Großanleger setzen weiter auf Nachhaltigkeit
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- Nachhaltigkeitsindex gibt nach – Grundstimmung weiterhin positiv
- Einbindung von Nachhaltigkeitskriterien in Investmentprozess als Herausforderung
- Ökonomischer Nutzen und Risikomanagement sind Leitmotive
- Aktives Aktionärstum findet wachsenden Zuspruch
Frankfurt, 03. Mai 2012 – Deutsche Großanleger sind gegenüber nachhaltigen Investments im Vergleich zum Vorjahr zurückhaltender geworden. Die Einstellung gegenüber Anlagen, die neben ökonomischen Faktoren auch ökologische, soziale oder ethische Aspekte berücksichtigen, ist aber weiterhin positiv. Zu diesem Ergebnis kommt der diesjährige Stimmungsindex zur nachhaltigen Kapitalanlage von Union
Investment in Zusammenarbeit mit Prof. Henry Schäfer von der Universität Stuttgart. Im Vergleich zum Vorjahr fiel der Index auf einer Skala von -100 bis +100 von +22 auf +4 Punkte.
Der von Prof. Schäfer entwickelte Index basiert auf den Daten einer jährlich von Union Investment durchgeführten Befragung institutioneller Investoren zu verschiedenen Aspekten der nachhaltigen Kapitalanlage. In diesem Jahr nahmen 202 Großanleger wie Versicherungen, Pensionskassen, Banken, Unternehmen und Stiftungen mit einem verwalteten Gesamtvermögen von mehr als 2,4 Billionen Euro (rund 2.440 Mrd. Euro) an der Studie teil.
„Schwankungen in den Einstellungen der Investoren sind üblich und in der aktuellen Größenordnung durchaus im Rahmen“, betonte Prof. Schäfer. Zum Rückgang des Index haben unter anderen folgende drei Faktoren beigetragen: So gaben in der von Februar bis März 2012 durchgeführten Befragung diesmal weniger Investoren an, Nachhaltigkeitskriterien bei ihren Anlageentscheidungen zu berücksichtigen. Hatten sich im vergangenen Jahr noch 64 Prozent entsprechend geäußert, waren es jetzt noch knapp 50 Prozent. Ferner sank in diesem Jahr bei den Befragten die Gewichtung nachhaltiger Strategien im Rahmen der gesamten Anlagepolitik. Während sich 2011 noch 59 Prozent der Großanleger dazu bekannt hatten, nachhaltige Strategien im Vergleich zu anderen Investmentkriterien stark oder sehr stark zu berücksichtigen, fiel dieser Anteil in der aktuellen Befragung auf 42 Prozent. Rund die Hälfte der Investoren berücksichtigt Nachhaltigkeitsaspekte in gleichem Maße wie andere Anlagekriterien. Dritter Faktor ist ein Informationsdefizit: Der Anteil derjenigen, die sich in Sachen Nachhaltigkeit gut oder sehr gut informiert fühlen, sank von 57 auf 40 Prozent.
Die Grundstimmung ist weiterhin positiv
„Die aktuellen Ergebnisse lassen darauf schließen, dass in der Beurteilung nachhaltiger Investmentstrategien eine gewisse Verunsicherung eingetreten ist. Darüber hinaus haben sich anscheinend bei einer Reihe von Investoren im Zuge der europäischen Staatsschuldenkrise die Prioritäten verschoben, da in Anbetracht des schwierigen Marktumfeldes die Sicherung des benötigten Mindestertrags alles andere dominieren dürfte“, erklärte Alexander Schindler, Vorstandsmitglied bei Union Investment und verantwortlich für das Geschäft mit institutionellen Kunden. „Nachhaltige Investments sind jedoch keine Schönwetter-Strategie. Wir müssen weiter daran arbeiten, den ökonomischen Nutzen dieser Ansätze – vor allem im Risikomanagement – zu vermitteln.“
Ungeachtet der gefallenen Werte signalisiert der Index eine insgesamt stabile, positive Grundstimmung der Investoren. „Institutionelle Anleger, die schon seit längerem nachhaltig investieren, tun dies auch weiterhin, aber es fehlt dem Markt an Dynamik. Bislang zurückhaltende Investorenkreise wie betriebliche Altersvorsorgeeinrichtungen könnten jedoch zu starken Wachstumstreibern werden und so für zusätzliche Dynamik bei nachhaltigen Kapitalanlagen sorgen“, sagte Prof. Schäfer.
Hoher Bedarf an konzeptioneller Beratung
Prof. Schäfer sieht aufgrund der aktuellen Stimmungslage vor allem einen Bedarf an kundengerechten Lösungen. „Nachhaltige Anlagestrategien haben durchaus ein gutes Fundament in der deutschen Investorenlandschaft, doch bei vielen Großanlegern herrscht anscheinend noch Unklarheit hinsichtlich der individuell passenden Konzeption und der Umsetzbarkeit im eigenen Investmentprozess“, sagte der Wissenschaftler.
Vor diesem Hintergrund plädierte Schindler für eine stärker konzeptionell ausgerichtete Beratung in Sachen Nachhaltigkeit. Die Komplexität habe sich für Anleger angesichts der zunehmenden Ausdifferenzierung des nachhaltigen Investmentspektrums weiter erhöht. „Das Thema Nachhaltigkeit ist inzwischen in allen Asset Klassen angekommen, von Aktien über Renten bis hin zu Immobilien“, so das Vorstandsmitglied von Union Investment.
Risikomanagement im Vordergrund
Trotz der Veränderungen in einigen Bereichen bestätigt die Untersuchung in diesem Jahr zentrale Trends im Bereich der Nachhaltigkeit. So dominiert bei den Investoren die ökonomische Nutzenbetrachtung weiterhin das Verständnis nachhaltiger Investmentstrategien. 73 Prozent der Befragten sehen hierin das wichtigste Kriterium für eine nachhaltige Kapitalanlage, gefolgt von sozialen (68 Prozent), ethischen (67 Prozent) und ökologischen Aspekten (60 Prozent). Bereits im vergangenen Jahr zählte die Verbesserung des Risikomanagements für 58 Prozent der Großanleger zu den Top-Motiven für den Einsatz nachhaltiger Anlagestrategien. In diesem Jahr stieg ihre Zahl sogar noch weiter auf 65 Prozent.
Aktiver Dialog als Instrument der Nachhaltigkeit
Gleiches gilt für einen dritten Trend: Gaben im vergangenen Jahr bereits knapp 42 Prozent der Großanleger an, ihre Rolle als aktiver Investor auf- oder ausbauen zu wollen, so waren es in der diesjährigen Untersuchung sogar 47 Prozent. Das heißt, sie planen, durch einen gezielten Dialog Einfluss auf Unternehmen in Hinblick auf ökologische und soziale Kriterien sowie die Grundsätzen guter Unternehmensführung (so genannte ESG-Aspekte) auszuüben.
Zunehmende Bedeutung für die nachhaltige Kapitalanlage institutioneller Investoren erhalten die Prinzipien der Vereinten Nationen für verantwortungsvolles Investieren (UN PRI). 67 Prozent der Großanleger, die diese Prinzipien kennen, setzen sich mit den darin enthaltenen Standards und Anforderungen auseinander. 21 Prozent von ihnen gaben an, die UN PRI bereits unterzeichnet zu haben, 12 Prozent planen eine Unterzeichnung in den kommenden zwölf Monaten.
Auch der aktive Dialog mit Unternehmen, in die man investiert ist, scheint als Instrument der Nachhaltigkeitssteuerung seinen Platz im Repertoire von Großanlegern gefunden zu haben. Fast ein Viertel der Investoren nutzt dieses Instrument zur Durchsetzung von ESG-Aspekten. Knapp die Hälfte von ihnen sucht dabei die Unterstützung eines externen Anbieters. Anbieter von so genannten Engagement-Dienstleistungen können Investoren bei der Steuerung und Durchsetzung nachhaltiger Ziele helfen und die Stoßkraft durch die Bündelung von Anlegerinteressen und Stimmrechten erhöhen.



