„Gutes tun und Geld verdienen“

Nachhaltig anlegen

Union Investment-Vorstandschef Hans Joachim Reinke
über die Vorteile ökologischer, sozialer und ethischer Investments

„Gutes tun und Geld verdienen“

Union Investment-Vorstandschef Hans Joachim Reinke über die Vorteile nachhaltiger Investments, den notwendigen Druck auf Unternehmen und die wachsende Bedeutung der Privatanleger. 

Herr Reinke, warum engagiert sich Union Investment so stark beim Thema „Nachhaltiges Investieren“? Weil es alle tun? Weil es schick und modern ist?

Wir tun das schon seit gut 30 Jahren. Damals kamen unsere Kunden, die katholischen und evangelischen Kirchen­banken, auf uns zu und wollten, dass wir auch nachhaltige Finanzprodukte in unser Angebot aufnehmen. Es hat also nichts mit irgendwelchen Modetrends in der Geldanlage zu tun. Nein, im Gegenteil: Nachhaltigkeit und langfris­tiges Denken sind in unserer Tradition als genossenschaft­liches Finanzinstitut verankert.

Wer hat denn schon vor 30 Jahren nachhaltig Geld angelegt?

Das war vorrangig ein Thema der großen institutionellen Investoren, aber kaum der privaten Anleger. Aber das hat sich erheblich geändert: Derzeit investieren etwa 80 Prozent der großen Finanzinvestoren in nachhaltige Pro­dukte, aber auch schon 65 Prozent unserer Privatkunden im Neugeschäft – vor vier Jahren waren es erst 9 Prozent. Außerdem wird das Thema Nachhaltigkeit ab August einen zusätzlichen Schub bekommen: Dann müssen alle Finanzberater ihre Kunden explizit auf nachhaltige Geldanlage ansprechen.

Wem nützt nachhaltiges Investieren?

Allen, denn wir wissen, wenn wir nachhaltige Kriterien wie Ökologie, Soziales und gute Unternehmensführung berücksichtigen, verbessert sich die Qualität unserer Anlageentscheidung. Das ermöglicht uns, für unsere Kun­den unterm Strich ein besseres Ergebnis zu erzielen. Und es unterstützt die Modernisierung der Wirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit. Unser großer Vorteil ist hier: Wir sind nur unseren 5,7 Millionen privaten und unseren 1.600 institu­tionellen Kunden verpflichtet, indem wir ihr Geld treu­händerisch verwalten. Damit können wir viel freier agieren als andere Anbieter.

Wie nachhaltig denken Ihre Kunden?

Viele von ihnen wollten auch bei der Geldanlage schon immer etwas Gutes tun – und natürlich auch etwas ver­dienen. Ihre Sorge war aber stets: Geht nachhaltiges In­vestieren nicht zulasten von Rendite und Sicherheit? Diese Kunden können wir jetzt dank unserer langjährigen Er­kenntnisse beruhigen: Nachhaltigkeit kostet weder Si­cherheit noch Rendite. Die Aktienkurse der Unternehmen, die CO2 einsparen, entwickeln sich auf lange Sicht über­ durchschnittlich. Daher bin ich davon überzeugt, dass grüne Investments gerade durch die vielen neuen Privat­anleger zusätzlichen Schwung bekommen werden.

Nachhaltiges Investieren ist
kein Mode-Phänomen,
sondern ein langfristiger Trend.

Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender Union Investment

Hans Joachim Reinke

Wie groß ist dieser Schwung aktuell? Wie viele nachhaltige Investments haben Sie? Und wie viele sollen es werden?

Ende vergangenen Jahres verwaltete Union Investment rund 450 Milliarden Euro Kundengelder. Davon steckten 88 Milliarden in nachhaltigen Wertpapieren – wenn wir unsere Immobilienfonds dazurechnen, sogar 126 Milliarden Euro. Wir gehen davon aus, dass sich die Investments im Privatkundenbereich bis 2030 vervierfachen. Nachhaltige Geldanlagen werden in unserem Neugeschäft in Zukunft einen Anteil von etwa 70 Prozent haben. Sowohl bei pri­vaten als auch institutionellen Anlegern.

Wie setzt sich Union Investment dafür ein, dass Unternehmen nachhaltiger werden?

Wir führen jedes Jahr etwa 4.000 Gespräche mit den wichtigsten Verantwortlichen börsennotierter Unter­nehmen – bis hinauf zu den Vorstandsvorsitzenden. Allein in etwa 800 dieser Interviews geht es ausschließlich um Nachhaltigkeit. Die Firmen hören auf uns, weil Union Investment auf rund 2.200 Hauptversammlungen ab­stimmt – im Sinne unserer Kunden.

Viele Unternehmen brauchen beim Thema Nachhaltigkeit also noch Nachhilfe?

Ich spreche lieber von einem konstruktiven Dialog. Die meisten Unternehmen wissen ohnehin schon, wie funda­mental wichtig Nachhaltigkeit für ihre Gesamtentwicklung wird. Und all den anderen Firmen verdeutlichen wir nach­drücklich, wie positiv sich ein größeres nachhaltiges En­gagement für sie und ihre Aktionäre auswirkt. In unseren nachhaltigen Fonds investieren wir nur in Unternehmen, die bereit sind, sich ökonomisch und ökologisch nachhaltig zu entwickeln. Wir investieren aber nicht nur in Firmen, die heute schon „grün“ sind, sondern auch in jene, die sich glaubwürdig wandeln wollen: von heute noch „schmutzigen“ zu „grünen“ Firmen. Umgekehrt gilt aber auch: Wer hierzu nicht bereit ist, bekommt kein frisches Kapital. In einigen Fällen haben wir auch bereits die Ak­tien nicht nachhaltiger Unternehmen verkauft.

Warum wählen Sie für Ihre Investments nicht einfach die Besten der Besten aus?

Weil es derzeit weltweit noch viel zu wenige nachhaltige Top­-Vorbilder gibt. Dann kämen für uns nur etwa fünf Prozent der ca. 1.600 Unternehmen im Welt­-Aktien­index MSCI World infrage. Außerdem sind Aktien dieser „hellgrünen“ Firmen zum Teil bereits extrem teuer, sie haben nur noch wenig Raum nach oben. Es ist daher unser Ansatz, gerade die vielen Unternehmen weltweit zu stärken, die auf dem Weg von „schmutzig“ zu „grün“ sind.  Auf diese Weise können wir viel mehr für die umwelt­freundliche Transformation der Wirtschaft bewirken: Der ökologische Hebel – und auch das Steigerungspotenzial für die Anleger – ist viel größer, wenn wir auch in jene gut geführten traditionellen Unternehmen investieren, die sich bereits nachweislich und glaubhaft auf einem guten, nachhaltigen Weg befinden.

Aber wenn Sie sich entscheiden müssen: Ein uneinsichtiges „schmutziges“ Unternehmen mit hohen Gewinnen oder ein Unternehmen, das sich gerade umweltgerecht wandelt, aber nur halbwegs profitabel ist – wo investiert Union Investment?

Im Grundsatz natürlich in das wandlungsbereite Unter­nehmen. Aber wir analysieren die Chancen und Risiken aller Unternehmen, weil es unsere Aufgabe ist, das Ver­trauen unserer Anleger zu verdienen und ihr Vermögen zu mehren. Nachhaltigkeit ist dabei ein sehr wichtiges Kriterium, aber nicht das einzige. Eine Firma muss aus Sicht der Anleger auch wirtschaftlich gesund sein und ein zukunftsfestes Geschäftsmodell haben.

Wie beeinflussen einschneidende globale Entwicklungen wie zum Beispiel Kriege oder Pandemien Ihre Nachhaltigkeitsstrategie?

Nachhaltiges Investieren wird ganz klar ein Massenthema werden. Das ist kein Mode­-Phänomen, sondern ein starker, langfristiger Trend. Den werden Krisen oder Kriege vielleicht kurzfristig bremsen, aber nicht verändern oder gar aufhalten. Das Gesamtumfeld ist sogar extrem positiv für nachhaltige Geldanlagen: Die grüne Transformation der Wirtschaft läuft weltweit. Europa investiert Hunderte von Milliarden in den „Green Deal“.  Außerdem zeigt uns der russische Krieg in der Ukraine, dass wir unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen wie Öl, Gas und Kohle rasch verringern müssen. All das wird das globale Thema ESG – „Environment, Social, Governance“, also Umwelt, Soziales, gute Unternehmensführung – weiter vorantreiben.

Warum sind Ihnen die Privatanleger bei der nachhaltigen Geldanlage so wichtig? Genügt es nicht, wenn sich die milliardenschweren Finanzinvestoren hier starkmachen?

Eben nicht! Nur wenn es uns gelingt, die vielen Millionen Sparer und Anleger für das Thema Nachhaltigkeit zu be­geistern, kann die grüne Transformation der Wirtschaft gelingen. Politische Vorgaben, Finanzinvestoren und un­ ternehmerische Ziele sind auch wichtig – aber ohne die Beteiligung der Privatanleger, die bereit sind, diese Ent­wicklung mit ihrem Geld zu finanzieren, wird es nicht funktionieren. Wir als Union Investment leben hier die mehr als 170 Jahre alte genossenschaftliche Idee von Fried­rich Wilhelm Raiffeisen: Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele!

Aber wie wollen Sie die vielen – noch immer zögernden – Privatanleger vom nachhaltigen Investieren überzeugen?

Hier müssen wir in der Tat noch besser informieren und erklären. Wie unsere aktuelle Studie „Die nachhaltige Seele Deutschlands“ zeigt, halten 67 Prozent der Deut­schen das Thema Nachhaltigkeit zwar für „wichtig“ oder sogar „sehr wichtig“. Doch beim Geldanlegen gelten für etwa die Hälfte der Befragten weiterhin die klassischen Sparziele Rendite und Sicherheit. Nur für etwa zehn Pro­zent ist es ein Motiv, mit ihren Investments eine nach­haltige Entwicklung zu fördern. Das heißt: Vielen Privat­anlegern ist noch nicht bewusst, dass Nachhaltigkeit und Geldanlage heutzutage eben keine getrennten Welten mehr sind. Mit unserer Studie wollen wir dazu beitragen, dass die Menschen das nachhaltige Investieren besser verstehen, sich intensiver damit auseinandersetzen und erkennen, dass diese Form der Geldanlage für sie keine Nachteile bei Risiko oder Rendite bedeutet. 

Das Interview führte Uli Dönch, veröffentlicht in Focus Extra, S. 10 bis 12, am 18.06.2022.

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<p>Nachhaltigkeit bei Union Investment</p>

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Union Investment hat beschlossen, die Treibhausgasemissionen im verwalteten Wertpapiervermögen noch vor dem Jahr 2050 auf netto null zu bringen. Dazu analysieren wir ESG-Aspekte in unseren Investmentprozessen für alle Anlageklassen und tragen im kritisch-konstruktiven Dialog mit Unternehmen zur Transformation der Wirtschaft bei.

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