Warum wir keine Kohleunternehmen mehr finanzieren

Warum wir keine Kohleunternehmen mehr finanzieren

Heute die Weichen für eine nachhaltige Zukunft stellen

Keine Kohleunternehmen im Portfolio mehr

Wir stellen heute die Weichen für eine nachhaltige Zukunft. Als aktiver Investor überlegen wir deshalb genau, in welche Unternehmen wir langfristig investieren wollen. Im vergangenen Jahr haben wir uns bei Union Investment entschieden, keine Kohleförderer und künftig auch keine Kohleverstromer mehr zu finanzieren.  

Ob morgens beim Einschalten der Kaffeemaschine, des Rechners oder der Schreibtischlampe – ohne Strom wäre unser Alltag kaum vorstellbar. Doch dahinter verbirgt sich ein ökologisches Problem. Denn ein großer Teil des Stroms kommt noch immer aus Kohlekraftwerken, die Stein- und Braunkohle verfeuern. Beim Verbrennen dieser fossilen Rohstoffe gelangt tonnenweise Kohlenstoffdioxid (CO2) in die Atmosphäre, das dort jahrhundertelang bleibt. Neben anderen Gasen ist CO2 für den sogenannten Treibhauseffekt verantwortlich. Die Folgen dieses menschengemachten Klimawandels spüren wir bereits deutlich: Die weltweite Durchschnittstemperatur klettert nach oben, Gletscher schmelzen, der Meeresspiegel steigt. 

Schaut man sich die Treibhausgasemissionen aufgeschlüsselt nach Sektoren an, hat die Energiewirtschaft den mit Abstand größten Anteil in Deutschland. Damit rückt die Dekarbonisierung der Energiewirtschaft in den Mittelpunkt. 

Dekarbonisierung
Als Dekarbonisierung wird der Weg hin zu einer kohlenstoffarmen oder -freien Wirtschaft beschrieben. In der Folge sollen der Industriesektor auf regenerative Energien umgestellt sowie Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz forciert werden. Zu diesen zählt beispielsweise die Abwärmenutzung. Das Ziel einer CO2-freien Weltwirtschaft bis zur Mitte des Jahrhunderts wurde auch im Abkommen der Pariser Klimakonferenz 2015 festgehalten, um so den weltweiten Temperaturanstieg auf möglichst 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.

Als Investmentgesellschaft hat sich Union Investment deshalb im vergangenen Jahr entschieden, nicht mehr in klimaschädliche Kohleförderer zu investieren. Denn wie man es auch dreht und wendet, Kohle wird niemals nachhaltig sein. 

Vielmehr stehen Unternehmen, die auf diesen Rohstoff zurückgreifen, tendenziell sogar noch mehr Probleme bevor: Regulatorische Hürden werden die Nutzung fossiler Brennstoffe in den kommenden Jahren stark einschränken: Der CO2-Preis wird weiter steigen, staatliche Subventionen werden wegfallen und die Investitions- und Unterhaltskosten vieler schon heute veralteter Kohlekraftwerke werden in die Höhe schnellen. „Solche Unternehmen werden dann zu einem Anlagerisiko für unsere Kundinnen und Kunden“, sagt Dr. Henrik Pontzen, Leiter der Abteilung ESG bei Union Investment.

Bei Kohleförderern greift eine Umsatzschwelle von 5 Prozent, bei Kohleverstromern von 25 Prozent

 

Seit vergangenem Jahr greift daher eine verschärfte Umsatzschwelle für unsere Investments. Nur Unternehmen, die weniger als fünf Prozent ihres Umsatzes in der Kohleförderung erzielen, sind für uns noch investierbar. Bis zum Jahr 2025 sinkt diese Schwelle auf null.

Die von diesen Unternehmen geförderte Kohle wird zu einem Großteil für die Verstromung genutzt. Auch hier setzen wir an: In Konzerne, die Kohle verstromen, investieren wir nur noch, wenn sie damit weniger als 25 Prozent ihres Gesamtumsatzes erzielen. Bis 2035 senken wir diese Umsatzschwelle ebenfalls auf null. „Das heißt, ab dann investieren wir in gar keine Unternehmen mehr, die mit Kohleverstromung Umsätze machen“, betont Pontzen. Außer sie legen eine glaubwürdige Klimastrategie vor, die belegt, dass sie den Strom künftig aus erneuerbaren Quellen, wie Wind oder Sonne, gewinnen wollen.

Diese Regel bedeutete auch, dass wir im vergangenen und in diesem Jahr aus Unternehmen desinvestieren mussten. Bei der Kohleförderung betraf das mehr als 100 Emittenten, deren Papiere wir über drei Monate hinweg marktschonend abgebaut haben. Bei den Kohleverstromern haben wir jedes Unternehmen individuell auf seine Klimastrategie hin überprüft. Viele von ihnen verfügen über eine sehr solide Strategie und bleiben demnach auch Teil des Investmentuniversums. Aus den verbleibenden Unternehmen sind wir ebenfalls in diesem Jahr ausgestiegen. In Summe betraf das 180 Unternehmen.

Green Dream
Auf der ganzen Welt engagieren sich Menschen für eine Reduktion der Erderwärmung. Das nachgebesserte deutsche Klimaschutzgesetz etwa sieht vor, dass Deutschland bis 2030 65 Prozent der Treibhausgase im Vergleich zu 1990 einsparen muss.

Wir überprüfen die Klimastrategie der Unternehmen

 

Den ökologischen Wandel der Wirtschaft unterstützen wir als Investmentgesellschaft mit genossenschaftlichen Wurzeln schon lange. Deshalb waren wir auch unter den ersten Investoren, die konsequent nachhaltige Unternehmen finanziert haben. Und wir forcieren diese Transformation der Wirtschaft auch weiterhin. Das heißt, wir arbeiten auch künftig daran, klimaschädliche Unternehmen auszuschließen, die sich nicht hinreichend transformieren. 

Das heißt aber nicht, dass wir nur noch in Unternehmen investieren, die heute schon vollends nachhaltig sind. Viele Unternehmen haben den anstehenden wirtschaftlichen Umbruch erkannt und wollen sich verändern. Können sie ihre Ambitionen in Richtung Klimaneutralität anhand ihrer Unternehmensführung, ihrer Investitionen und ihrer Strategie glaubhaft belegen, dann begleiten wir diesen Wandel. „Wir wollen das Kohleproblem lösen, indem wir Unternehmen unterstützen, die einen glaubwürdigen Plan für den Ausstieg verfolgen – und das überprüfen wir“, erklärt Pontzen. In diesem Vorgehen spiegelt sich auch unser mehrdimensionaler Engagementansatz als aktiver Investor wider, der sowohl Ausschlüsse als auch den direkten Unternehmensdialog sowie unser Abstimmungsverhalten auf Hauptversammlungen umfasst. 

Infokasten: Unser mehrdimensionaler Engagement-Ansatz 

Ausschlüsse: Dieser Ansatz schließt systematisch bestimmte Investments oder Investmentklassen wie Unternehmen, Branchen oder Länder vom zulässigen Investment-Universum aus, wenn diese gegen spezifische Kriterien verstoßen. Die einzelnen Kriterien können individuell bestimmt werden, wie zum Beispiel der Ausschluss von Unternehmen, die mehr als fünf Prozent ihres Umsatzes mit Glücksspiel, Rüstung oder nuklearer Energie generieren. 

UnionVoice: Union Investment verfolgt einen mehrdimensionalen Engagement-Ansatz. Der konstruktive Unternehmensdialog, UnionVoice, stellt neben dem Abstimmungsverhalten auf Hauptversammlungen die zweite wichtige Säule von UnionEngagement dar. Hauptziel von UnionVoice ist es, im Gespräch mit den Unternehmen die Nachhaltigkeit und somit den Shareholder Value im Interesse unserer Anleger zu verbessern. Der Unternehmensdialog und die daraus gewonnenen Erkenntnisse werden in der unternehmenseigenen Research Plattform SIRIS dokumentiert und analysiert.

Gelingt die Transformation hin zu einer nachhaltigen Stromerzeugung und Netzinfrastruktur, sind das die besten Voraussetzungen für eine grüne Mobilitätswende, die von einem dann tatsächlich nachhaltigen (grünen) Wasserstoff getragen wird. Und das zahlt sich schon jetzt aus, was ein Blick auf die Börsen zeigt: Wer früh auf das Thema Nachhaltigkeit gesetzt hat, ist jetzt schon hoch bewertet. Das belegt: Klimaschutz lohnt sich. Für unsere Kunden. Für uns. Für eine gemeinsame Wirtschaft von morgen. 

Zur Person

Dr. Henrik Pontzen

In seiner Rolle als Leiter der Abteilung Environment Social Governance, kurz ESG, verantwortet Dr. Henrik Pontzen mit seinem Team die nachhaltige Ausrichtung unserer Investments im Dialog mit unserem Portfoliomanagement.

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