Halbjahresausblick 2018: Wachsende Gefahren für den Welthandel

Halbjahresausblick 2018

Wachsende Gefahren für den Welthandel

Kapitalmarktausblick: Selektion ist Trumpf

Börse ist Bewegung. Das gilt immer, trifft aber besonders im Jahr 2018 zu. Starke Schwankungen bei den Anleiherenditen, ein kräftiges Auf und Ab bei den Aktienkursen und ein deutlicher anziehender Ölpreis zeigen: Am Kapitalmarkt wächst die Unsicherheit. Jens Wilhelm, der im Vorstand von Union Investment zuständig für das Portfoliomanagement ist, ordnet das aktuelle Umfeld ein und nennt seine Anlagefavoriten.
 

Kapitalmarktausblick für das zweite Halbjahr 2018 mit Jens Wilhelm

Kapitalmarktausblick 2. Halbjahr 2018 mit Jens Wilhelm
Starke Schwankungen bei den Anleiherenditen und ein kräftiges Auf und Ab bei den Aktienkursen erzeugen im Jahr 2018 Unsicherheit am Kapitalmarkt. Die wirtschaftliche Lage ist gut. Aber bleibt es dabei? Oder stehen drastische Veränderungen bevor? Dazu Jens Wilhelm, Vorstandsmitglied bei Union Investment.

Auf einen Blick: Sechs Thesen für das zweite Halbjahr am Kapitalmarkt

  • Gefahren für den Welthandel
     

    Der um sich greifende Protektionismus führt dazu, dass Unternehmen vorsichtiger werden

    Jens Wilhelm zur Konjunktur: „Der um sich greifende Protektionismus führt dazu, dass die Unternehmen vorsichtiger werden – beispielsweise weil sie sich in Erwartung einer weiteren Verschärfung mit  Investitionen zurückhalten. Auch wenn die eigentlichen Schutzmaßnahmen gar nicht so drastisch sind, ist die Wirkung nicht zu unterschätzen: Der Welthandelt wird nämlich gebremst, und damit ein wesentlicher Wachstumstreiber.“

  • Es gibt Regionen, die profitieren
     

    Die Steuerreform von Präsident Trump stützt das Wirtschaftswachstum in den USA

    Das heißt für die unterschiedlichen Regionen: „Die Gewinner der Globalisierung sind die Verlierer des Protektionismus. Das gilt vor allem für uns in Europa und die Schwellenländer, während die USA mit ihrem großen nationalen Heimatmarkt weniger stark betroffen sind. In den Vereinigten Staaten kommt noch hinzu, dass die Steuerreform von Präsident Trump der Konjunktur eine ‚zweite Luft‘ verleiht und das Wachstum stützt. Hier scheint sogar eine Überhitzung möglich. Unter dem Strich nehmen damit die regionalen Wachstumsunterschiede wieder zu.“

  • Ende der ultralockeren Geldpolitik
     

    In den USA rechnen wir 2018 noch mit zwei weiteren Leitzinsanhebungen. Für die Europäische Zentralbank sind Zinsschritte bis weit ins Jahr 2019 kein Thema.

    Jens Wilhelm, Mitglied des Vorstands von Union Investment

    Wilhelm_Zitat

    Wie agieren die Zentralbanken? Jens Wilhelm: „Der Richtungswechsel ist vollzogen, die Zeit der ultralockeren Geldpolitik geht zu Ende. Aber dieser Prozess läuft sehr, sehr langsam ab – zumal die konjunkturellen Fragezeichen eher zunehmen und mittelfristig den Straffungsdruck auf die Notenbanken verringern. In diesem Umfeld werden die Währungshüter mit Leitzinsanhebungen sehr bedacht umgehen.“

  • Moderater Renditeanstieg
     

    Die Renditeanstiege für den Rest des Jahres sollten moderat bleiben

    Der Kapitalmarktvorstand geht nicht von einem scharfen Anstieg der Renditen aus: „Wir werden so schnell keine Rückkehr auf historische Niveaus sehen. Die Renditeanstiege für den Rest des Jahres sollten nur noch moderat ausfallen. Wir rechnen zum Jahresende mit 0,5 Prozent bei zehnjährigen Bundesanleihen und 3,2 Prozent bei laufzeitengleichen US-Treasuries“, so seine Einschätzung.

  • Überlegtes Vorgehen an den Rentenmärkten
     

    Durch den absehbaren Rückzug der EZB als Käufer sind europäische Unternehmensanleihen anfälliger geworden

    „In den vergangenen Jahren waren Anleihen mit Renditeaufschlag sehr attraktiv. Dieses Bild hat sich ein Stück weit gewandelt. Gerade europäische Unternehmensanleihen sind anfälliger geworden, unter anderem durch den absehbaren Rückzug der EZB als Käufer.“ Auch bei den Schwellenländern rät Wilhelm zu einem überlegten Vorgehen: „Es gibt noch Chancen, aber man muss genauer hinschauen.“

  • Aktien und Rohstoffe sind Anlagefavoriten
     

    Anleger sollten an DAX-Investments auch in den kommenden Jahren noch viel Freude haben. Die Prognose von Jens Wilhelm zum 50sten Jubiläum: „In 20 Jahren steht der DAX bei rund 32.000 Punkten. Die Steigerung von circa fünf Prozent pro Jahr halte ich auch angesichts des Niedrigzinsumfeldes für sehr ordentlich.“ Doch Anleger sollten den Punktestand niemals als Qualitätsmaßstab interpretieren. Die Herausforderungen für die deutsche Industrie steigen. Somit wird auch die gezielte Einzeltitelauswahl immer wichtiger.

    Wir erwarten mittelfristig eine Konjunkturabkühlung, aber keine Rezession. Damit gibt es nach wie vor Chancen an den Kapitalmärkten, gerade für aktives Management.

    Jens Wilhelm, Vorstandsmitglied von Union Investment

    Wilhelm_Zitat

    Für Aktien und Rohstoffe ist Wilhelm nach wie vor optimistisch: „Die Unternehmen sind noch in Topform. Bei vielen Konzernen sprudeln die Gewinne, gerade in den USA. Auch wenn Aktien nicht mehr günstig sind und das Umfeld schwieriger wird, bleibt die Anlageklasse bis auf weiteres attraktiv. Auch Rohstoffe sind in spätzyklischen Konjunkturphasen – wie wir derzeit eine haben – weiter aussichtsreich.“