Aktives Management 2.0

Mehr Wert

Fundamentales Asset Management liefert Mehrwert – nach wie vor. Veränderte Rahmenbedingungen bringen aber Herausforderungen mit sich. Die Antwort: mehr Aktivität, nicht weniger!
Dr. Frank Engels

 

Ein Beitrag von

Dr. Frank Engels, Leiter Portfoliomanagement und Vorsitzender des Union Investment Committee

 

Wandel ist die Essenz der Welt. Für die Kapitalmärkte – und die Finanzbranche ganz allgemein – gilt dieser Satz mehr denn je. Das betrifft die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen, die Zentralbanken, die konjunkturellen Trends. Wann waren die Börsen nach einer Dekade des Aufschwungs jemals mit dem weltweiten Aufstieg von Populisten, zunehmendem Protektionismus, negativen Zinsen und nicht-vorhandenem Inflationsdruck konfrontiert? Die Antwort: noch nie.

Strukturelle Herausforderungen gewachsen

Diese veränderten äußeren Einflussfaktoren für die Kapitalmärkte werden begleitet durch weniger offensichtliche, aber nicht weniger disruptive Umbrüche für die kapitalanlegende Zunft:

  • die zunehmende Sensibilisierung für nachhaltiges, verantwortungsbewusstes Investieren
  • die Veränderung der Marktstruktur im Hinblick auf die unterliegende Liquidität, Investorengruppen und Investorenverhalten sowie die Geschwindigkeit, mit der neue Themen am Kapitalmarkt an Relevanz gewinnen und auch wechseln
  • die wachsende Bedeutung von systematischen Strategien beziehungsweise regelgebundenen Investoren
  • das Inkrafttreten von MiFID II und der damit verbundene regulatorische Eingriff in die Bereitstellung von Research durch Broker; die strikte aufsichtsrechtliche Trennung vom Handel und die verschärften Transparenzanforderungen an den Handel

Diese Mischung stellt eine große Herausforderung nicht zuletzt für aktive, fundamental ausgerichtete Asset Manager dar.

Aktives Asset Management wird wichtiger

Der Trend zu passiven Investmentprodukten ist eine Herausforderung und Chance zugleich für aktive Asset Manager. Denn: Das aktuelle Umfeld hält auch neue Möglichkeiten für fundamental ausgerichtetes Portfoliomanagement bereit. Drei wesentliche Gründe sprechen jetzt erst recht für einen aktiven Ansatz:

1. In der Praxis sind Kapitalmärkte nicht immer effizient

In der Praxis sind Kapitalmärkte aus verschiedenen Gründen nicht immer und zu jeder Zeit vollkommen effizient. Diese Erkenntnis gilt umso mehr in Umbruchzeiten. Die unorthodoxe Geldpolitik der Zentralbanken, der wachsende Einfluss von populistisch geprägten Politikern und gesellschaftspolitische Megatrends wie das Thema Nachhaltigkeit bieten zahlreiche neue Ansatzpunkte für aktive Manager. Hier können sie besser als der Markt sein und damit einen Performance-Mehrwert erwirtschaften. Langfristig zahlen sich in diesem Umfeld die Vorzüge aktiven Managements aus.

2. Aktives Asset Management ist vor allem Risikomanagement

Aktives Asset Management ist vor allem auch konsequentes und umfassendes Risikomanagement auf allen Stufen des Investmentprozesses. Und die Risiken haben zugenommen: Neue Klimarisiken gefährden beispielsweise tradierte Geschäftsmodelle, die Liquidität wichtiger Kapitalmarktsegmente hat kontinuierlich ab- und die Häufigkeit ungewöhnlich starker und schneller Preisveränderungen von finanziellen Assets deutlich zugenommen Durch vorausschauendes Agieren werden potenzielle Gefährdungen für das Vermögen minimiert. Das umfasst sowohl entsprechende Maßnahmen im Portfolio, als auch die Wahrnehmung unserer Verantwortung als aktiver Shareholder und verantwortlicher Investor im Sinne der Nachhaltigkeit.

3. Funktionierende Kapitalmärkte benötigen bestimmte Akteure

Funktionierende Kapitalmärkte setzen rational handelnde, verantwortliche und vorausschauende Akteure voraus. In diesem Sinne ist ein aktiver Ansatz auch aus übergeordneter Perspektive richtig und wichtig. Denn über die gezielte Selektion wirtschaftlich erfolgreicher und nachhaltiger Geschäftsmodelle werden diese in der Portfoliokonstruktion stärker gewichtet. Aktives Management entfaltet hierdurch wichtige Allokations- und Lenkungsimpulse für das Wirtschafts- und Gesellschaftssystem.

Notwendige Weiterentwicklung gestartet

Klar ist aber auch: Das Kapitalmarktumfeld ändert sich rapide und erfordert auch von Asset Managern eine hohe Veränderungsbereitschaft. Einzig mit den Instrumenten der Vergangenheit lässt sich die Zukunft auf Dauer nicht erfolgreich gestalten. Bei Union Investment haben wir daher die Herausforderung angenommen, aktives Asset Management auf eine neue Qualitätsstufe zu heben. Wir wollen uns weitere Differenzierungsmerkmale und Wettbewerbsvorteile erarbeiten, wie etwa der gezielte Ausbau von Kompetenzen für proprietäres, thematisches Kapitalmarktresearch, das Management nachhaltiger Portfolios und den gezielten Einsatz moderner Technologie – sei es im Datenmanagement (Smart Data), der Investmentanalyse und -strategie (Künstlicher Intelligenz) oder Wertpapierhandel.

Wir wollen aktives Asset Management auf eine neue Qualitätsstufe heben.

Dr. Frank Engels

Leiter Portfoliomanagement und Vorsitzender des Union Investment Committee

Frank Engels

Konkret verfolgen wir vier Ziele:

  1. Wir verbreitern, konzentrieren und vertiefen unsere Researchbasis durch den gezielten Aufbau von Assetklassen-übergreifendem Themenresearch.
  2. Durch die Schaffung eines neuen Bereiches „Research & Investment Strategy“ (RIS) haben wir unsere Kompetenzen konzentriert.
  3. Die Investment- und operationalen Prozesse im Portfoliomanagement wurden inhaltlich fokussiert und damit weiter gestärkt.
  4. Und schließlich entwickelt sich das Portfoliomanagement entlang der gesamten Wertschöpfungskette weiter. Dafür steigern wir unsere operationale Effizienz durch die Bündelung aller Prozess- und Schnittstellenverantwortungen in der Segmentsteuerung/Segmentcontrolling.

Im Kern zielt das Vorhaben somit auf die Steigerung der „Produktionsfähigkeit“ des aktiven Asset Managers ab.

Wettbewerbsvorteile durch mehr proprietäres Research und bessere Verzahnung

Denn: Eigene analytische Fähigkeiten – und damit eine stärkere Unabhängigkeit von externen Researchdienstleistern – werden zunehmend zum Wettbewerbsvorteil. In erster Linie betrifft dies das sogenannte Themenresearch, bei dem assetklassenübergreifend die Relevanz von Wirtschafts- und Gesellschaftsthemen sowie geopolitische Zusammenhänge analysiert werden. In diesem Bereich stocken wir Kapazitäten auf und bündeln zudem die bereits vorhandenen Kräfte. Das ermöglicht uns, eine noch größere Ideenvielfalt in unsere Portfolios zu bringen und versetzt uns vor allem in die Lage, uns deutlich von passiven und indexgebundenen Produkten abzuheben.

Im Gegenzug wird bei nicht-differenzierendem, sogenannten „Basis Research“ der Einsatz eigener Kräfte oder aber der Fremdbezug verringert. Durch diese Fokusverschiebung entstehend die notwendigen Freiräume für mehr themenbasiertes Alpharesearch.

Fokusverschiebung schafft Freiräume

Effektivitäts-  und Effizienzsteigerungen im Basis Research erlauben gezielten Aufbau von performanceorientierten Alpharesearch
Grafik: Fokusverschiebung schafft Freiräume
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Fazit: Aktives Management liefert Mehrwert

Das Kapitalmarkt- und Wettbewerbsumfeld ändert sich rasch. Das Asset Management der Zukunft erfordert leistungsfähiges Research, sorgsames Risikomanagement und durchdachte Verantwortungsbereitschaft. So kann auch unter verschärften Bedingungen den Kunden ein attraktives und zugleich profitables Angebot gemacht werden. Denn: Gutes, erfolgreiches aktives Management liefert Mehrwert.

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