Umfrage: Interesse an der Altersvorsorge nimmt ab
- Interesse an der Altersvorsorge hängt vom Einkommen ab
- Junge Menschen setzen ihre Vorsätze nicht um
Frankfurt, 20. Juni 2011 – Die Bereitschaft, sich mit der privaten Altersvorsorge zu beschäftigen, verringert sich immer mehr. Hielten es bei der Erhebung im ersten Quartal 2010 noch 75 Prozent der Befragten für notwendig, sich mit dem Thema zu befassen, fiel der Wert seitdem kontinuierlich auf aktuell 66 Prozent (Zahlen und Grafik sind hier abrufbar). Das geht aus einer Umfrage von Union Investment zur Altersvorsorge im zweiten Quartal 2011 hervor. Auffälligkeiten gibt es dabei vor allem bei den Gruppen der Geringverdiener und der jungen Menschen.
Beschäftigung mit der Altersvorsorge hängt vom Einkommen ab
Je geringer das Einkommen ist, desto weniger setzen sich die Menschen mit der privaten Altersvorsorge auseinander. Während sich in der Einkommensklasse von mehr als 3.100 Euro netto pro Monat 78 Prozent der Befragten bereits mit ihrem zusätzlichen Alterseinkommen beschäftigt haben, sind es in der Gruppe mit einem Haushaltsnettoeinkommen zwischen 1.300 und 2.300 Euro nur 53 Prozent. Noch schlechter sieht es bei den Befragten mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von weniger als 1.300 Euro aus. Bei ihnen haben sich nur 31 Prozent mit der privaten Vorsorge befasst. Das bedeutet einen Rückgang um sieben Prozentpunkte gegenüber der letzten Befragung und ist der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 2007. Entsprechend hat in dieser Gruppe auch nur jeder Dritte einen Riester-Vertrag abgeschlossen. Als Grund für den fehlenden Abschluss einer Riester-Rente gaben 35 Prozent an, kein Geld für eine private Vorsorge zu haben. „Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass 65 Prozent der Befragten, die bisher keine Riester-Rente haben, Geld fürs Alter sparen könnten“, analysiert Wolfram Erling, Leiter Zukunftsvorsorge bei Union Investment. Warum dies nicht umgesetzt würde, sei ihm ein Rätsel. Denn er betont, dass die Riester-Rente die einzige staatlich geförderte Vorsorgemöglichkeit sei, bei der es eine sozialpolitische Komponente gäbe. Das bedeutet, dass Menschen mit niedrigem Einkommen besonders stark gefördert werden. Auch sei der finanzielle Aufwand nicht so groß, wie manche Menschen befürchten, so der Experte. Für den Erhalt der vollen Zulagen müssten lediglich mindestens 60 Euro im Jahr eingezahlt werden, pro Monat also nur fünf Euro.
Erstaunlich in dieser Gruppe ist die deutliche Differenz zwischen dem Wissen um die Notwendigkeit der Altersvorsorge und der konkreten Umsetzung. Denn 59 Prozent der Befragten gaben an, dass man sich mit der privaten Altersvorsorge beschäftigen müsse (Vorquartal 61 Prozent), umgesetzt hat es bislang aber nur knapp jeder Dritte (Grafiken und Zahlen sind hier abrufbar).
Junge Menschen setzen ihre Vorsätze nicht um
Ein analoges Bild zu den Geringverdienern zeigt sich bei den Anlegern zwischen 20 und 29 Jahren. Obwohl 65 Prozent in dieser Gruppe die Notwendigkeit für eine Beschäftigung mit der Altersvorsoge bejahen, haben sich im aktuellen Quartal nur 30 Prozent mit dem Thema beschäftigt. Im Vorquartal waren es noch 40 Prozent. Einen Riester-Vertrag abgeschlossen haben in dieser Altersgruppe 40 Prozent (Vorquartal 47 Prozent). Von denjenigen, die über keine Riester-Rente verfügen, gab knapp jeder Vierte an, zu wenig Geld für eine private Vorsorge zu haben (Grafiken und Zahlen sind hier abrufbar). Welche Auswirkung ein späterer Sparbeginn hat, zeigt folgendes Beispiel: Bei einer monatlichen Einzahlung von 100 Euro und einer jährlichen Wertentwicklung von sechs Prozent stehen nach 20 Jahren rund 43.000 Euro zur Verfügung. Bei einer Dauer von 30 Jahren hingegen 93.000 Euro. „Diese Zahlen belegen, wie wichtig es ist, möglichst früh mit der privaten Vorsorge zu beginnen“, betont Erling.
Seit Mitte 2007 lässt Union Investment durch das Marktforschungsinstitut Forsa quartalsweise eine Erhebung zum Thema Altersvorsorge durchführen. Befragt werden 500 Finanzentscheider in privaten Haushalten im Alter von 20 bis 59 Jahren, die mindestens eine Geldanlage besitzen. Die aktuelle Befragung für das zweite Quartal 2011 fand in der Zeit vom 2. bis zum 10. Mai 2011 statt. (Bei Umfragewerten, die sich nicht zu hundert Prozent addieren, gibt die Differenz den Anteil der unschlüssigen Befragten an.)


