist aktuell noch nicht geklärt. Die Entscheidung darüber soll am 3. September verkündet und am 17. September nach Börsenschluss umgesetzt werden – erster Handelstag des DAX 40 ist dann der 20. September. Besonders gute Aussichten haben nach den Ranglisten der Deutschen Börse Airbus, Zalando, Siemens Healthineers und Symrise.

Im Rahmen der Reform wurden außerdem neue Regeln für Emittenten erlassen. Können Sie diese kurze zusammenfassen?

DAX-Aufsteiger müssen künftig zwei Jahre in Folge „profitabel“ gewesen sein, also konkret ein positives EBITDA – ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Goodwill-Abschreibungen – aufgewiesen haben, bevor sie für das „Oberhaus der deutschen Börse“ zugelassen werden. Die Marktkapitalisierung gewinnt für die Indexaufnahme an Bedeutung, das Kriterium „Handelsumsatz“ entfällt. Stattdessen wird ein Mindesthandelsvolumen gefordert. Und: Es gelten verschärfte Corporate-Governance-Richtlinien, etwa bei den Berichtspflichten.

Die Modernisierung des DAX wird die Attraktivität und die Qualität des deutschen Leitindex verbessern.

Benjardin Gärtner

Leiter Aktienfondsmanagement

Wie ist die Reform zu bewerten?

Die Modernisierung des DAX ist aus unserer Sicht zu begrüßen. Die Maßnahmen werden die Attraktivität und die Qualität des deutschen Leitindex verbessern. Er wird breiter aufgestellt, enthält mehr Branchen und repräsentiert auch etwas besser die aktuellen Wirtschaftsstrukturen. Es kommen eine Reihe von Unternehmen dazu, die in ihren jeweiligen Geschäftssegmenten international sehr gut positioniert sind und daher ein hohes strukturelles Wachstum aufweisen können.

Gleichzeitig wird der deutsche Leitindex nicht komplett umgekrempelt. Die „Old Economy“ wird nach wie vor dominant vertreten sein.

Das ist auch gut so. Denn fast schon unter dem Radar vieler Investoren läuft ein umfassender Umbau der besagten „Old Economy“. So strengen sich die Automobilhersteller gerade stark an, damit sie auch im Zeitalter der Elektromobilität noch wettbewerbsfähig bleiben. Auch andere Traditionsunternehmen arbeiten daran, mit neuen Geschäftsmodellen, Produkten oder Strukturen weiter in der Lage zu sein, mithalten zu können – und sich womöglich neue Wachstumsfelder zu erschließen. Es findet also eine doppelte Modernisierung statt – mit etwas mehr Wachstumsimpulsen auf der einen Seite und einer Auffrischung der Geschäftsmodelle auf der anderen.

Was bedeutet die Erweiterung des DAX konkret für Investoren?

Grundsätzlich ist die Modernisierung des DAX für Anleger eine gute Nachricht. Sie haben nicht nur einen besser investierbaren Index, sondern können auch auf einen Index zurückgreifen, der gerade eine Auffrischung durchläuft. Durch die größere Zahl an Mitgliedern wird der DAX zudem auch für Fonds einfacher investierbar. Fondsmanager haben dann bessere Möglichkeiten durch aktives Management Akzente zu setzen, und durch die bessere Diversifizierung wird der DAX auch als Benchmarkt attraktiver.

Wie schätzen wir die DAX-Aussichten ein?

Die DAX-Werte sollten im Konzert der globalen Wettbewerber bei der Gewinndynamik aktuell grundsätzlich sehr gut mithalten. Ein Ende des Konjunkturzyklus ist nicht absehbar, sodass den Anlegern die gute Gewinnlage bei den Unternehmen erhalten bleibt. Mit steigenden Gewinnen sollte sich auch die gute Entwicklung beim DAX fortsetzen. Mit der Erweiterung auf den DAX 40 wird die schrittweise Modernisierung, die „Made in Germany“ durchläuft, im Index besser sichtbar.

Diesen Beitrag teilen:

Weitere Artikel

Der große Machtpoker

Der große Machtpoker

Was der anhaltende Konflikt zwischen den USA und China für Anlegende bedeutet

Fast Fashion – wenn Mode zum Problem wird

Fast Fashion – wenn Mode zum Problem wird

Der durchschnittliche Konsument kauft heute 60 Prozent mehr Kleidungsstücke als noch vor 15 Jahren. Dies verursacht neben steigenden Emissionen und einer zunehmenden Wasserverschmutzung ein Müllproblem. Ein Wandel in der Branche ist unumgänglich.

EU gibt Startschuss für erste Grüne Anleihe

EU gibt Startschuss für erste Grüne Anleihe

Grüne Anleihen sind begehrt. Mit ihrem heute veröffentlichten Rahmenwerk gibt die Europäische Union den Startschuss für die Ausgabe von Grünen Anleihen zur Finanzierung des EU-Wiederaufbauplans. Wir begrüßen, dass die EU damit eine weitere „sichere“ Anlage schafft.