Mehr Transparenz, bitte!

Sozialer Fußabdruck: Mehr Transparenz, bitte!

Immer mehr steht auch der soziale Fußabdruck von Unternehmen im Fokus. Doch Geschäfts-, Nachhaltigkeits- und Personalberichte geben oftmals nur bedingt Auskunft.

Sozialer Fußabdruck von Unternehmen: Mehr Transparenz, bitte!

Frankfurt, den 20.10.2021 -  Wie transparent berichten Unternehmen zum Beispiel zu Fragen wie: Hat ein Unternehmen eine klare Talentstrategie? Ist sein Vergütungssystem nachhaltig und langfristig ausgerichtet? Oder: Wie ernst werden Themen wie Diversity und Menschenrechte genommen? Wie die Antworten auf diese Fragen in die ESG-Analysen von Union Investment einfließen und warum vor allem Transparenz wichtig ist, erläutern Dr. Vanda Rothacker und Anne-Katrin Leonard, ESG-Analystinnen im Portfoliomanagement.

Welche Informationen zu HR-Themen erwarten Sie von den Unternehmen?

Dr. Vanda Rothacker: Wir erwarten, dass die Unternehmen sowohl über grundlegende als auch über sektorspezifische Kennzahlen berichten. Das umfasst also insgesamt eine große Bandbreite an Daten. Dazu gehören zum Beispiel Unfallzahlen, Zahlen zur Arbeitnehmerzufriedenheit, zu Datenschutz, zu Health & Safety, aber auch zu Unruhen unter den Beschäftigten. Dabei umfasst das S von „ESG“ nicht nur die Mitarbeitenden selbst, sondern das gesamte Umfeld, also beispielsweise auch Kunden oder Lieferanten.

Zur Person

Dr. Vanda Rothacker

Dr. Vanda Rothacker ist seit 2018 im Portfoliomanagement von Union Investment als ESG Analystin mit Schwerpunkt Corporate Governance tätig. Sie ist für die Abstimmung auf Hauptversammlungen zuständig und vertritt im regelmäßigen Dialog mit den Aufsichtsratsvorsitzenden die Interessen der Anleger von Union Investment.

Können denn die Kennzahlen isoliert betrachtet werden, oder ist eine Verknüpfung zu Umwelt- und Governance-Aspekten nötig?

Anne-Katrin Leonard: Eine isolierte Betrachtung macht kaum Sinn. Menschenrechte und Klimawandel hängen unmittelbar zusammen. So stellt die Klimakrise zweifellos eine der größten Bedrohungen der Menschheit dar und gefährdet demnach weltweit die Einhaltung von Menschenrechten. Werden beispielsweise Maßnahmen ergriffen ohne Rücksicht auf Menschenrechte, manifestiert das bestehende Ungleichheiten. Hier ist der Blick auf die Lieferketten enorm wichtig, insbesondere zum Beispiel beim Abbau von Rohstoffen für Solarpaneele, Batterien oder Windturbinen, also Lithium, Kobalt, Kupfer oder Nickel.

Dr. Vanda Rothacker: Aber auch der Zusammenhang mit dem G (für „Governance“) in „ESG“ ist klar zu erkennen. Denn die Besetzung von Gremien ist immer ein wichtiges Thema. Sind sie unter Berücksichtigung von Diversität und Inklusion besetzt, bringt dies immer neue Perspektiven auf allen Unternehmensebenen mit sich. Aus Datenerhebungen und Forschung wissen wir, dass diverse Unternehmen resilienter und erfolgreicher sind.

Anne-Katrin Leonard

Anne-Katrin Leonard ist seit 2019 im Portfoliomanagement von Union Investment als ESG-Analystin tätig. Im ESG-Kontroversen-Gremium hat sie die Rolle der Themenexpertin für kontroverse Geschäftspraktiken im Bereich der Arbeits- und Menschenrechte übernommen.

Gibt es Unternehmen, die besonders transparent sind?

Dr. Vanda Rothacker: Ein Klassenprimus, der auf allen Ebenen überzeugt, ist schwer zu finden. Aber es gibt einige Unternehmen, die die Bedeutung erkannt haben und sich auf den Weg gemacht haben, sich kontinuierlich zu verbessern. Hier kann ich als Beispiel adidas nennen: Der Konzern publiziert vergleichsweise viele Informationen zu Richtlinien und Praktiken in Bezug auf Zwangsarbeit und hat an dieser Stelle im Vergleich zum Wettbewerb die Nase vorn. Transparenz herrscht insbesondere auch in den Bereichen der verantwortungsvollen Einkaufspolitik und der unangekündigten Audits.

Frau Dr. Rothacker, Frau Leonard, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Nachgefragt bei Frank Jacob, Nachhaltigkeitsbeauftragter von Union Investment

Wie berichtet eigentlich Union Investment selbst über HR-Themen?

Unsere Unternehmenskultur ist geprägt von unseren genossenschaftlichen Werten wie Transparenz, Partnerschaftlichkeit und Professionalität. Dies gilt auch für den Umgang mit unseren Mitarbeitenden sowie mit Geschäftspartnern und Lieferanten.

Wir haben eine vom Gesamtvorstand verabschiedete Nachhaltigkeitsstrategie, welche uns auf Basis der bisher erreichten Erfolge auch in den nächsten Jahren als in Nachhaltigkeitsfragen ambitioniertes Unternehmen positioniert. Mit unserem Nachhaltigkeitsprogramm werden spezifische Nachhaltigkeitszielsetzungen durch die einzelnen Organisationseinheiten verfolgt und dazu jährliche

Maßnahmen zur Weiterentwicklung vereinbart. Mehrere Maßnahmen umfassen beispielsweise Aktivitäten zum Erhalt und Ausbau der Arbeitszufriedenheit beziehungsweise -fähigkeit unserer Mitarbeitenden oder auch zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Darüber hinaus arbeiten wir an der kontinuierlichen Verbesserung der Nachhaltigkeitsleistung unserer Lieferanten und Dienstleister. Dabei ist uns wichtig, dass Auftragnehmer auch für die Einhaltung wesentlicher Anforderungen durch ihre Lieferanten und Subunternehmer Sorge tragen, diese thematisieren und abfragen.

Zu Nachhaltigkeitszielen, -maßnahmen und unseren Fortschritten berichten wir jährlich in unserem Geschäfts- und CSR-Bericht. Der aktuelle Bericht für das Geschäftsjahr 2020 ist hier abrufbar.

Welche Themen stehen im Fokus? Wo gibt es Potenzial, noch transparenter zu werden?

Wir haben uns kürzlich eingehend mit dem Thema Menschenrechte befasst. Menschenrechtliche Auswirkungen können insbesondere durch unsere Entscheidungen und Handlungen in den Rollen als Arbeitgeber, Auftraggeber und Asset Manager entstehen. Für jede dieser Rollen wurden vorrangige menschenrechtliche Risiken abgeleitet. Der Fokus liegt hierbei auf Arbeitsrechten, Arbeitssicherheit, Diskriminierung, Korruption, Geldwäsche sowie Leben und Gesundheit. Die vorrangigen menschenrechtlichen Risiken wurden mit bestehenden Prozessen abgeglichen, und Bedarf für kontinuierliche Verbesserung wurde identifiziert. Entsprechende Maßnahmen werden sukzessive umgesetzt.

In einem ersten Schritt haben wir unsere Erwartungen, Ziele und wesentliche Prozesse im Zusammenhang mit Menschenrechten in einer Grundsatzerklärung beschrieben. Die Berichterstattung zur sozialen Verantwortung werden wir sukzessive ausbauen. Denn menschenrechtliche Auswirkungen und Risiken rücken nicht zuletzt durch die EU-Taxonomie-Verordnung und das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz stärker in den Fokus: Erwartungen seitens des Gesetzgebers, aber auch der Zivilgesellschaft, von Investoren oder Verbrauchern steigen.

Zur Person

Frank Jacob

Frank Jacob ist Leiter des Nachhaltigkeitsmanagements bei Union Investment. 

Diesen Beitrag teilen:

Auch interessant für Sie

Erfahren Sie mehr über Nachhaltigkeit bei Union Investment.

Nachhaltigkeit bei Union Investment

Wir gestalten Zukunft nachhaltig

Als treuhänderisch und vorausschauend handelndes Unternehmen setzen wir uns ein für die nachhaltigen Themen Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung. Wir begleiten den gesellschaftlichen Wandel zu einem nachhaltigen Finanzsystem aktiv mit. 

Gesellschaftliches Engagement

Gesellschaftliches Engagement bei Union Investment

Der Einsatz für das Gemeinwohl ist uns wichtig. Sei es durch das Engagement unserer Mitarbeiter oder unserer Stiftung - wir unterstützen eine Vielzahl von mildtätigen, klimafördernden, wissenschaftlichen und kulturellen Projekten.