Die nachhaltige Transformation der Wirtschaft

Heute in die Unternehmen von morgen investieren

Die nachhaltige Transformation der Wirtschaft

Die Zukunft nachhaltig gestalten

Nachhaltige Unternehmen sind gefragt. Das spiegelt sich auch in hohen Börsenkursen wider. Wie findet man da die, mit denen sich noch eine vielversprechende Rendite erzielen lässt? Dr. Henrik Pontzen, Leiter der Abteilung ESG im Portfoliomanagement bei Union Investment, gibt Einblicke. 

Herr Dr. Pontzen, zu einem ökologischen Umbau der Wirtschaft braucht es auch Investoren, die diesen Wandel finanzieren. Inwiefern werden wir bei Union Investment dieser Verantwortung gerecht?

Wir unterstützen diesen Wandel schon lange, das leitet sich aus unseren genossenschaftlichen Werten ab, gesellschaftliche und wirtschaftliche Probleme lösen wir gemeinsam. Deshalb waren wir auch einer der ersten Investoren, die konsequent nachhaltige Unternehmen finanziert haben. In diesen ökologischen Umbau der Wirtschaft investieren wir auch weiterhin. Wir können aber nicht nur auf die setzen, die heute schon grün sind. Bei Unternehmen gilt: nicht die Grünen müssen grüner werden, sondern die braunen. Wir müssen also auch denen eine Chance geben, die noch dabei sind, sich nachhaltig ausrichten.

Was setzen wir voraus, damit wir in so ein Unternehmen investieren?

Einerseits setzen wir voraus, dass das neue Ziel mit Blick auf die Strategie, seine Investitionstätigkeit und seine Corporate Governance glaubwürdig ist. Das Unternehmen muss uns regelmäßig über nachweisbare Fortschritte berichten, die wir prüfen. Andererseits müssen solche Investments unseren Kundinnen und Kunden eine adäquate Rendite ermöglichen. Sie haben uns schließlich ihr Geld, ihr Erspartes, anvertraut, damit wir es für sie vermehren. 

Bei Unternehmen gilt: nicht die Grünen müssen grüner werden, sondern die braunen.

Dr. Henrik Pontzen

Leiter ESG im Portfoliomanagement bei Union Investment

Sie sprechen mit Blick auf den gesellschaftlichen Wandel von einer Transformation, die sich auch im Asset Management widerspiegele.

Das ist richtig, Nachhaltigkeit ist ja kein statischer Ist-Zustand. Es geht um einen Wandel, den wir auch in unserem nachhaltigen Asset-Management beobachten. Früher schlossen Investoren Konzerne aus, die qua Geschäftsfeld oder Geschäftsgebaren in einem nachhaltig gemanagten Fonds nichts zu suchen hatten. In der nächsten Phase konzentrierten sie sich auf die besonders guten Konzerne, die so genannten Klassenbesten. Für nachhaltige Investoren geht es jetzt auch um den gerade beschriebenen Ansatz: der Transformation. Also heute in die zu investieren, die sich noch verändern werden – die nachhaltigen Unternehmen von morgen.

Von welchen Unternehmen sprechen Sie denn da?

Theoretisch kann jedes Unternehmen zu einem ‚Transitioner‘ werden. Wir müssen aber genau prüfen, wie glaubwürdig die Veränderungsbereitschaft ist. Das ist für uns als Investoren alles andere als trivial, weil sich Taten viel leichter analysieren lassen als Pläne.

Das Transformationspotenzial unterscheidet sich je nach Wirtschaftssektor. Gerade im Energiesektor, schätzen die ESG-Analystinnen und Analysten von Union Investment, wird sich künftig noch viel verändern.

Und wie wollen Sie diese geplante Nachhaltigkeit überprüfen?

Zunächst funktioniert das über unser klassisches fundamentales Research. Heißt: Wir prüfen zunächst, welche Pläne bestehen, nachhaltige Produkte aufzulegen und Produktionsprozesse effizienter zu gestalten, denn diese Punkte sollten der Kern einer Nachhaltigkeitsstrategie sein. Wir schauen uns weiterhin die Investitionstätigkeit an, also ob wirklich auch die nötigen Mittel in die Hand genommen werden. Und bei der Corporate Governance loten wir aus, ob die Unternehmensführung strukturell und personell bereit für diesen Weg ist und in der Vergütung die richtigen Anreize gesetzt werden Die Ergebnisse bilden wir in unserem Transformationsrating ab, das wir im letzten Jahr entwickelt haben.

Inwiefern haben wir als Anteilseigner die Möglichkeit, Unternehmen zu unterstützen, die sich wandeln wollen?

Das machen wir im Rahmen unseres Engagement-Ansatzes. Anders als passive Investoren suchen wir den konstruktiven Austausch, sowohl in regelmäßigen Gesprächen als auch im Rahmen von Hauptversammlungen. Das bedeutet, dass wir mit dem jeweiligen Unternehmen den angestrebten Transformationspfad genau erörtern und individuell prüfen, wie man das vereinbarte Ziel entschlossen verfolgen und dann auch erreichen kann. Wir stehen für glaubwürdige Transformation und unterstützen Unternehmen, die ambitionierte Ziele verlässlich verfolgen. Dieser Schritt ist insgesamt der mühsamste, aber auch der lohnendste.

Ist es nicht glaubwürdiger, einige Unternehmen einfach auszuschließen als darauf zu setzen, dass sie sich nachhaltig verändern werden?

Nein, das sehe ich nicht so. Die Möglichkeit einer Desinvestition bleibt ja immer bestehen, sollten die vereinbarten Ziele und Maßnahmen verpasst werden oder ein Wandel schlicht nicht machbar sein, weil es das Produkt nicht erlaubt. Letzteres trifft etwa auf Kohle- und Ölunternehmen zu. Hier sehen wir als nachhaltiger Investor keine Perspektive. Generell gilt aber: Wir werden unser drängendstes Problem, die Klimakrise, nicht in den Griff bekommen, wenn wir immer nur die besten Unternehmen mitnehmen. Unser Ziel ist es, auf möglichst viele Unternehmen positiv in Richtung Nachhaltigkeit einzuwirken und unser integrativer und aktiver ESG-Investmentansatz erlaubt es uns, hier die zu unterstützen, die veränderungsbereit sind.

Zur Person

Dr. Henrik Pontzen

Dr. Henrik Pontzen leitet seit Januar 2019 die Abteilung ESG im Portfoliomanagement bei Union Investment. Langfristig, sagte er, mache es wenig Sinn, sich nur auf die ‚klassenbesten‘ Unternehmen zu konzentrieren. Stattdessen verfolgt Pontzen bei der Suche nach geeigneten Unternehmen einen aktiven Investmentansatz.

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