Dr. Vanda Rothacker, ESG-Analystin mit Schwerpunkt Corporate Governance

Zehn Fragen zu
Diversität in der Vermögensverwaltung

an Dr. Vanda Rothacker, ESG-Analystin mit Schwerpunkt Corporate Governance

Zehn Fragen zu Diversität in der Vermögensverwaltung

Frankfurt am Main, den 25.06.2021 - Der Frauenanteil im Asset Management ist niedrig – das ist bekannt. Doch in den vergangenen Jahren steigt er langsam an, auch in Ländern wie Deutschland. Denn: Die Vermögensanlage in gemischten Teams ist langfristig erfolgreicher. Union Investment hat bereits vor einigen Jahren eine Diversity-Policy aufgestellt. Der Fokus der Aktivitäten liegt seitdem insbesondere auf dem Thema „Gendervielfalt“. Vanda Rothacker, ESG-Analystin mit Schwerpunkt Corporate Governance bei Union Investment, nimmt Stellung, was der genossenschaftliche Vermögensverwalter in dieser Hinsicht tut.

Dr. Vanda Rothacker

 

Dr. Vanda Rothacker,

ESG-Analystin mit Schwerpunkt Corporate Governance

 

Frau Rothacker, Frauen sind im Portfolio- und Fondsmanagement immer noch in der Minderheit. Laut der Alpha-Female-Studie von Citywire, die 2020 veröffentlicht wurde, liegt der Anteil weltweit bei 11 Prozent. Wie beurteilen Sie persönlich den Status Quo?

Auch wir beobachten ein Ungleichgewicht bei der Geschlechterverteilung – auch, aber nicht nur in unserer Branche. Allerdings sehe ich auch einen langsamen, aber stetigen Trend in Richtung einer ausgeglicheneren Besetzung. So wurden etwa bei Union Investment in den vergangenen Monaten und Jahren vermehrt Frauen eingestellt. Bei uns im Nachhaltigkeitsteam geht es bereits in Richtung Parität.

Welche Erkenntnisse haben Sie zur Rolle von Frauen im Portfolio-/ Fondsmanagement?

Im Fondsmanagement sollten Frauen wie Männer die gleiche Rolle spielen. Jeder neue Blickwinkel bringt neue Ideen – und damit am Ende auch Performance. Dafür brauchen wir Vielfalt. Das würde ich nicht nur auf das Thema Gender beschränken. Diversität im Allgemeinen, bei beruflichen Hintergründen, in der Altersstruktur oder bei verschiedenen kulturellen Prägungen sorgt für frischen Wind und das Aufbrechen alter Denkmuster.

Was bedeutet das für die Zusammenarbeit?

Zahlreiche Studien belegen, dass gemischte Teams erfolgreicher sind. Das gilt auch für das Fondsmanagement. Ein Mangel an Diversität bedeutet im Umkehrschluss, dass Teams weniger erfolgreich sind als sie sein könnten. Zum Beispiel werden Innovationen nicht in dem Maße vorangetrieben, wie es in gemischten Teams möglich wären. Denn wenn alle Teammitglieder gleich „ticken“, besteht die Gefahr des „Group Thinkings“, sodass neue und andere Ideen mit Blick auf Investments, Unternehmen und ähnliches auf der Strecke bleiben.

Fallen die Performance-Ergebnisse anders in gemischte Teams aus?

Für die Performance gelten die gleichen Argumente wie für den allgemein größeren Erfolg von gemischten Teams.

Müsste sich daraus – auch im Eigeninteresse der Vermögensverwalter - eine stärkere Frauenförderung ableiten lassen?

Union Investment hat das Problem erkannt und arbeitet daran, die Diversität und damit auch den Anteil an Mitarbeiterinnen zu steigern. Nach meinen Beobachtungen sind international agierende Firmen da aktuell weiter als nationale Asset Manager. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass etwa die angelsächsischen Kulturen aufgrund ihrer Historie deutlich diverser sind als beispielsweise die deutsche. Damit sind auch deren Kunden und Mitarbeiter automatisch diverser.

Dr. Vanda Rothacker

Laut Citywire liegt die Frauenquote im deutschen Fondsmanagement vergleichsweise niedrig. Allerdings stieg der Frauenanteil von drei bis vier Prozent in den vergangenen Jahren auf nun sechs Prozent. Nehmen deutsche Fondsgesellschaften diese Frage ernster als früher?

Ich denke schon. Union Investment hat jedenfalls die Relevanz des Themas erkannt und arbeitet daran, die Diversität im Portfoliomanagement zu steigern. Ein Grund sind die Vorteile, die gemischte Teams offenkundig bieten. Ein anderer, dass die Diversität von Mitarbeitern und Führungskräften auch bei Kunden einen immer höheren Stellenwert einnimmt. Diese Frage ist bereits jetzt ein Differenzierungsmerkmal.

Wie ist die Situation bei Union Investment?

Im gesamten Portfoliomanagement von Union Investment liegt der Frauenanteil bei rund 22 Prozent, inklusive Fondsmanagerinnen, Analystinnen, Volkswirtinnen, Händlerinnen und Portfolio Associates. Bei den Neueinstellungen geht der Trend weiter nach oben. Im zuletzt ausgebauten Emerging Markets Debt-Team liegt die Quote bei über 40 Prozent, ähnlich sieht es im ESG-Bereich aus. Wichtig ist uns auch hier, dass es nicht nur um Gender-Diversität geht. Wir haben zuletzt auch viele Kolleginnen und Kollegen mit internationalen Wurzeln eingestellt. Auch wenn Bewerber anfangs kein Deutsch sprechen, ist das für uns kein Problem.

Welche weiteren Anstrengungen unternimmt das Unternehmen?

Es gibt auf Unternehmensebene verschiedene Initiativen, welche die Diversität unter den Mitarbeitern fördern sollen. Wir setzen verstärkt darauf, mehr Frauen zu gewinnen, sowie Kolleginnen und Kollegen zu rekrutieren, welche die Diversität sinnvoll ergänzen. Wir sind von der Qualitätssteigerung überzeugt, die diverse Teams bieten. Auch wenn das Thema im Portfoliomanagement drängender ist als auf Konzernebene, gilt dennoch: Diversität ist auch eine Frage der Unternehmenskultur. So gilt es einerseits, den eher langsam wirkenden Hebel über die Neueinstellungen zu nutzen. Andererseits kann Diversität und Ideenreichtum aber auch bei den bestehenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gefördert werden: Über welche Arbeitszeitmodelle gewinne und halte ich möglichst viel Know-how? Wo können Job- oder Top-Sharing sinnvoll eingesetzt werden? Wie fördere ich die Karriereentwicklung insbesondere von Frauen? Wie stärke ich die Innovationskultur? Hier arbeiten wir mit vielen Bereichen zusammen, um das gesamte Unternehmen für die Zukunft zu positionieren. Darüber hinaus fördern wir unter anderem branchenspezifische Business-Netzwerke für Frauen.

Die Wahrnehmung ist, dass Fondsmanagerinnen weit häufiger den Arbeitgeber wechseln als Fondsmanager. Wie ist das bei Union Investment?

Union Investment zeichnet sich durch eine langjährige Betriebszugehörigkeit der Mitarbeitenden aus. Im Schnitt sind es mehr als zehn Jahre. Gleiches gilt für das Portfoliomanagement. Die Statistik unterscheidet leider nicht zwischen Männern und Frauen. Eine Herausforderung ist allerdings, die Branche für weibliche Mitarbeiter noch attraktiver zu machen. Daran arbeiten wir, indem wir etwa versuchen, klassische Rollenmuster aufzubrechen.

Was halten Sie von einer Frauenquote, sei sie gesetzlich oder firmenintern verankert?

Niemand möchte gerne „die Quotenfrau“ sein. Die gesellschaftliche Diskussion um die Quote ist unserer Einschätzung nach jedoch für das Thema hilfreich. Es muss eine Lösung mit geeigneten Instrumenten und Maßnahmen gefunden werden, um die Fondsbranche diverser aufzustellen, damit die Vorteile gemischter Teams besser genutzt werden können.

Frau Rothacker, vielen Dank für das Gespräch.

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