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Mehrheit der Deutschen ist gegen staatliche Zwangslösung bei der Altersvorsorge

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  • Besonders junge Menschen wollen sich immer weniger mit der privaten Vorsorge beschäftigen.
  • Immobilien werden als sicherste Form der Altersvorsorge eingeschätzt.

Frankfurt, 3. Januar 2013 – Die Deutschen sind durch die anhaltende Diskussion über die Riester-Rente verunsichert. Kritik an einzelnen Produkten, hauptsächlich Versicherungen, wird von den Menschen pauschal als Kritik an allen Formen der Riester-Rente wahrgenommen. Eine Unterscheidung nach Produktgattungen oder teuren und günstigen Angeboten findet nicht statt. Die Folge: Die Befragten halten die Riester-Rente nur für geringfügig sicherer als die gesetzliche Rente. Diese wird von der großen Mehrheit als besonders unsicher empfunden. Gerade Menschen mit einem geringen Einkommen geben verstärkt an, ihr Geld lieber auszugeben, als für eine ungewisse Zukunft zu sparen. Die von manchen Riester-Kritikern vorgeschlagene Alternative einer verpflichtenden staatlichen Zusatzvorsorge lehnt die Mehrheit der Deutschen ab. Das sind die wichtigsten Ergebnisse der Umfrage von Union Investment zur Altersvorsorge im vierten Quartal 2012.

Die Diskussion über den Nutzen und die Vor- beziehungsweise Nachteile der Riester-Rente verunsichert die Menschen in Deutschland. So gibt knapp die Hälfte (44 Prozent) der Befragten an, negative Berichte über die Riester-Rente gelesen oder gesehen zu haben. Als häufigster Kritikpunkt blieb den Anlegern die vermeintlich geringe Rendite (27 Prozent) im Gedächtnis, gefolgt von hohen Gebühren und Provisionen. Mehr als jeder Fünfte konnte sich allerdings bei der negativen Berichterstattung an keinen konkreten Vorwurf erinnern. Ebenso nimmt die große Mehrheit (80 Prozent) die Kritik als allgemein gegen die Riester-Rente gerichtet wahr. „Obwohl hauptsächlich die Kosten und die Transparenz der Riester-Versicherungen bemängelt wurden, kommt die Unterscheidung nach Produktgattungen bei den Menschen nicht an“, betont Wolfram Erling, Leiter Zukunftsvorsorge bei Union Investment. Besonders bei der jüngsten Altersgruppe zwischen 20 und 29 Jahren können sich nur acht Prozent an Vorwürfe bei bestimmten Riester-Produkten erinnern. Bei den 50- bis 59-Jährigen sind es hingegen 20 Prozent. „Diese Ergebnisse sind beunruhigend. Denn das negative Image der Riester-Rente führt häufig dazu, dass die Menschen die eigene private Vorsorge stilllegen oder erst gar keinen Vertrag abschließen. Dabei funktioniert das System. Mit einer guten Riester-Rente kann man ein großes Polster für die Rentenzeit aufbauen“, betont Erling. Nach Angaben des Bundeszentralamtes für Steuern wurden bis heute für über 1.800 unterschiedliche Anbieter Riester-Zertifikate erteilt. „Würde man beispielsweise Waschmaschinen von so vielen Herstellern untersuchen, würde sicherlich auch hier ein Teil der Produkte nicht gut abschneiden. Es käme allerdings niemand auf die Idee zu sagen, man solle das Waschen am besten ganz lassen“, betont Erling. Dies sieht auch die Stiftung Warentest so: „Fondssparpläne, Banksparpläne, Rentenversicherung oder Baudarlehen: Kaum ein Produkt ist so vielfältig wie die Riester-Rente. Doch in jeder Produktkategorie gibt es gute und schlechte Angebote. Daher sollte sich der Anleger vorher informieren. Denn ein gutes Riester-Angebot lohnt sich.“

Deutsche lehnen eine verpflichtende staatliche Zusatzrente ab

Der von manchen Riester-Kritikern vorgeschlagenen staatlichen Zusatzvorsorge stehen die Deutschen skeptisch gegenüber. 60 Prozent der Befragten bewerten solch ein System schlechter als die bisherige Regelung einer freiwilligen Altersvorsorge. Nur 36 Prozent sind für eine verpflichtende Zusatzrente. Auch die Frage, ob die Altersarmut durch eine vom Staat verwaltete Lösung wirksam eingedämmt werden kann, verneinen 67 Prozent. 29 Prozent sehen dagegen in diesem Vorgehen ein geeignetes Mittel zur Bekämpfung dieses Problems.

Wie tief die Verunsicherung über ein funktionierendes Rentensystem ist, zeigt sich bei den Menschen mit einem Haushaltsnettoeinkommen von weniger als 1.300 Euro pro Monat. In dieser Gruppe gibt knapp die Hälfte (43 Prozent) an, über keine zusätzliche Altersvorsorge zu verfügen. Als Grund dafür gibt mehr als jeder Dritte (33 Prozent) an, dass er das Geld lieber sofort ausgeben würde, als für eine unsichere Zukunft zu sparen. „Diese Einstellung ist bedauerlich, da die Riester-Rente mit ihrer Förderung gerade Menschen mit einem geringen Einkommen besonders stark unterstützt“, betont Erling.

Besonders junge Menschen wollen sich immer weniger mit der privaten Vorsorge beschäftigen

Die Debatte, welches Vorsorgesystem das geeignetste ist, scheint sich auch auf die Bereitschaft der Menschen auszuwirken, sich mit der privaten Altersvorsorge auseinanderzusetzen. Zu Beginn der Befragung im dritten Quartal 2007 sahen noch 75 Prozent der Befragten die Notwendigkeit, sich mit der privaten Vorsorge zu beschäftigen. Seitdem fiel der Wert kontinuierlich auf aktuell 65 Prozent. Besonders stark ist der Trend bei den 20- bis 29-Jährigen zu beobachten. In dieser Altersgruppe fiel die Quote im gleichen Zeitraum von 86 Prozent auf nun 52 Prozent, was der schlechteste Wert seit der Erhebung ist. „Auch wenn das Thema Altersvorsorge zäh erscheint, kann es doch gerade vor dem Hintergrund der zurückgehenden staatlichen Leistungen teilweise existentiell werden. Gerade für junge Menschen gilt: Wer heute den Kopf in den Sand steckt, darf sich nicht wundern, wenn er morgen mit den Zähnen knirscht“, warnt Erling.

Zu der nachlassenden Motivation kommt noch die Skepsis vor Wertpapieren. Mehr als die Hälfte der Befragten (58 Prozent) findet, dass Produkte mit Aktien und Fonds nicht zu einer guten Altersvorsorge gehören. Mit 66 Prozent liegt auch hier die Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen deutlich vorne. „Obwohl die Aktienkurse fast wieder den historischen Höchststand des Jahres 2007 erreicht haben und man mit sicheren Bundesanleihen einen realen Verlust macht, scheint der Schock der Finanzkrise noch tief zu sitzen“, erläutert Erling. In Zeiten niedriger Zinsen und der gerade bei jungen Menschen langen Anlagezeit könne man aber nur mit Aktien ein ordentliches Vermögen aufbauen. Was der Unterschied von nur zwei Prozentpunkten pro Jahr auf eine Laufzeit von 30 Jahren ausmacht, zeigt folgendes Beispiel: Bei einer Einzahlung von 100 Euro im Monat bekommt der Anleger bei einer Wertentwicklung von zwei Prozent am Ende rund 47.000 Euro ausbezahlt. Bei einer Rendite von vier Prozent sind es hingegen mehr als 65.000 Euro.

Immobilien werden als sicherste Form der Altersvorsorge eingeschätzt

Gefragt nach der Sicherheit verschiedener Altersvorsorgeformen schneidet die eigene Immobilie mit 85 Prozent am besten ab. Die gesetzliche Rente hingegen wird am schlechtesten bewertet. 70 Prozent der Befragten halten sie für unsicher. Und obwohl man am Ende der Laufzeit das eingezahlte Geld und die staatlichen Zulagen garantiert wieder zurückbekommt, empfinden nur 37 Prozent der Deutschen die Riester-Rente als sicher. Trotzdem sollte man nicht alles auf ein Pferd setzen und sein Geld nur in sein Haus stecken, wie Erling betont. Denn auch dort gäbe es Risiken. „Eine selbstgenutzte Immobilie als Altersvorsorge kann sinnvoll sein, sofern man sie nicht verkaufen muss. Dies kann aber beispielsweise bei einem beruflichen Wechsel oder im Pflegefall passieren“, so Erling. In solch einer Situation hätte man seine Vorsorge auf ein Objekt konzentriert und es käme dann beim Verkauf sehr auf die Lage an. „Verschlechtert sich beispielsweise die Infrastruktur in ländlichen Gebieten deutlich, ziehen als Folge häufig die jungen Leute weg. Dann kann ein Haus aufgrund der fehlenden Nachfrage schnell an Wert verlieren“, warnt Erling. Beobachten könne man dies schon heute, wo halbe Ortschaften leer stehen.

Seit Mitte 2007 ermittelt das Marktforschungsinstitut Forsa im Auftrag von Union Investment quartalsweise das Anlegerverhalten zum Thema Altersvorsorge. Befragt werden 500 Finanzentscheider in privaten Haushalten im Alter von 20 bis 59 Jahren, die mindestens eine Geldanlage besitzen. Für das vierte Quartal 2012 erhob Forsa die Daten vom 5. bis 14. November. (Bei Umfragewerten, die sich nicht zu hundert Prozent addieren, gibt die Differenz den Anteil der unschlüssigen Befragten an.)

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